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Wo Andres Iniesta und Zlatan Ibrahimovic das Nachsehen haben

Wo Andres Iniesta und Zlatan Ibrahimovic das Nachsehen haben

Sechs Spiele, vier Siege, zwei Remis: Wenn Baldo di Gregorio auf dem Platz stand, hat Eintracht Trier in dieser Saison nicht verloren. Der 28-Jährige spricht zwar von einem "Zufall", doch der Defensivspieler ist für den SVE sehr wichtig - wenn er von weiteren Verletzungen verschont bleibt.

Trier. Elf Jahre sind Baldo di Gregorio und Freundin Maria liiert. Trotzdem weiß sie noch nicht alles über ihn. Staunend blickt sie auf eine Rangliste, die immer wieder für Gesprächsstoff sorgt.
In einer Übersicht des englischen Fußballmagazins Fourfourtwo aus dem Jahr 2001 werden die 100 größten Talente des Weltfußballs aufgeführt. Baldo di Gregorio liegt auf Platz 19 - unter anderem vor den heutigen Weltstars Andres Iniesta (20.) und Zlatan Ibrahimovic (35.).
Ein Irrsinn? Oder ein realistisches Abbild damaliger Potenziale? Fakt ist: Seinerzeit war di Gregorio keine kleine Nummer. Er war deutscher U-18-Nationalspieler, zu den Teamkollegen in der DFB-Auswahl zählten Bastian Schweinsteiger und Piotr Trochowski. Bei Eintracht Frankfurt stand er auf dem Sprung in die erste Mannschaft. Als B-Jugendlicher habe er Anfragen von europäischen Top-Clubs gehabt, sagt di Gregorio. Doch der Weg des Sohns italienischer Eltern, der in Offenbach geboren wurde, ging nicht steil nach oben. Unter anderem, weil er kniff. "Ich hatte Angst, in ein fremdes Land zu gehen", erklärt di Gregorio. Heute würde er anders entscheiden.
Es folgte Stagnation. Erst keine Chance im Zweit- und Erstligateam von Eintracht Frankfurt, dann vier Vereine zwischen 2004 und 2006 (1. FC Schweinfurt 05, Hammer Spvg., Slavia Sofia, 1. FC Eschborn). Di Gregorio: "Nach der Insolvenz von Schweinfurt habe ich überlegt, mit dem Fußball aufzuhören und Bürokaufmann zu werden." Doch der "Franz Beckenbauer Hessens", wie er als Jugendlicher einmal bezeichnet wurde, probierte es noch mal. 2006 ging er nach Ahlen. Er bekam die Kurve. Nicht auf höchstem Niveau, aber als Profi. Aufstieg in die zweite Liga 2008. Stammkraft an der Seite junger Kerle wie Marco Reus und Kevin Großkreutz. Er blieb bis zum Abstieg 2010.
Abenteuer Iran: Keine Duschen


Nach einem Intermezzo in Bielefeld wagte er ein halbjähriges Abenteuer im Iran. Beim Zweitligisten Gostaresh Foolad in der Millionenstadt Täbris. Di Gregorio: "Wir hatten keine Duschen in der Kabine. Es gab eine Gasheizung, die aber nicht immer funktionierte. Für Fahrten in der Stadt musste man ewig lange bei den Taxis anstehen. Und die fuhren auch immer nur eine Straße hoch und runter. Wenn man irgendwann nach links oder rechts musste, war man zum Umsteigen gezwungen."
Bei seinem Wechsel im Sommer nach Trier spielte der Zufall eine Rolle. Der SVE habe Manuel Bölstler fürs defensive Mittelfeld verpflichten wollen, berichtet di Gregorio. Über Bölstler habe sich Trainer Roland Seitz nach Kandidaten für die Innenverteidigung erkundigt. Di Gregorio kam ins Rennen und wurde verpflichtet. Im Gegensatz zu Bölstler, der sich für den Karlsruher SC entschied.
Auch deshalb spielt di Gregorio beim SVE auf der "Sechs". Und das gut. Wenn er auf dem Feld stand, gab es bislang keine Niederlage. "Das ist Zufall", sagt der Fan des AC Mailand, der erst sechs Mal in dieser Saison zum Zug kam. Wegen einer hartnäckigen Verletzung im Adduktorenbereich musste er mehrere Wochen pausieren. Aktuell hat er andere muskuläre Probleme.
Weil er schon so viel erlebt hat, denkt di Gregorio nicht in langen Zeiträumen. Seine kurzfristige Ambition mit Trier: "Wir wollen oben mitspielen." Nicht mehr, aber auch nicht weniger. bl
Extra

Für Eintracht-Trainer Roland Seitz zählt die SG Sonnenhof Großaspach zu den Anwärtern auf Platz eins in der Regionalliga Südwest. Dennoch sagt er vor dem Auswärtsspiel am Sonntag, 14 Uhr: "Sie ist auch verwundbar." Seitz, der seine Startelf nicht ändern will, hofft auf den Einsatz der angeschlagenen Baldo di Gregorio und Chhunly Pagenburg. Burak Sözen fehlt verletzt. Trotz dreier Siege in Folge wünscht sich Seitz noch mehr Torgefahr, speziell auch bei Ecken und Freistößen. Die Eintracht reist heute an und übernachtet in Fellbach. Die Mannschaft der SG Sonnenhof Großaspach ist physisch stark und hat mit Matthias Morys einen richtig guten Stürmer. Gespielt wird in der neuen Comtech-Arena. Das Stadion bietet Platz für 10 000 Zuschauer und wurde unter anderem von Bayern-Star Mario Gomez sowie Alexander Hleb mitfinanziert. bl