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Es ist wie verhext: Fußball-Regionalligist Eintracht Trier berappelt sich mehr und mehr - doch Erfolgserlebnisse in Form von unerlässlichen Siegen bleiben weiter aus. Nach dem 2:2 gegen Münster ist morgen in Worms ein Sieg Pflicht. Derweil steht Gustav Schulz vor seinem Abschied aus Trier.

Trier. In der Nacht nach dem Spiel fand Eintracht-Mittelfeldspieler Andreas Anicic nicht richtig in den Schlaf. Zu aufgewühlt war er nach den nervenaufreibenden 90 Minuten gegen Preußen Münster.

2:2 nach zweimaliger Führung gegen einen bärenstarken Gegner: Die Eintracht machte "eins ihrer besten Saisonspiele" (Fritz Fuchs, sportlicher Leiter). Doch in der Tabelle hat der Vorletzte keinen Boden gutgemacht, weil auch Mainz II, Mönchengladbach II (beide sogar dreifach), Leverkusen II und Mannheim punkteten.

Die Eintracht hat enorm an den Sünden der Vergangenheit zu knabbern. Inzwischen macht die Mannschaft Fortschritte. Vor allem in der ersten halben Stunde legte Trier gegen Münster ein enormes Tempo vor, am Ende mussten die Gastgeber aber selbst um den einen Punkt mächtig zittern.

Vier Gründe hatte der TV vergangene Woche benannt, warum die Eintracht nicht absteigen darf. Die Mannschaft hat kapiert, um was es geht. "Für keinen Spieler ist es gut, wenn in seiner Vita ein Abstieg auftaucht. Wir müssen es packen! Gegen Münster haben wir uns endlich auch wieder offensiv gezeigt. Hätten wir in den vergangenen Wochen so gespielt, hätten wir zehn Punkte mehr auf dem Konto", sagt Anicic, der als Kreativkraft im zentralen Mittelfeld dem Trierer Spiel momentan gut tut und der zudem gefährlich bei Standards ist. Einer Ecke entsprang das 1:0 (Eigentor Jens Grembowietz), zweimal scheiterte Anicic knapp mit Freistößen.

Die Mankos im Trierer Spiel: Beide Gegentreffer fielen nach Hereingaben über die linke Seite (Loose, 22., Pollok, 72.), zudem versäumte es das Team, auch nach der zweiten Führung (Konter, Abschluss Gustav Schulz, 45.), eine Vorentscheidung zu suchen.

Ein Grund dafür: In der letzten halben Stunde schwanden die Kräfte. Anicic: "Nach 75 Minuten merkst du nach einem Sprint, dass der Puls nicht mehr runter will." Der Geist ist willig, der Körper noch nicht so wie gewünscht. Fuchs: "Die Mannschaft hat spielerisch und konditionell in den vergangenen Wochen zugelegt. Aber ihre Fitness ist noch nicht so, wie sie im Leistungsfußball sein müsste. Das dauert seine Zeit. Dafür wurde in den vergangenen eineinhalb Jahren zuviel geschlampt."

Einer hat zudem immer noch an den Folgen einer Beifuß- und Gewürzallergie zu kämpfen: Gustav Schulz (der TV berichtete). Gegen Münster kämpfte er schon nach zehn Minuten mit Atemnot, nach einer halben Stunde musste er sich deshalb ein paar Minuten lang behandeln lassen. Schulz: "Die Allergie, die dank Medikamenten eigentlich abgeklungen ist, und ein Schnupfen haben vielleicht zusammengewirkt. Mir ist kurze Zeit schwarz vor Augen geworden." Schulz hadert mit seinem Körper, er neigt zum Hyperventilieren. Das scheint vor allem auch eine Kopfsache zu sein. Denn dass Schulz spielt, soll aus medizinischer Sicht unbedenklich sein.

Derweil deutet sich der Abschied des 24-Jährigen von der Eintracht an. Nach TV-Informationen steht Schulz vor einem Wechsel zum luxemburgischen Erstligisten Swift Hesperange. Club-Präsident Fernand Laroche sagte gestern Abend: "Wir sind uns über einen Dreijahresvertrag weitgehend einig. Er bekommt über uns auch eine berufliche Perspektive. Wir sehen in ihm eine riesige Verstärkung auf der Zehner-Position."

Eintracht-Trainer Reinhold Breu hatte zuvor gesagt: "Gustav muss sich entscheiden, ob er weiter Profifußball spielen oder eine Stufe darunter kicken und sich parallel ein berufliches Standbein schaffen will."

Um nicht abzusteigen, braucht Trier nach der Rechnung von Fuchs aus den restlichen sieben Spielen vier Siege. Ein happiges Unterfangen. Dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf: "Wir können es noch aus eigener Kraft schaffen. Das macht mir Mut."

EXTRA

Triers Restprogramm: Wormatia Worms (A), Spfr. Lotte (A), Borussia Mönchengladbach II (H), Waldhof Mannheim (A), VfL Bochum II (H), FSV Mainz 05 II (A), 1. FC Kaiserslautern II (H)