1. Sport
  2. Fußball
  3. Eintracht Trier

Zwischen Tuchel, Jauch und dem großen Traum

Zwischen Tuchel, Jauch und dem großen Traum

Reichlich Fanpost - daran herrscht beim Trierer Fußball-Talent Jonas Raltschitsch (18) nach einem Auftritt bei Stern TV kein Mangel. Aber das ist für den Innenverteidiger des FSV Mainz nur eine Randnotiz. Er arbeitet an seinem Traum, Fußball-Profi zu werden.

. Kurz vor Weihnachten im Stern-TV-Studio bei Köln: Wöchentliche Routine für Moderator Günther Jauch, nur die Themen und Gesprächspartner wechseln. Auf den Sofas und Sesseln des Landes - das unsichtbare Millionenpublikum. Gegenüber von Jauch sitzt diesmal Thomas Tuchel, Cheftrainer des FSV Mainz 05.

Aber um ihn und die gute Hinrunde seiner Mainzer geht es nur am Rande. Im Fokus stehen der Trierer Jonas Raltschitsch und seine beiden Teamkollegen beim Mainzer A-Junioren-Bundesligisten, Frederic Brill und Dennis Schmitt. Es geht um den Traum vom Profi-Fußball, um bedingungslosen Glauben daran. Die drei Talente wurden exemplarisch ausgewählt. Weil sie Leistungsträger sind, und weil sie ihren Traum Meter um Meter näherkommen. Auch wenn noch viele Hürden im Weg stehen werden. "Super-Talente", so bezeichnet sie Jauch. Tuchel will die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Nicht jedes A-Jugend-Talent wird zum nächsten Thomas Müller oder - Mainzer Musterschüler - André Schürrle. Manche Talente scheitern an Verletzungen, am Druck, an den Nerven.

Nervosität wird Raltschitsch nicht ins Straucheln bringen, mag der Fernseh-Zuschauer denken. Er ist die Ruhe selbst: "Man muss dran glauben und für seinen Traum kämpfen, Tag für Tag", sagt der 18-Jährige. Im Sommer war der Ehranger von Trier nach Mainz gewechselt - weg von der Familie, der Eintracht und weg vom Friedrich-Spee-Gymnasium. Hin zu einer weiteren Stufe auf dem Weg zur Traumerfüllung. Das hieß: Alles geben und bereit sein, sich sofort aufzuraffen, wenn man mal fällt. Die kurze Winterpause verbringt Raltschitsch, 1,90-Meter-Kante in der Innenverteidigung, in Trier. Fürs neue Jahr hat er Ziele, klar. Aber keine, die er in Zahlen und Einsatzzeiten messen will: "Ich will mich weiterentwickeln. Das wird ein ganz wichtiges Jahr. Im Seniorenbereich ist es nicht mehr so leicht, dazuzulernen." Verbessern will er vor allem sein Pass-Spiel. Dass seine Kollegen und er zwölf Minuten Sendezeit bei Stern TV bekommen würden, das hatte er bereits im Oktober erfahren. "Warum wir ausgesucht wurden, wurde uns nicht gesagt." Reaktionen gab es seitdem reichlich. "Naja, es haben mich schon viele Leute über Facebook angeschrieben", sagt Raltschitsch. "Auch viele, die mich gar nicht kannten."

Raltschitsch steht vor seinen letzten Monaten im Juniorenbereich. Entscheidend ist aber beim Mainzer Modell auch, die mindestens fünf Trainingseinheiten in der Woche mit der Schule in Einklang zu bringen. Der FSV arbeitet zusammen mit der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim. Raltschitsch geht dort ins zwölfte Schuljahr. "Ich bin dort super aufgenommen worden."

Im Sommer wird er in den Kader der Mainzer U23 rücken, die derzeit gemeinsam mit Eintracht Trier in der Regionalliga West spielt. Das soll der nächste Schritt werden. Nach den Jugendstationen Ehrang, Schweich, Eintracht Trier. In der Eintracht-Zeit wurde Raltschitsch zu zwei Lehrgängen der Junioren-Nationalmannschaft eingeladen. U17-Trainer war damals Marco Pezzaiuoli, inzwischen Hoffenheimer Cheftrainer.

Wie realistisch es ist, den Profi-Traum zu erfüllen? "Die Dichte an Talenten ist sehr groß. Von daher ist es unglaublich schwer", sagt der 18-Jährige. Aber die Hoffnung wird er nicht aufgeben. Und falls er noch mal zu Stern TV eingeladen wird, sollte es noch weniger Grund zur Aufregung geben.