Deutschland-Spiel Für diesen Wahl-Trierer aus Ungarn geht’s nicht nur ums Weiterkommen!

Trier · Im zweiten Gruppenspiel trifft die deutsche Elf auf Ungarn. András Kádas lebt seit zwei Jahren in Trier und wird das Spiel seiner Landsleute live im Stadion verfolgen. Und wie Ungarn bei der EM spielt, könnte Auswirkungen auf seine Zukunft haben.

 Selfie in der Puskas-Arena in Budapest: Der Wahl-Trierer András Kádas ist auch bei allen ungarischen EM-Spielen vor Ort. Am Mittwoch geht’s gegen Deutschland.

Selfie in der Puskas-Arena in Budapest: Der Wahl-Trierer András Kádas ist auch bei allen ungarischen EM-Spielen vor Ort. Am Mittwoch geht’s gegen Deutschland.

Foto: András Kádas

Beim Treffen kurz vor dem EM-Start ist der Optimismus bei András Kádas (38) noch riesengroß. „Wir kommen ins Viertelfinale“, sagte der seit zwei Jahren in Trier lebende Ungar, der in Luxemburg als IT-Projektleiter für die EU-Kommission arbeitet. Nachdem er sich am Samstag das erste Spiel der Ungarn in Köln angeschaut hat (die Schweiz gewann 3:1) – und er zudem von der Stärke der Deutschen überrascht war, ist die Zuversicht vielleicht mehr ganz so grenzenlos. „Ich habe jetzt doch ein wenig Angst vor dem Spiel am Mittwoch“, sagt Kadas, der sich auch das Spiel gegen Deutschland (Mittwoch, 18 Uhr, ARD) live in Stuttgart anschauen wird. Sein Tipp: 1:1. Dann wäre für die Ungarn vor dem Gruppenfinale gegen Schottland am Sonntagbend noch alles drin. Und die Sache mit der Hochzeit: völlig offen.

Schließlich geht es auch um seine Zukunft – ein bisschen zumindest. Beim Treffen mit dem Volksfreund-Reporter im „Kornerhaus“ hat András seinen jüngeren Bruder Richárd (34) dabei, der ihn in Trier besucht. Das liege an einer Wette, die sein älterer Bruder mit ihrem Vater abgeschlossen hätte: „Er hat gewettet, dass es Ungarn unter die besten Acht schafft“, verrät Richárd, der in Österreich als Pfarrer arbeitet: „Wenn er falsch liegt, muss er innerhalb von zwei Jahren heiraten.“ Falls es Ungarn dagegen ins Viertelfinale schaffen sollte, kann sich András länger Zeit mit der Hochzeitsplanung lassen. „Dann muss er innerhalb der nächsten fünf Jahre heiraten.“

Ungarn im Viertelfinale? Dann wird wohl später geheiratet

Da er aktuell Single ist, muss sich aktuell aber niemand unter Druck gesetzt fühlen. Wie es überhaupt zur Wette kommt? „Meine Eltern sind eher klassisch orientiert. Da kommt immer die Frage: Wann heiratest du? Wann kommen Enkelkinder?“, erzählt der 38-Jährige, der zuvor schon in Schottland und Japan gearbeitet hatte. Da habe sich die Wette so ergeben, die Idee kam von seinem Patenonkel. Reaktion seines Bruders: „Bist du narrisch?“

Für die beiden Kádas-Brüder, die gemeinsam in ihrer Heimatregion im Osten Ungarns in der fünften Liga gekickt haben, wird die Mannschaft um Star-Spieler Dominik Szoboszlai vom FC Liverpool noch ihre Chancen bei der EM bekommen. So hält Kádas, der sich in Trier sehr wohlfühlt, viel vom italienischen Trainer der Ungarn, Marco Rossi: „Es ist unglaublich, was er mit dieser Mannschaft schon erreicht hat.“ Szoboszlai habe zudem versprochen, dass es für Ungarn eine legendäre EM geben wird. Viele Spieler kennt man aus der Bundesliga – wie Willi Orban, gebürtiger Pfälzer aus Kaiserslautern. Oder Innenverteidiger Marton Dardai, Sohn von Hertha- und Ungarn-Legende Pal. Wie Andras Schäfer (Union Berlin) oder Roland Sallai vom SC Freiburg.

Den früheren Bundesliga-Spieler Ádám Szalai kennen sie auch persönlich, vom Kneipenabend in Heidelberg wo Szalai gewohnt und Richárd Kadas studiert hatte. Der 36-jährige Ex-Mainzer und Hoffenheimer ist aber nicht mehr bei der EM dabei, er hatte im vergangenen Jahr die Karriere beendet. Dafür ist seit seinem Kurzeinsatz gegen die Schweiz ein anderer ungarischer Stürmer namens Adam – Martin Ádám – unerwartet zum Internetstar geworden. Das lag weniger am spielerischen Auftritt des 29-Jährigen, der für den südkoreanischen Club Ulsan Hyundai kickt. Sondern an der wuchtigen optischen Präsenz des 1,91-Meter-Manns mit Rauschebart.