Serie Meine EM - Künstler Harry Morrison Triers (wohl) bekanntester Schotte: „Wollen besser sein als England!“

Trier · Der Schotte Alexander Harry Morrison hat sich in Trier als Künstler einen Namen gemacht – vor dem letzten Gruppenspiel Schottlands sagt er, was er in Deutschland am meisten vermisst.

Künstler, Lehrer, Hochschul-Dozent: Der Schotte Alexander Harry Morrison lebt seit 2000 in Trier.

Künstler, Lehrer, Hochschul-Dozent: Der Schotte Alexander Harry Morrison lebt seit 2000 in Trier.

Foto: Andreas Feichtner

So ganz den Klischee-Schotten gibt Alexander Harry Morrison jetzt nicht ab, will er auch nicht. Er empfängt den Volksfreund-Reporter im Haus im Trierer Süden nicht im Kilt, mit Dudelsack und Whisky in der Hand. Natürlich nicht. Der glühende Fußball-Fanatiker werde er auch nicht mehr, auch wenn er sich die Auftritte der „Tartan-Army“ bei der EM anschaut und Fußball „ja schon Volkssport“ sei. Ihn zog’s eher zum Rugby.

Aber auf seinem T-Shirt kann man in leichter Abwandlung die schottische Flagge erahnen, das Andreas-Kreuz, das so genannte „Saltire“, wenn auch nicht in Weiß auf Blau. Das T-Shirt stammt auch von einem befreundeten Künstler aus Trier, von „HongAndFriends“. Passt natürlich: Denn Morrison ist zwar Schotte, geboren in Glasgow, aufgewachsen an der Westküste. Aber er ist auch schon seit 2000 in Trier, als Künstler und inzwischen auch Kunstlehrer, hat hier Wurzeln geschlagen, eine Familie gegründet.

Auf den Spuren seines Vaters – aber nicht beim Fußball

Sein Vater war Fußballer, ein recht talentierter Torwart. „Mit Fußball hat er mich zwar nicht angesteckt“, sagt der 52-Jährige, „aber mit der Kunst. Und wie er bin ich auch Lehrer geworden - auch wenn ich erst seit zwei Jahren an einer Schule unterrichte. Vorher arbeitete ich 20 Jahre lang in der Werbung.“ In Bitburg ist er Fachlehrer für Mediengestaltung. Zudem hat Morrison – schon länger – einen Lehrauftrag an der Hochschule Trier. Grafische Techniken beibringen, das ist seine Leidenschaft. Radierungen, Holzschnitt, Linolschnitt. Das hatte er auch in Glasgow studiert, bevor es ihn über Stationen in seiner Heimatregion und in Kiel an die Mosel verschlug.

Die Unterschiede zwischen Schotten und Deutschen? Da fällt ihm exemplarisch eine seine ersten Erfahrungen in Deutschland ein. „Später Abend, es regnet, kein Auto weit und breit - und es stehen fünf Leute an einer roten Fußgängerampel“, erinnert er sich und lacht. Das würde in Schottland eher nicht passieren, „das ist entspannter, da nimmt man es mit den Regeln nicht ganz so eng“. Deutsche seien tendenziell auch pessimistischer als Schotten, auch vorsichtiger: „Sie lassen sich eher mal überversichern.“

Aber, auch klar, er lebt gerne in Deutschland. Und sein Hauptkritikpunkt („Es gibt keine guten Kekse hier – und mit Keksen kenne ich mich gut aus!“) kann er ganz gut selbst beheben: „Ich fahre eigentlich jedes Jahr im Sommer nach Schottland.“ Nicht nur wegen der Kekse.

Immer das Ziel: Besser sein als England!

Und wie sieht es nun mit der EM aus? Die klare Auftaktniederlage gegen Deutschland hatte er sich bei Freunden in Dhronecken angeschaut. Nach dem Remis gegen die Schweiz haben die Schotten im letzten Gruppenspiel am Sonntag gegen Ungarn (21 Uhr) noch Chancen, das Achtelfinale zu erreichen. „Das wäre ein Grund zu feiern“, sagt er. „Und wir hoffen natürlich immer, besser zu sein als England.“

Morrison arbeitet aktuell an einer neuen Installation, die Anfang August zu sehen sein wird - als Teil der „OpenArt“-Ausstellung mit Kunstwerken im öffentlichen Raum. Das gab es in ähnlicher Form schon mal 2021 rund um den Trierer Alleenring - und auch damals war Harry Morrison beteiligt: Er hatte mit Baumschutzmittel Figuren auf Bäumen im Grünstreifen gemalt, eine ewige Umarmung, fast jedenfalls: „Das ist auch heute noch zu sehen.“