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Der Mann weiß, was Frauen wollen

Der Mann weiß, was Frauen wollen

Die Wiege des regionalen Frauenfußballs steht in der Eifel, genauer gesagt in Oberweis. Seit dem Aufstieg des TuS Issel in die Regionalliga im Jahr 2004 ist der Schweicher Stadtteil die unumstrittene Hochburg der Kickerinnen.

Gelenkt werden die Geschicke der erfolgreichen Frauen und Mädchen - insgesamt jagen rund 150 Spielerinnen in unterschiedlichen Alters- und Leistungsklassen dem runden Leder nach - von Jürgen Schmitt. Der 58-Jährige ist nun seit 21 Jahren dabei, und das immer an vorderster Front.
Gerne erzählt der Kriminalbeamte die Geschichte von seiner Tochter Anna, die leidenschaftlich gerne Fußball spielte, aber erst selbst genervt war, dass sie immer mit und gegen Jungs spielen wollte, weil 1991 noch keine Mädchenmannschaften im Isseler Einzugsgebiet gab. Sie nervte ihren Vater dann so lange, bis der dem Drängen nachgab und als Autodidakt eine Mädchenmannschaft aufbaute.
"Ich hatte selbst aktiv gespielt", sagt Schmitt, "habe dann in den Anfängen die Mannschaft auch trainiert, aber zu dieser Zeit niemals daran gedacht, dass daraus die größte Frauen- und Mächenfußballabteilung weit und breit enstehen würde."
Deren Leiter ist er seit Jahren, und er hat die Eigenständigkeit innerhalb des Gesamtvereins auch vorangetrieben. Sonst hätten die Isseler Fußballerinnen auch nie diese Bedeutung erlangt, "weil wir als eigene Abteilung ganz anders auf alle Einflüsse und Erfordernisse reagieren können". Mit den Frauen und den B-Juniorinnen spielt Issel in der Regionalliga. Für Schmitt ist die Zughörigkeit zu diesen Ligen - bei den Frauen ist es die dritte, bei den Mädchen die zweite Liga - derzeit die Grenze des Machbaren. "Weil erstens die Auflagen zu hoch sind, wenn man noch höher hinaus will, und weil der Fundus, aus dem wir schöpfen können, nicht groß genug ist."
Der Nachwuchs rekrutiert sich aus den eigenen Kräften und aus den Talenten der Region. Dass aus dieser Grundlage nicht noch mehr erwächst, liegt wiederum daran, dass die besten Spielerinnen aus Issel zu den benachbarten Bundesligisten nach Saarbrücken oder Bad Neuenahr abwandern.
"Wir sind auch nur ein Ausbildungsverein", sagt Schmitt, betonend, dass das "nur" nicht despektierlich gemeint ist. "Da wir ein lupenreiner Amateurverein sind, der jährlich rund 30 000 Euro in den Spielbetrieb und in die Förderung steckt, ist die Grenze des Machbaren eng gesteckt."
Der Betrag, der Jahr für Jahr benötigt wird, setzt sich zu je einem Drittel aus Zuschüssen des Vereins, Zuschauereinnahmen und dem Obolus des Hauptsponsors SWT zusammen. "So lange kein Mäzen auftaucht", sagt Schmitt augenzwinkernd, "sind wir zufrieden, wenn wir das Niveau halten können." Ein wenig mehr Unterstützung wünscht er sich in puncto Infrastruktur. "Wir haben unmittelbar am Kunstrasenplatz in Schweich keinen Besprechungsraum, keine Umkleidekabinen, und die Mädchen müssen zum Duschen über den Parkplatz und die Straße in die Schule. Das ist kein akzeptabler Zustand."