Mehr Leidenschaft, weniger Kampf

Mehr Leidenschaft, weniger Kampf

Nur wenige Trainer haben sowohl hochklassige Männer- als auch Frauen-Teams betreut: Der Birkenfelder Guido Mey kam 2004 überraschend zum Frauenfußball - und warf seine Vorbehalte schnell über Bord.

Trier. Gut sieben Jahre liegt sie zurück, die telefonische Anfrage an Guido Mey. Ob er Trainer werden wolle. "In welcher Liga?", fragte er. "Als ich dann hörte, dass mich der 1. FC Saarbrücken für sein Frauen-Team haben wollte, habe ich erst mal gelacht", erinnert sich der 66-Jährige.
Mey hatte in den 90ern Regionalligisten wie Eintracht Trier und Borussia Neunkirchen trainiert. Ausschließlich Männerteams, teilweise unter Profibedingungen. Mit Frauenfußball verband er - nichts. Höchstens große Skepsis und alte Klischees. "Aber sie ließen nicht locker. Ich habe mir dann mal ein Spiel angeschaut und war überrascht: Die konnten richtig mit dem Ball umgehen, und sie waren mit Leidenschaft bei der Sache. Das hatte ich in manchen Männer-Teams vorher mal vermisst." Mey sagte zu - und blieb vier Jahre lang beim FCS, inklusive Bundesliga-Aufstieg, DFB-Pokalfinal-Teilnahme in Berlin 2008 und einem bitteren Abstieg. Seine Meinung über den Frauen-Fußball hat sich grundlegend geändert. "Vom Training und der Ansprache her gibt es keinen Unterschied. Auch aus taktischer Sicht sind die Frauen den Männern ebenbürtig. Aber es hapert weiterhin beim Zweikampf und der Aggressivität. Das sieht man auch in den WM-Spielen", sagt Mey. Beim ungeliebten Konditionsbolzen sei die Arbeit mit Frauen-Teams oft einfacher. "Da laufen Spielerinnen noch weiter, wenn mancher Mann schon murrt."
Unter Mey hatten sich Nationalspielerinnen wie Nadine Keßler, Josephine Henning und Dzsenifer Marozsán in der Bundesliga etabliert. Marozsán kam als jüngste Spielerin aller Zeiten in der Bundesliga zum Einsatz, ihr Debüt feierte sie mit 15 Jahren. "Auch Josy hat sich kontinuierlich verbessert", sagt Mey. Er ist dem Frauen-Fußball erhalten geblieben. Mey peilt als technischer Leiter beim Regionalligisten Bardenbach (Wadern) im nächsten Jahr den Aufstieg in die zweite Liga an.
1996 hatte Mey bei der Eintracht als "Feuerwehrmann" zum Klassenerhalt in der Regionalliga beigetragen. Bei seiner ersten SVE-Amtszeit wurde er 1988 Oberliga-Vizemeister. AF

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