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Vor Frauen-EM: Stippvisite in Schleidweiler

Dzsenifer Marozsan. TV-Foto: Jon Becker
Dzsenifer Marozsan. TV-Foto: Jon Becker
Schleidweiler. Jüngste Bundesliga-Spielerin aller Zeiten mit weniger als 15 Jahren, jüngste Bundesliga-Torschützin und mit 18 Jahren A-Nationalspielerin: Dzsenifer Marozsan (21) ist die Hoffnungsträgerin im Frauenfußball. Am Rande des Steka-Cups in Schleidweiler stand sie TV-Mitarbeiter Jon Becker Rede und Antwort.

Schleidweiler. Interviews mit populären Nachwuchssportlern können sich schwierig gestalten. Doch bei der neuen Spielmacherin der deutschen Frauennationalmannschaft, Dzsenifer Maroszan (21) vom 1. FFC Frankfurt, ist das Gegenteil der Fall. Geduldig und gelassen antwortet die frühere Spielerin des FC Saarbrücken, die in Ungarn geboren wurde, auf die TV-Fragen.

Wenn Sie sich in Schleidweiler umschauen - werden da Erinnerungen an die Turniere aus Ihrer Jugendzeit wach?
Marozsan: Ja klar. Wir hatten auch ständig Turniere und das war auch für mich immer ein absolutes Highlight. So ein Turnier schweißt eine Mannschaft zusammen. Zudem lernt man andere Mannschaften kennen, so dass solch eine Veranstaltung für mich immer ein großer Spaß war.

Mit 14 Jahren haben Sie bereits in der Frauen-Bundesliga gespielt. Mittlerweile sind Sie 21 und stehen vor dem ersten großen Turnier mit der A-Nationalmannschaft. Wie sehen Sie Ihre Rolle für die EM in Schweden?
Marozsan: Ich gelte logischerweise noch als eine junge Spielerin, aber ich habe auch schon einiges an Erfahrung sammeln können und versuche daher natürlich der Mannschaft weitestgehend zu helfen, Verantwortung zu übernehmen und einfach mein Bestes zu geben.

Obwohl es Ihr erstes großes Turnier mit der A-Nationalmannschaft ist, sollen Sie bereits die Fäden des Teams ziehen. Wäre es Ihnen lieber gewesen, zunächst eine etwas weniger wichtige Position innezuhaben?
Marozsan: Ich mache mir ehrlich gesagt gar keine Gedanken drüber. Ich lasse einfach alles auf mich zukommen. Wenn ich mir zu viel Kopf darüber machen würde, wäre das sicher nicht gut.

Mit der U 17 wurden Sie 2008 Europameisterin, mit der U20 2010 Weltmeisterin im eigenen Land. Wie sehr hilft Ihnen die Erfahrung für die Frauen-EM?
Marozsan: Das sind sehr wichtige Erfahrungen für mich. Schon als Juniorin war es ein tolles Gefühl, für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen zu können. Klar, das Niveau ist diesmal ein anderes, aber der Ablauf wird nahezu identisch sein.

Sechs wichtige Spielerinnen fallen für die EM aus. Ist trotzdem der Titel drin?
Marozsan: Es ist nicht schön, dass wir so viele Spielerinnen verloren haben. Aber ich denke, unsere junge Truppe hat genügend Potenzial. Wir haben alle richtig Lust auf die EM.

Sie sind eine von acht nominierten Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt. Ist diese "Blockbildung" ein Vorteil für die EM?
Marozsan: Natürlich ist es schön, wenn man viele Mädels schon gut aus dem Verein kennt. So kennt man die Laufwege und man weiß, wie sich diese Spielerin auf dem Platz verhält. Das macht es sicher etwas einfacher. Aber Verantwortung müssen wir alle übernehmen. Da spielt es keine große Rolle, von welchem Verein man kommt.

Trotz Ihres jungen Alters haben Sie Ihren ersten großen Rückschlag bereits hinter sich, als Sie 2011 die Heim-WM verletzungsbedingt verpassten. Wie lange hatten Sie daran zu knabbern?
Marozsan: Das war das Schlimmste, was mir bisher passiert ist, eine Wahnsinnszeit. Ich dachte zeitweise, dass es nie ein Ende nimmt. Ich war täglich fünf bis sechs Stunden in der Reha. Das war auch für den Kopf sehr hart. Aber ich habe damals sehr viel Unterstützung von meiner Familie erfahren, was mir das Durchstehen dieser Leidenszeit etwas erleichtert hat. Ich versuche auch aus dieser Erfahrung etwas Positives zu ziehen. Ich kenne meinen Körper nun deutlich besser und weiß, wann ich ihm eine Pause gönnen muss. job