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Wie der Frauenfußball nach Issel kam

Wie der Frauenfußball nach Issel kam

Wenn sich diese Geschichte nicht genau so zugetragen hätte, müsste man sie erfinden. Der TuS Issel, das Aushängeschild des Frauen- und Mädchenfußballs in der Region, hat seine Entstehung der Begeisterung für diesen Sport und der Hartnäckigkeit der Tochter des heutigen Abteilungsleiters Jürgen Schmitt zu verdanken.

Schweich-Issel. Ein Blick zurück. Anna Schmitt (heute: Berg) war acht Jahre alt und es gab für sie nichts Schöneres, als Fußball zu spielen. Das größte Problem für die kleine Anna war, dass sie das einzige Mädchen war, denn zu dieser Zeit, im Jahr 1991, gab es in der ganzen Region nur Jungen und Männer die organisiert Fußball spielten, Mädchen suchte man vergeblich. Also kickte Anna mit Jungen, was als Solistin besonders schwierig war. "Es wäre nicht lange gutgegangen", sagt Vater Jürgen im Rückblick.
Es dauerte nicht lange, und die Schmitt-Tochter quängelte immer häufiger, lag ihrem Vater so lange in den Ohren, bis der einen Versuchsballon startete. An den Schulen in Schweich verteilte er Handzettel mit dem Hinweis, ein Schnuppertraining für Mädchen anzubieten. Schmitt, der sozusagen über Nacht zum Übungsleiter avancierte, traute seinen Augen nicht, als sich auf diese Initiative 20 Mädchen meldeten, die Fußball spielen wollten. Diese erste Trainingseinheit bildet die Geburtsstunde des Mädchen- und Frauenfußballs der gesamten Region.
Diese Kinder und der Vater, der den Bewegungsdrang seiner Tochter nicht bremsen konnte und wollte, bilden den Ursprung des "Isseler Fräuleinwunders". Inzwischen kicken für den TuS "zwischen 120 und 150 Mädchen und Frauen" (Jürgen Schmitt) in vier Jugend- und zwei Damenteams, angeleitet von rund einem Dutzend Trainern. Von der ersten Stunde an an der Seite von Anna (heute 27 Jahre alt) war auch Nicole Kayser (29) - und das ist bis heute so geblieben. Die beiden letzten Spielerinnen der Isseler Trainingspremiere beenden nun ihre Karriere. Mit dem Heimspiel des TuS Issel II (Sonntag, 16.30 Uhr, Schulzentrum) in der Partie gegen den TuS Reil, treten sie letztmals vor eigenem Publikum an.
Dass dieses Duo über fast zwei Jahrzehnte viel Zeit beim gemeinsamen Sport, aber auch in der Freizeit verbracht hat, ist offensichtlich. Ihre Antworten auf die gestellten Fragen sind fast deckungsgleich. Wie: "Wahnsinn, was aus diesen Anfängen entstanden ist." Oder: "Unglaublich, wie sich das Niveau, die Trainingsabläufe und -inhalte geändert haben." Und auch: "Wenn wir sehen, was unsere zum Teil mehr als zehn Jahre jüngeren Mitspielerinnen können, hat das mit dem, wie wir damals gespielt haben, wenig zu tun." Beide sagen aber auch: "Es war die vielleicht schönste und spannendste Zeit, die wir haben konnten, deshalb kommt der Rücktrittstermin auch genau richtig."
Beide Spielerinnen werden dem Verein in anderen Funktionen erhalten bleiben.