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Fußball-EM Kommentar Wo ist das Fairplay geblieben? Stefan Strohm

Meinung : Wo ist das Fairplay geblieben?

Gemütlich zurücklehnen im Fernsehsessel und als neu­traler Beobachter völlig entspannt das Endspiel ansehen – es hat auch etwas Gutes, wenn sich die deutsche Mannschaft frühzeitig aus einer Welt- oder Europameisterschaft verabschiedet.

Das ist viel nervenschonender als etwa 2014 im WM-Finale der Krimi gegen Argentinien, bei dem nicht nur ich um Jahre gealtert bin.

Ich ertappe mich am Sonntagabend dabei, schon nach dem frühen Führungstor für die Engländer nervös hin- und herzurutschen. Ich werde doch nicht? Doch, ich mache es tatsächlich: Ich fiebere mit den Italienern! Und das liegt nicht nur an der tollen Teamleistung der Azzurri, sondern vielmehr am Verhalten der englischen Fans und auch einiger englischer Spieler. Das Ausbuhen der gegnerischen Nationalhymne, wie es wiederholt zu hören war, ist ein absolutes No-Go. Genauso wie das Entern des Stadions durch betrunkene Anhänger Stunden vor dem Endspiel. Oder das Ergaunern der Finalteilnahme durch die Schwalbe von Raheem Sterling in der Verlängerung des Halbfinals gegen Dänemark. Solche Aktionen hat England nicht nötig, das Mutterland des Fußballs steht doch eigentlich für Fairplay – nur wo ist es geblieben?

Aus diesen Gründen schlug mein Fußball-Herz am Sonntag für die Italiener, die letztlich für ihren unermüdlichen Einsatz verdient belohnt wurden. Leid tat es mir dennoch für die jungen Rashford, Sancho und Saka, die der finalen Last der Verantwortung noch nicht gewachsen waren.

s.strohm@volksfreund.de