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Groundhopping: Was ein TV-Leser beim Fußball in Hongkong erlebt hat

So kickt die Welt: Lesergeschichten vom Fußball rund um den Globus - Teil 4 : Hopp, hopp – ab nach Hongkong

Von einer wechselhaften Taxifahrt und einem Stadion zwischen Hochhäusern: Was ein TV-Leser beim Fußball in Asien erlebt hat.

Mit dem Taxi zum Stadion zu fahren, kann eine gute Idee sein. Kein lästiges Parkplatzsuchen, keine überfüllte S-Bahn-Station. Klingt alles sehr entspannt – wenn man sich auskennt und weiß, in welches Stadion man möchte.

Wenn nicht, dann kann das folgendermaßen aussehen: Drei Luxembuger sitzen in Hongkong in einem Taxi. Es soll zum Spiel der Hongkong Rangers gegen den R&F FC fahren. Rein ins Taxi, alles normal. Doch dann fällt den Dreien auf, dass das Stadion der Rangers weit außerhalb der Stadt liegt und der Anpfiff näher rückt.

Ein Plan B muss her. Sie instruieren den Taxifahrer, doch zu einem anderen Stadion zu fahren, dem Sham Shui Po Sports Ground im Gebiet Kowloon. Ziemlicher Kuddelmuddel. Aber was nimmt man nicht alles auf sich um ein Fußballspiel zu schauen? Statt Rangers gegen R&F geht es zum Spiel der Lee Man Warriors gegen den Eastern SC. Das Wechselbad der Taxi-Gefühle sollte ihren Preis haben – dazu später mehr.

Die wechselhafte Taxifahrt erleben im Dezember der Luxemburger Paul Krier und seine beiden Begleiter. Krier (42) ist  Sportjournalist im Großherzogtum. Dort ist er zuständig für das luxemburgische Pendant zu FuPa Rheinland. Wenn er nicht arbeitet, dann geht Krier seinem Hobby nach: dem Groundhoppen (Erklärung siehe Info). In der Serie „So kickt die Welt“ erzählt der Trierische Volksfreund Lesergeschichten vom Fußball rund um den Globus – heute die der drei Luxemburger und ihrem Trip in die Millionenmetropole Hongkong.

Zurück zur kurzfristig umgeplanten Taxifahrt. Diese sorgt dafür, dass die beiden Groundhopper zehn Minuten nach Anpfiff am Spielort eintreffen. Glücklicherweise steht es zu diesem Zeitpunkt noch 0:0 – also noch nichts verpasst. Die Wahl des Stadions stellt sich schnell als die richtige heraus. Beeindruckende und für Hongkong typische Wohnsilos ragen direkt neben dem Spielfeld in den Himmel. Die Bewohner dieser können sich den Eintritt zum Spiel sparen – sollten aber nicht zu weit oben wohnen, wenn sie nicht mit dem Fernglas das Spiel schauen wollen. Diese Hochhaus-Schauer ausgenommen sind rund 1300 Zuschauer beim Spiel der Lee Man Warriors gegen den Eastern SC. Auch zwei nette kleine Ultragruppierungen sind da, die für die Stimmung sorgen sollen. Diese bestehen jeweils aus 20 bis 30 Fans. Paul Krier und seine Begleiter erinnern diese Größenordnungen sehr an das heimische Großherzogtum.

Neben der beeindruckenden Kulisse unterscheidet sich auch das fußballerische Niveau von der Heimat. Dass hier der Tabellendritte (Lee Man) und der -fünfte (Eastern SC) aufeinandertreffen, spiegelt das Spiel nicht wieder. Krier vergleicht das Niveau mit einem Spiel in den unteren Bereichen der BGL Ligue (erste luxemburgische Liga) oder oberen Platzierungen in der Ehrenpromotion (zweite luxemburgische Liga). In der Nachspielzeit der  ersten Halbzeit geht die spielerisch unterlegene Heimmannschaft mit 1:0 in Führung.

Viele Groundhopper bringen von ihren Touren regelmäßig Fanartikel des jeweiligen Vereins mit. So auch Paul Krier, der sich in der Halbzeit auf die Suche nach dem Fanshop macht. Problem: Dieser befindet sich außerhalb des Stadions. Aber die Hongkonger haben eine Lösung: Krier bekommt eine „Austrittskarte“, mit der er die Arena verlassen darf. Nach dem Besuch des Fanshops inklusive Schal-Kauf muss er diese wieder vorzeigen – und darf das Stadion (natürlich ohne ein zweites Mal zahlen zu müssen) wieder betreten.

 Die Tribüne des Shamui Sho Po Sports Ground in Hongkong.
Die Tribüne des Shamui Sho Po Sports Ground in Hongkong. Foto: Paul Krier

In der zweiten Halbzeit bleibt das Spiel weiter auf mäßigem Niveau, auch Tore dürfen die Luxemburger nicht mehr bejubeln, die heimischen Lee Man Warriors gewinnen mit 1:0.

Nach Hause geht’s – wie könnte es bei dieser Tour anders sein – mit dem Taxi. Diesmal allerdings mit klarem Ziel. Auch wenn die wechselhafte Fahrt zum Stadion zehn Minuten des Spiels gekostet hat: Nach Aussage von Paul Krier hätten sie das Stadion auf eigene Faust niemals gefunden. Kein Wunder zwischen all’ den Wohnsilos.