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Auf einen Rotwein mit Edouard Olszewski: Der Franzose glaubt, dass sich seine Landsleute nicht einschüchtern lassen

Auf einen Rotwein mit Edouard Olszewski: Der Franzose glaubt, dass sich seine Landsleute nicht einschüchtern lassen

Inwieweit wird die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich durch die Terroranschläge des vergangenen Jahres beeinflusst? Fotograf Edouard Olszewski, der nahe Metz aufgewachsen ist und in Trier lebt, vertraut auf die Widerstandskraft des französischen Volks: "Ich denke, die EM wird ein großes Fest."

Edouard Olszewski ist ein Wanderer zwischen den Welten. Der Franzose, aufgewachsen in Bouzonville unweit von Metz, lebt seit August 2008 in Trier. Während seiner Studienzeit (zuerst Physik/Chemie, später Wirtschaft/Marketing) machte er Abstecher nach England. Seinen ersten Job bei einer Bank nahm er in Luxemburg an. Das schafft Gewissenskonflikte. "Als Deutschland und Frankreich im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 aufeinandertrafen, wusste ich nicht so recht, wem ich die Daumen drücken sollte", erinnert sich Olszewski.

Tief im Herzen ist und bleibt der 33-Jährige aber Franzose. Nicht nur, weil im Radio in seiner Wohnung immer France Culture läuft. Diese Identifikation mit seinem Land wurde auch leidvoll im Zuge der Terroranschläge in Frankreich sichtbar. "Das Attentat auf Charlie Hebdo im Januar 2015, dann die Anschläge in Paris im November - das hat die französische Gesellschaft und auch mich sehr tief getroffen."Ohne Benzema? Kein Problem!

Die Terrorgefahr und die Fußball-EM in Frankreich - über die Auswirkungen kann Olszewski nur spekulieren: "Die Sicherheitslage und Sicherheitsvorkehrungen sind noch ein unbekannter Faktor."

Doch in einem ist er sich ziemlich sicher: "Die typische Reaktion in Frankreich wird sein, dass die Leute bei der EM raus gehen und feiern. Sie werden keine Angst zeigen. Ich denke, die EM wird ein großes Fest."

Olszewski, der seit dem vergangenen Jahr hauptberuflich als Fotograf (Porträts, Hochzeiten, Fashion) arbeitet, ist stolz, dass Frankreich erstmals seit der Weltmeisterschaft 1998 wieder Gastgeber eines großen Fußball-Turniers ist. Der 33-Jährige ist kein Fußball-Junkie, der jeden Tag sämtliche Nachrichten zum Thema aufsaugt. "Ich habe als Kind mit Freunden Fußball gespielt, aber nicht im Verein. Fußball ist für mich Spaß. Bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften bin ich gerne dabei. Ich bin ein Volksfestfreund. Dafür ist der Fußball ein guter Anlass." Entweder gemeinsam mit Freunden vor dem heimischen Fernseher oder beim Public Viewing - Fußball ist für Olszewski ein Gemeinschaftserlebnis.

Mit Blick auf die Chancen der französischen Elf verfährt er nach einem interessanten Motto: "In der Vergangenheit war es so: Wenn von der Mannschaft nichts erwartet wurde, gewann sie die WM und EM."

Ein Thema in der Nationalmannschaft rüttelt derzeit auf - die Nichtnominierung von Stürmerstar Karim Benzema, der beschuldigt wird, an einem Erpressungsversuch gegen Teamkollege Mathieu Valbuena beteiligt gewesen zu sein. "In Frankreich ist Benzema sehr unpopulär geworden. Aber wir haben ja Erfahrung mit solchen Sachen", sagt Olszewski. Bei der WM 1998 verzichtete der damalige Nationaltrainer Aimé Jacquet auf die Dienste von David Ginola und des skandalumwitterten Eric Cantona - die Franzosen wurden dennoch Weltmeister im eigenen Land.

In Olszewskis Freundeskreis wird es wohl ein Tippspiel zur EM geben. Der Fotograf hofft auf ein besseres Abschneiden als bei der WM 2014, als er nach eigenen Worten "komplett verloren" hatte. Stilecht soll es nicht um Geld gehen - sondern um eine schöne Flasche französischen Rotwein.Extra

Am 10. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Der TV stellt im Vorfeld die 24 Teilnehmernationen vor. Dazu treffen wir uns mit Landsleuten, die in der Region Trier verwurzelt sind. Bei einem landestypischen Essen oder Getränk plaudern wir über Land und Leute - und Fußball. Heute geht's um Gastgeber Frankreich - mit Edouard Olszewski.