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"Das Leben ist zu kurz zum Traurigsein"

"Das Leben ist zu kurz zum Traurigsein"

Seit mehr als 25 Jahren wohnt Alan Gunning nun schon in Deutschland. Doch wenn die Fußball-EM beginnt, ist der Inhaber des Trierer Irish Pub wieder ganz Ire.

Foto: (g_sport

Ein Fußballspiel kann die Gemüter erhitzen - manchmal vielleicht zu sehr. Wie leicht die Stimmung im Stadion kippen kann, hat der Ire Alan Gunning selbst miterlebt. "1995 war das", erinnert sich der Wahl-Trierer. Die irische Nationalmannschaft spielte in Dublin gegen das englische Team. Und er: live dabei. "Zu Anfang war die Atmosphäre fantastisch", schwärmt er. Seine Landsleute und die Fans von der Nachbarinsel lieferten sich ein lautstarkes Gesangsduell.

Dann gingen die Iren in Führung - und die Situation auf den Tribünen eskalierte. "Die haben die Sitzbänke herausgerissen und aufeinander eingeprügelt", erzählt Gunning. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt, 40 festgenommen und das Spiel - nach einer halben Stunde abgebrochen.

Solche Schlägereien wegen des Sportes sehe man heutzutage nicht mehr oft, sagt der 47-jährige Inhaber des Irish Pub Trier. Die Zeiten der Hooligans seien vorbei. "Und das ist auch gut so." Ins Stadion gehe Gunning nur noch selten. Fußball schaue er meistens im Pub, seinem "zweiten Wohnzimmer", wie er seine Kneipe nennt. Fan ist er aber immer noch von ganzem Herzen.

So fiebert er auch der EM entgegen. Denn in diesem Jahr sind seine Landsleute mit dabei - und das erst zum dritten Mal in der Geschichte des Turniers. Große Chancen rechnet er dem Team um Kapitän Robbie Keane allerdings nicht aus: "Wir werden wohl schon in der Vorrunde rausfliegen." Zu stark sei die Gruppe mit Italien, Belgien und Schweden. Sollten die Iren, wie erwartet, direkt wieder nach Hause fahren, nehme Gunning das aber gelassen. Und da sieht er einen Unterschied zwischen den Deutschen und den Iren. "Wenn die Deutschen verlieren, sind sie todtraurig und gehen nach Hause. Wir feiern dann einfach weiter", sagt er und fügt hinzu: "Das Leben ist zu kurz zum Traurigsein."

Doch inzwischen verstehe er die Einheimischen immer besser. Hier, in Deutschland, hat er immerhin einen größeren Teil seines Lebens verbracht als in seiner irischen Heimat. Vor rund 25 Jahren hatte er seinen Job in der Autowerkstatt seines Vaters hingeschmissen, um in der Moselregion neu anzufangen. Bereut habe er diese Entscheidung nie. Heute besucht er die grüne Insel nur noch selten. Bei der EM ist er trotzdem wieder ganz Ire.

Er freue sich aber auch auf die Spiele der anderen Mannschaften. Die schaue er sich natürlich nicht allein auf der Couch an, sondern im Pub mit seinen Gästen, die an manchen Tagen von allen Kontinenten der Erde kommen. Und zusammen werden sie jubeln, singen und vielleicht ein paar Tränen vergießen. Solange sie sich nicht prügeln, ist das für Gunning "das Schönste auf der Welt".