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Die Locken sind weg, der Stolz ist da

Die Locken sind weg, der Stolz ist da

Er hat unter anderem für den FSV Salmrohr und Eintracht Trier gespielt, ehe er von der Bildfläche verschwand. Astrit Ramadani hat als Stürmer in den 1990er Jahren in der Region Trier nicht nur wegen seiner Tore für Aufsehen gesorgt. Heute ist der Albaner dem Fußball weiterhin verbunden, vor allem als Beobachter. Bei der EM will er live dabei sein.

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Foto: Oliver Krato (g_sport

Wittlich. Um Astrit Ramadani ranken sich manche Legenden und Geheimnisse. Doch auch er selbst weiß nicht alles über sich und sein Umfeld. Überrascht reagiert der heute 50-Jährige, als sein achtjähriger Sohn Kian aus dem Keller mit einer orangefarbenen Mappe kommt, in dem zahlreiche Artikel über den ehemaligen Stürmer abgeheftet sind. Erstellt hat die Zusammenschau Ehefrau Ana - von ihrer Sammelleidenschaft wusste Astrit Ramadani bis dato nichts.
Als Stürmer ist er aufgefallen. Wegen seiner Tore. Wegen seiner Lockenpracht. Die markante Frisur ist inzwischen Geschichte. "Als meine Haare grau wurden, habe ich sie abschneiden lassen. Es sah nicht mehr gut aus", sagt Ramadani, der mit seiner Familie in einem Haus in Wittlich-Bombogen lebt.
1990 war er mit seiner Frau über die deutsche Botschaft aus Albanien geflüchtet. Mit dem Zug ging's über Saarbrücken nach Lebach. Ramadani, in Albanien vier Mal Fußballmeister mit SK Tirana und Partizan Tirana, ging auch in Deutschland auf Torejagd. Für den FC Homburg, den FSV Salmrohr, Wehen und Eintracht Trier. Später geriet er mit dem Gesetz in Konflikt. Er musste Deutschland für ein paar Jahre verlassen. "Ich habe meine Fehler eingestanden und dafür gebüßt", sagt Ramadani, der nach eigener Aussage heute aus zwei errichteten großen Wohnkomplexen im Umland von Tirana Einnahmen generiert. "Alle zwei Monate fliege ich für zwei, drei Wochen runter", berichtet Ramadani. Er kenne viele Trainer und Funktionäre im albanischen Fußball sowie den Chef des Telekommunikationsunternehmens DigitalB, das die Fußball-Nationalmannschaft sponsort.
Ramadani findet es gut, dass keiner seiner Landsleute die albanische Auswahl coacht, sondern der Italiener Gianni De Biasi. "Wenn ein Albaner am Ruder wäre, würde ihm ständig jemand reinreden. De Biasi reagiert dagegen auf versuchte Einflussnahmen nicht. Seit 1930 nimmt unsere Nationalelf am internationalen Spielbetrieb teil. Dass sie es jetzt zur EM geschafft hat, macht uns alle stolz", sagt Ramadani. Albanien sieht er in der Vorrundengruppe mit Frankreich, Rumänien und der Schweiz aber als Außenseiter.
Besondere Brisanz birgt die Partie gegen die Schweiz, nicht nur wegen des Bruderduells Granit Xhaka (Mönchengladbach) gegen Taulant Xhaka (FC Basel). "Viele Nationalspieler der Schweiz sind im Kosovo aufgewachsen. Wir sind auf diese Begegnung alle sehr gespannt", sagt Ramadani, der für diese Partie sowie für die anderen beiden Vorrundenspiele Albaniens Einladungen des Fußballverbands vorliegen hat.
Wenn Ramadani recht behält, wird ein Ex-Eintrachtler nicht bei der EM dabei sein. Freistoßspezialist Alban Meha, derzeit beim türkischen Erstligisten Konyaspor unter Vertrag, soll bei Trainer De Biasi einen schweren Stand haben, seit er eine Einladung zu einem Freundschaftsspiel ausgeschlagen habe. "Es tut mir leid für den Jungen, er ist ein guter Spieler", sagt Ramadani, der mit Freude die fußballerische Entwicklung seines Sohns Kian beobachtet. Der Achtjährige spielt bei der JSG Wittlich. zudem trainiert er beim FSV Salmrohr.
Der Spross ist wie der Papa Stürmer. Jüngst gelangen dem F-Jugendlichen zehn Tore in einem Spiel - darunter der erste Treffer per Kopf. Vater Ramadani: "Ich bin stolz, wenn er so viele Tore schießt. Er hat Talent, aber ich werde keinen Druck auf ihn ausüben."