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Ein forscher Tipp und Lob für die "Piefkes"

Ein forscher Tipp und Lob für die "Piefkes"

Österreich und Fußball - diese Beziehung wurde lange Zeit belächelt. Damit ist Schluss. Emil Stangl, gebürtig aus dem Burgenland und mit seiner Frau Christel Hotelier in Prüm, sagt, warum die Alpenrepublik bei der EM ernst zu nehmen ist.

Stegersbach ist eine verträumte 2500-Seelen-Gemeinde im österreichischen Burgenland. Im März dieses Jahres war es mit der Ruhe aber kurzzeitig vorbei. Als sich die österreichische Fußball-Nationalmannschaft im Ort auf zwei Testspiele vorbereitete, kamen fast so viele Fans zu einer öffentlichen Trainingseinheit, wie Stegersbach Einwohner hat.

Mittendrin: Emil und Christel Stangl samt Enkelkindern. Emil Stangl ist im nicht weit von Stegersbach entfernten Winten geboren - im März war er auf Heimatbesuch. Seit 2009 leben der Österreicher und seine vom Niederrhein stammende Frau in Prüm. Dort betreiben sie das Hotel-Restaurant ,,Zur Stangl Wirtin".

"Der Auflauf in Stegersbach zeigt, dass in Österreich eine große EM-Euphorie herrscht. Der Fußball bei uns ist so gut aufgestellt wie seit ewigen Zeiten nicht mehr", sagt der 59-Jährige, der nach einer Ausbildung zum Kellner als 20-Jähriger nach Köln gekommen war. Er ist optimistisch: "Ich traue der Mannschaft zu, dass sie ins Halbfinale einzieht." Basis des aktuellen Erfolgs sei die Europameisterschaft 2008 gewesen, die Österreich und die Schweiz gemeinsam ausgerichtet hatten. "Vor der EM wurde begonnen, die Jugendarbeit besser zu strukturieren. Für die EM damals hatte das noch keine Früchte getragen, da hat den Spielern noch der Killerinstinkt gefehlt." Das habe sich geändert, auch weil durch eine bessere fußballerische Ausbildung nun auch mehr Spieler aus Österreich im Ausland spielen. "Das jetzige Team spielt im Grunde seit zwei Jahren zusammen. Die Spieler profitieren von einem blinden Verständnis untereinander."

Dem Fan von Austria Wien fällt es dabei nicht schwer, auch den "Piefkes" - also den Deutschen - einen Teil des Erfolgs zuzuschreiben. Teamchef Marcel Koller baut auf einige Profis, die in der Bundesliga aktiv sind. Die Hoffnungen bei der EM ruhen dabei vor allem auf Bayern-Star David Alaba. Trainer Koller verfahre zudem wie Deutschlands Coach Joachim Löw. "Er beruft auch Spieler, die in ihren Vereinen nicht immer die erste Geige spielen, im Nationalteam aber top sind", sagt Stangl.

In der EM-Vorrunde wartet auf Österreich neben den Partien gegen Portugal und Island ein ganz besonderes Duell. Seit langer Zeit trifft das Team mal wieder auf Ungarn. Das Burgenland, Stangls Heimat, gehörte einst zum Königreich Ungarn. Stangl: "Das wird ein tolles, brisantes Duell."

Und Deutschland? Hätte die österreichische Elf bei einem Aufeinandertreffen eine Chance? "Warum nicht?", stellt Stangl eine Gegenfrage. Bei der EM 2008 war es ja schon knapp. Damals betrieben Emil und Christel Stangl ein Restaurant im Erftkreis. Das Vorrundenspiel Deutschland gegen Österreich verfolgten 300 Gäste vor einer Großbildleinwand. "Im Falle eines österreichischen Siegs hätte ich jedem Gast ein Bier ausgegeben", erinnert sich Stangl. Dazu kam es nicht. Michael Ballack erzielte in der 49. Minute das entscheidende 1:0 für Deutschland.Extra

Foto: (g_sport

Am 10. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Der TV stellt im Vorfeld die 24 Teilnehmernationen vor. Dazu treffen wir uns mit Landsleuten, die in der Region Trier verwurzelt sind. Bei einem landestypischen Essen oder Getränk plaudern wir über Land und Leute - und Fußball. Heute geht's um Österreich - mit Emil Stangl.