Einmal Leder, immer Leder

Er war Fußballer, Trainer, Sportdirektor und Vereinschef - heute ist er Kaufmann. Alexander Szatmari, Inhaber des Geschäfts LaBorsa in der Trierer Simeonstraße, bleibt sich damit aber treu: "Früher ging’s bei mir ums runde Leder, heute beschäftige ich mich mit Lederwaren." Der EM blickt der Rumäne mit gemischten Gefühlen entgegen.

Trier. Die Wunde aus dem Jahr 1975 ist noch immer nicht ganz verheilt. Selbstbewusst trat Alexander Szatmari mit Dinamo Bukarest damals in der ersten Runde des Europapokals der Landesmeister gegen Real Madrid an. Doch schon im Hinspiel zerstoben die Hoffnungen. 1:4 verlor Dinamo im Stadion Santiago Bernabéu. Das 1:0 im Rückspiel vor 50 000 Zuschauern dank eines Treffers von Szatmari war zu wenig. Bis heute beschleicht den damaligen Abwehrspieler ein ungutes Gefühl: "In Madrid pfiff ein jugoslawischer Schiedsrichter. Da war klar, was Sache ist ..."
Fehlende professionelle Mentalität, mangelhaftes Fairplay - zwei Punkte, die der heute 64-Jährige auch in seinem Heimatland Rumänien anprangert. "Der rumänische Fußball ist derzeit weit weg von der sehr guten Generation der 1990er Jahre. Es gibt immer noch richtig gute Spieler, aber das Fußball-System unterstützt nicht die ehrliche Arbeit, nicht den professionellen Ehrgeiz."
Szatmari, Sohn eines ungarischen Vaters und einer deutschen Mutter, ist in der rumänischen 200 000-Einwohner-Stadt Oradea geboren und aufgewachsen. In den Jahren 2005 und 2006 war der 30-fache rumänische Nationalspieler Präsident seines Jugendvereins FC Bihor Oradea, der in der zweiten Liga spielt. Eine querelenreiche Zeit, die Szatmari in seiner Einschätzung mangelnder Qualität und Professionalität bestätigt hat.
Heute hat der 64-Jährige deshalb nicht mehr allzu viel mit dem rumänischen Fußball am Hut. Seine Heimat ist ohnehin Trier. Dort lebt er seit 1985.
1979 war Szatmari als Spieler von Dinamo Bukarest im Zuge eines Uefa-Pokal-Spiels in Frankfurt aus Rumänien geflohen. Er spielte noch zwei Jahre beim VfB Stuttgart, ehe der Libero seine Karriere in den USA in Fort Lauderdale und später beim FSV Salmrohr ausklingen ließ.
Der aktuelle Abstieg des VfB tut Szatmari weh, aber irgendwie hat er ihn kommen sehen. "Es wurde nach dem Transfer von Antonio Rüdiger zu wenig ins Team investiert. Der Trainer Alexander Zorniger war nicht passend für die Ansprüche des VfB - und Robin Dutt war als Sportvorstand eine falsche Besetzung."
Der Fußball und das Geld - auch bei Eintracht Trier ist das ein leidiges Thema. Szatmari war beim SVE unter anderem Sportdirektor, Interimstrainer (1990) und Präsident (1995 bis 1996). "Heute wäre es gar nicht mehr möglich, so wie damals Leute eines Kalibers wie Dragoslav Stepanovic, Udo Klug, Matthias Hamann oder Markus Osthoff zu holen. Der Fußball ist noch kommerzieller geworden. Spieler und Trainer gehen dahin, wo das meiste Geld ist. Eine logische Sache, da Karrieren im Fußball nun mal zeitlich begrenzt sind."
Trotz aller Kritik an den Verhältnissen im rumänischen Fußball: Die Nationalmannschaft ist bei der Europameisterschaft in Frankreich dabei. Profitiert habe die Auswahl in der Qualifikation dabei jedoch auch von den Schwächen anderer Teams, gibt Szatmari zu bedenken: "Griechenland hat in der Gruppe versagt, und auch die Türkei hat zwischenzeitlich geschwächelt." Immerhin: Für Nationaltrainer Anghel Iordãnescu, Ex-Mitspieler im Nationalteam, hat Szatmari lobende Worte parat: "Er ist seriös und bodenständig, kein Hasardeur."
Bei der EM darf Rumänien am Freitag dieser Woche das Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Frankreich bestreiten. Szatmari hofft, dass es so läuft wie bei den Auftaktspielen bei der WM 2010 und der EM 2012: "Da gab's jeweils Unentschieden. Ein Punkt auch für Rumänien zum Start. Das wäre doch was!"

Bisherige EM-Teilnahmen: 1984, 1996, 2000, 2008 Größte Erfolge: WM-Viertelfinale 1994, EM-Viertelfinale 2000 Trainer: Anghel Iordanescu Stars: Rãzvan Rat, Gabriel Torje Bilanz gegen Deutschland: zwei Siege, drei Unentschieden, acht NiederlagenExtra

Am 10. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich . Der TV stellt im Vorfeld die 24 Teilnehmernationen vor. Dazu treffen wir uns mit Landsleuten, die in der Region Trier verwurzelt sind. Bei einem landestypischen Essen oder Getränk plaudern wir über Land und Leute - und Fußball. Alle bisher erschienenen Serienteile gibt's hier in unserem Dossier online