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EM 2020: Für welches Team soll ich nach Deutschland-Aus jubeln?

Entscheidungshilfe nach Deutschland-Aus : Für welches Land soll ich jetzt bei der EM jubeln?

Deutschland raus, EM vorbei? Nö, muss nicht sein. Suchen Sie sich einfach ein neues Team. Welches? Wir helfen Ihnen. Sie haben (fast) die freie Wahl.

Inhalt des Artikels

Achje, was hätte das aus deutscher Sicht eine schöne Rest-EM werden können, hätten „wir“ im Achtelfinale gegen England gewonnen. Ukraine im Viertelfinale? Kanonenfutter! Tschechien oder Dänemark im Halbfinale? Formsache! Ebenbürtige Finalgegner wären sowieso vergeblich gesucht worden.

Achje, Augen auf. Aufwachen. Aus der Traum. Wieder ein großes Turnier nach wenigen Spielen beendet. Und dann noch gegen England verloren ... naja, dann haben wir wenigstens Zeit für andere Dinge. Wobei: Das Turnier ist ja noch nicht vorbei. Warum suchen Sie sich nicht für verbleibende Zeit ein neues Team? Kurzarbeit-Fußballfan sozusagen. Sind doch noch acht Teams übrig. Aber für wen sollen Sie sein? Keine Angst, der Volksfreund hilft bei der Suche nach den neuen Farben, die Sie sich ab sofort auf die Backen malen.

Spanien?

Das Team für diejenigen, die kein Risiko eingehen wollen. Ist es nicht naheliegend, dass Sie sich das Team aussuchen, dessen beliebte Urlaubsinsel bei uns oft als 17. Bundesland bezeichnet wird? Großer Vorteil: Sie vermeiden peinliche Unsicherheiten bei der Nationalhmyne. Die textlose Melodie lädt dazu ein, einfach die Hand auf die Brust zu legen und mitzu-la-la-la-en. Zack, Sie scheinen wie ein absoluter Experte. Und: Sollte Spanien Europameister werden, können Sie sagen: „War ja nicht so schlimm, dass Deutschland im November 0:6 auf die Hose bekommen hat, war ja gegen den späteren Europameister.“

Die Schweiz?

Das Team für dienjenigen mit gefährlichem Fußball-Halbwissen. Denn auch wenn Sie nicht den zweiten Vornamen der Tante jedes Spielers kennen – einige Schweizer bekommen Sie zusammen. Vier Gladbacher – da haben Sie beim nebenherschauen der Bundesliga-Konferenz sicher schon den einen oder anderen Namen gehört. Insgesamt kicken zwölf Bundesliga-Akteure für die Eidgenossen. Und dazu noch so ein kleiner Kraftwürfel namens Shaqiri, der mal für die Bayern aktiv war. Selbst wenn Sie also nicht viel wissen, gehen Sie schnell als eingefleischter Schweiz-Fan durch. Bisschen kratzenden Akzent drauf, dann passt das. Außerdem hat die Schweiz Frankreich rausgekegelt. Und sind Sie damit als Weltmeisterbesieger nicht automatisch die richtige Wahl?

Italien?

Das Team für die Risikofreunde und Schleckermäuler. Es ist einfach viel passiert zwischen Deutschland und Italien. Zumindest an das verlorene Halbfinale 2006 erinnert sich wohl jeder. Entscheiden Sie sich also für Italien, werden Sie in Deutschland-Fankreisen wenig Freunde finden – was allerdings umso schöner sein kann, wenn die Italiener Europameister werden. Richtiges „Ich-habs-immer-gewusst-Gefühl“. Scheidet das Stiefel-Land allerdings aus, stehen Sie – wir wollen nicht sagen „dumm“, aber schon irgendwie – da. Sollten Sie es sich aufgrund Ihrer Teamwahl mit allen Freunden verscherzt haben: Ab Freitag braucht man für die Innengastronomie keinen Test mehr. Sie könnten also problemlos heimlich in der Pizzeria Ihres Stamm-Italieners bei einem Glas Valpolicella den EM-Sieg feiern.

Belgien?

Das Team für die Hartnäckigen. „Mein Geheimfavorit? Belgien, ist doch klar!“ – genau diese Antwort hören wir seit Jahren vor jedem Turnier. Auch wenn man nach gefühlt 20 Jahren irgendwann kein Geheimfavorit mehr ist: Packen Sie sich ein Belgien-Trikot in den Schrank, können Sie irgendwann sicherlich jubeln. Vielleicht nicht dieses Jahr. Aber selbst wenn nicht, dann bei der nächsten WM. Wieder Geheimfavorit! Oder bei der EM 2024. Geheimfavorit! Sollte Belgien dann irgendwann wirklich mal einen Titel gewinnen kramen Sie ihr Trikot heraus, pusten den Staub herunter, sagen: „War doch klar, dass das irgendwann passiert“, während Sie sich gemütlich an den Strand in De Haan legen und eine dicke Waffel mit tonnenweise Zucker essen. Mit langem Atem zum Fußballexperten.

Dänemark?

Das Team für die Romantiker. Ganz ehrlich: Dänemark ist sehr wahrscheinlich die richtige Wahl. Was sollte dagegensprechen? Es gibt nur einen Weg, wie diese EM (abgesehen davon, dass sie um ein Jahr verschoben wurde) in die Geschichte eingehen würde: Wenn sich die Reinkarnation von Danish Dynamite nach dem tragischen, aber überlebten Herzstillstand von Mittelfeldspieler Christian Eriksen den Titel holt. Menschen werden sich in der Kneipe beim Schlusspfiff ansehen, zufrieden nicken und sagen: „Das gönne ich denen.“ Und Sie sind einer davon. Da spätestens im Finale (möglicherweise geht es gegen Italien – da erklärt sich die Sympathie fast von selbst) sowieso die meisten für Dänemark sein werden, empfehlen wir Ihnen: Springen Sie schon jetzt auf den Zug auf. Sie sind zwar einer von vielen – aber ein guter Mensch, wenn Sie sich für die Dänen freuen.

Tschechien?

Das Team für die Schadenfreudigen. Es gab da ein Spiel, in dem wohl die meisten Deutschen für Tschechien gejubelt haben: Das Achtelfinale gegen Holland. 2:0-Sieg für den Außenseiter. Ein Team, das unseren Lieblingsfeind aus dem Turnier kegelt ist ein heißer Anwärter auf viele Fußballherzen. Sie haben Holländer in Ihrem Freundeskreis? Oder steigen aktuell in einem Landal-Ferienpark ab, der von Holländern geflutet ist? Dann malen Sie sich eine Tschechien-Flagge auf die Backe, wenn Sie das nächste Mal rausgehen. Ist nicht einfach (wer erfindet denn eine Flagge mit einem Dreieck? Kann man das überhaupt mit Schminke-Stiften so leicht malen?), lohnt sich aber schon allein aufgrund der Blicke derer, die Sie sehen. Problem: Da Tschechien im Viertelfinale gegen Dänemark spielt, werden Sie bei einem Sieg Ihres Teams wohl einige böse Blicke auf sich ziehen.

Ukraine?

Das Team für die Sprachgenies und Fußballexperten. Bushchan, Tymchyk, Tsygankov, Sydorchuk, Yaremchuk. Konnten Sie alles fehlerfrei aussprechen? Dann sind Sie der perfekte Ukraine-Fan. Investieren Sie einfach mal eine Stunde in den Kader des Teams und lernen Sie auswendig, dass Oleksandr Zubkov von Ferencvárosi TC ein Tor für Evgeniy Makarenko vom KV Kortrijk vorbereitet hat. Verschiedene Szenarien aufschreiben und pauken, pauken, pauken. Tritt eines von diesen dann wirklich ein, können Sie beim Rudelgucken richtig punkten. Wenn Sie dann noch auf einen Aussprachefehler des Kommentators beim Vorlesen der Aufstellung aufmerksam machen, fliegen Ihnen die Herzen der Fußball-Nerds zu.

England?

Das Team für diejenigen mit angekratztem Ego. Sie denken, dass Deutschland aktuell noch immer das beste Team Europas ist? Mutig. Aber: Sollte England Europameister werden, dann ist „die Mannschaft“ wenigstens gegen den Turniersieger ausgeschieden und damit irgendwie immerhin das zweitbeste Team – wenn man sich es krampfhaft zurechtlegt. Ach, wir versuchen gerade krampfhaft Gründe zu finden, die für den deutschen Rivalen sprechen. Fällt uns schwer. Selbst für Dortmund-Fans wird es schwer, jetzt wo Topstar Jadon Sancho nach Manchester gewechselt ist. Wir glauben: Vielleicht sollten Sie einfach nicht für England sein. Dann doch lieber neutral sein, oder?