EM-Teilnehmerland Ungarn: Auf eine Gulaschsuppe mit Margit Zeimet und Georg Bajor

EM-Teilnehmerland Ungarn: Auf eine Gulaschsuppe mit Margit Zeimet und Georg Bajor

Als Goldene Elf sorgten Ungarns Fußballer in den 1950er Jahren für Furore. Margit Zeimet und Georg Bajor von der Ungarisch-Deutschen Gesellschaft Trier zweifeln daran, dass das Nationalteam noch mal so richtig an alte Glanzzeiten anknüpfen kann.

Was für eine Serie: 32 Pflichtspiele lang blieb die ungarische Fußball-Nationalmannschaft unbesiegt. Lang, lang ist's her: Zwischen 1950 und 1954 ritt das Team auf dieser Erfolgswelle. Grosics, Buzánszky, Lóránt, Lantos, Bozsik, Zakariás, Budai, Kocsis, Hidegkuti, Puskás, Czibor - diese Namen standen für die "Goldene Elf", die mit Offensivfußball begeisterte. Das Ende der Herrlichkeit kam mit der überraschenden 2:3-Finalniederlage bei der WM 1954 gegen Deutschland.

Dass der ungarische Fußball seit der WM 1958 weitgehend in der Versenkung verschwunden ist, wundert Georg Bajor nicht. "So stark war die Organisation im ungarischen Fußball nicht. Mir war klar, dass es wegen Defiziten in der Nachwuchsarbeit nicht so erfolgreich weitergehen wird", sagt der 1937 in Budapest geborene ehemalige Direktor in der bischöflichen Verwaltung in Trier. Bajor, der mit 19 Jahren nach der Niederschlagung des Volksaufstands nach Deutschland geflüchtet war, weiß, wovon er spricht. Als Jugendlicher war er als Mittelfeldspieler für Elektromos - die Werksmannschaft der Budapester Stadtwerke - in der ungarischen Jugend-Eliteliga aktiv.

Seit ein paar Jahren ist Ungarn in puncto Fußball auf dem Weg der Genesung. In Frankreich sind die Osteuropäer erstmals seit 1972 wieder bei einer Europameisterschaft dabei. "Dass die Nationalelf endlich mal wieder dabei ist, löst in Ungarn eine große Begeisterung aus", sagt Margit Zeimet, die in Hõgyész, rund 180 Kilometer südlich von Budapest, geboren und aufgewachsen ist, ehe sie als 14-Jährige mit ihrer deutschstämmigen Familie ausgewiesen wurde.

Zeimet ist Vorsitzende der Ungarisch-Deutschen Gesellschaft Trier, Bajor ist ihr Stellvertreter. Die Gesellschaft feierte im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Ihr Zweck ist der kulturelle Austausch. Zudem soll sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen beitragen. Am morgigen Sonntag ist die Gesellschaft zum dritten Mal mit einem Stand beim Internationalen Fest der Stadt Trier auf dem Domfreihof vertreten.
Am aktuellen Aufschwung des ungarischen Fußballs beteiligt ist laut Bajor auch der derzeit so polarisierende Ministerpräsident Viktor Orbán: "Er hat früher selbst in der zweiten Liga gespielt und ein Förderprogramm für Nachwuchskräfte aufgelegt."

An Orbán scheiden sich die Geister. Er spaltet mit scharfer Gesetzgebung - nicht nur in Ungarn, sondern auch in Europa. Zeimet und Bajor halten keine Verteidigungsrede für den 53-Jährigen - sie erklären aber, warum er mit seiner Partie in Ungarn derzeit einen großen Rückhalt hat: "Er stellt in seiner Politik das ungarische Volk an erste Stelle." Zeimet und Bajor glauben indes nicht, dass Orbán auf Dauer die guten ungarisch-deutschen Beziehungen auf die Probe stellen wird.
An einen langfristigen fußballerischen Erfolg Ungarns glauben beide aber auch nicht. "Ungarn wird auch in den kommenden Jahren in Europa nicht die erste Geige spielen. Teilnahmen bei Welt- und Europameisterschaften werden Ausnahmen bleiben", glaubt Bajor. Daran werde auch die aktuell erfolgreiche Arbeit des Nationaltrainers nichts ändern. Mit Bernd Storck ist das ein Deutscher. Ein Lob gibt's für den 53-Jährigen aus Herne trotzdem. Bajor: "Er ist ein ruhiger, konsequenter Mann."

Bisherige EM-Teilnahmen: 1964 1972 Größte Erfolge: Vizeweltmeister 1938, 1954, EM-Dritter 1964 Trainer: Bernd Storck Stars: Gabor Kiraly, Adam Szalai Bilanz gegen Deutschland: elf Siege, zehn Unentschieden, zwölf NiederlagenExtra

Foto: (g_sport

Am 10. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich . Der TV stellt im Vorfeld die 24 Teilnehmernationen vor. Dazu treffen wir uns mit Landsleuten, die in der Region Trier verwurzelt sind. Bei einem landestypischen Essen oder Getränk plaudern wir über Land und Leute - und Fußball. Alle bisher erschienenen Serienteile gibt's hier in unserem Dossier online

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