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Kolumne Berti Vogts EM 2020 Frankreich gegen Deutschland Timo Werner

EM-Kolumne: So sehe ich das : Timo Werner, sei egoistischer!

Als wir 1996 Europameister wurden, gab es einen klaren Chef in der Mannschaft: Matthias Sammer. Er hat ein unglaubliches Turnier gespielt und war der große Antreiber. In diese Rolle könnte bei der aktuellen EM Joshua Kimmich schlüpfen.

Er hat die Qualität dazu. Sammer war damals in der Zentrale das Herzstück, Kimmich kann auf verschiedenenen Positonen zum Einsatz kommen, aber er wird mit seiner Dynamik, seinem Ehrgeiz und seiner Torgefahr wie damals unser „Feuerkopf“ die Mannschaft antreiben. Mit 26 ist Kimmich im besten Alter, um ein großes Turnier zu spielen. Er hat bei den Bayern gelernt, ein Team zu führen.

Das große Plus bei dieser EM ist aber: Wir haben eine starke Achse mit Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Thomas Müller. Diese Bayern-Achse wird der Erfolgsfaktor für das deutsche Team sein. Wenn sie funktioniert, gibt sie der deutschen Mannschaft alles, was es braucht, um sogar den EM-Titel zu holen.

Noch mal zu Kimmich: Mir gefällt sein Blick, wenn etwas nicht klappt. Er ist dann richtig grantig, das zeigt, dass er unbedingt erfolgreich sein will. Und genau das vermitteln Neuer und Müller. Die drei haben im vergangenen Jahr sieben Titel mit den Bayern geholt, und ich weiß, dass sie immer noch nicht satt sind. So war es auch vor 25 Jahren bei Spielern wie Sammer oder Jürgen Klinsmann. Sie wollten den Erfolg um jeden Preis. Ich sage: Neuer, Kimmich und Müller müssen immer gesetzt sein.

Vorne würde ich gern Timo Werner sehen. Viele werfen ihm vor, dass er zu wenig trifft, und daran muss er ganz sicher auch arbeiten. Was er da entwickeln muss: den absoluten Egoismus, den ein Stürmer braucht. Mein früherer Gladbacher Teamkollege Jupp Heynckes hatte ihn, er wollte immer das Tor machen, egal ob im Training oder im Spiel. Bei Gerd Müller war es genauso.

Als Stürmer darfst du nicht zuerst daran denken, den Nebenmann einzusetzen. Es ist ehrenhaft, wenn man noch mal querlegt im Strafraum, es ist aber heldenhaft, wenn man das entscheidende Tor macht. Also, Timo Werner: Sei egoistischer! Zusammen mit der Geschwindigkeit, die er hat, hätte er das Zeug zur Weltklasse. Dieses Turnier kann sein Durchbruch werden auf der großen Bühne.

Gegen Frankreich im ersten Spiel könnte einer wie Werner genau der Richtige vorne drin sein. Er kommt mit seiner Schnelligkeit in die wichtigen Räume vor dem Tor, genau da, im Zentrum, sind die Franzosen anfällig. Da kann er mit seiner Stärke im Eins gegen Eins viel bewirken.