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"Spanien braucht einen Grund zum Feiern"

"Spanien braucht einen Grund zum Feiern"

Mit Fußball kann die spanische Dozentin Maria Eva Alario überhaupt nichts anfangen. Trotzdem hält sie bei der Europameisterschaft ihren Landsleuten bei. Warum? Das berichtet sie im TV-Gespräch.

Trier. Eigentlich liegt das Interesse am Fußball bei der Spanierin Maria Eva Alario in der Familie. Ihr Vater war Fan von Atlético Madrid, verfolgte jedes Spiel - ob auf der heimischen Couch oder im Stadion. Doch mit seiner Begeisterung für den Sport hat er Alario nie anstecken können.
"Ich mag keinen Fußball", sagt sie. Nicht einmal die WM- und EM-Spiele der "roten Furie" - also der spanischen Nationalmannschaft - habe sie sich angeschaut. Woran das liegt?
Die Übertragungen der Spiele wecken bei Alario schlechte Erinnerungen. Als Kind und Jugendliche hat die heute 55-Jährige noch die letzten Jahre der Franco-Diktatur miterlebt. "Da lief ständig Fußball im Fernsehen", erinnert sie sich.Wenn sie heute am Bildschirm sieht, wie 22 Spieler das runde Leder über den Rasen kicken, fühlt sie sich in diese Zeiten zurückversetzt.
Es sind Zeiten, über die Alario eine Menge weiß. Die Geschichte ihres Heimatlandes kenne sie besser als die meisten, die dort leben, sagt sie. Das hängt auch mit ihrem Job zusammen. An der Universität Trier unterrichtet sie Studenten in spanischer Landeskunde und Sprache. Seit rund 30 Jahren lebt sie in der Römerstadt.
Was sie an Zu Hause vermisst: die Sonne, das Essen, die Lockerheit ihrer Landsleute. Aber nach so vielen Jahren in Deutschland fühle sie sich eigentlich nicht mehr wie "eine normale Spanierin". Auch nach ihrer Pension möchte die Dozentin nicht zurück in ihre Heimat, "zumindest nicht langfristig". Drei- bis viermal im Jahr besucht sie ihre Mutter und ihre Geschwister dort - und vorerst reicht ihr das.
Nach Trier gekommen ist Alario wegen eines deutschen Mannes. Den hatte sie damals in ihrer Heimatstadt Salamanca, im Norden des Landes, kennengelernt. Schnell entschied sich das Paar, an die Mosel zu ziehen. Er arbeitete beim Europäischen Parlament in Luxemburg, sie bekam eine Stelle in Trier. Inzwischen sind die beiden geschieden, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.
"Alles Söhne", sagt sie. Dabei habe sie sich immer ein Mädchen gewünscht. "Und natürlich wollten die alle Fußball spielen", lacht sie. Einer von ihnen, Alvaro Zoder, hat in der zweiten Mannschaft von Eintracht Trier gespielt, bis er wegen einer Fußverletzung aufhören musste. Das Interesse am Fußball haben ihre heute erwachsenen Kinder nie verloren. Die wüssten nur nicht genau, ob sie für Spanien oder für Deutschland jubeln sollen, scherzt sie.
Alario selbst drücke dieses Jahr dem spanischen Team die Daumen. Nicht etwa wegen der Starspieler oder der Tiki-Taka-Balltechnik. Sondern weil ihr Land in diesen schweren Zeiten ein bisschen Trost vertragen könne, meint sie. Die wirtschaftliche Krise in ihrer Heimat dauere schon zu lange an. "Spanien braucht einfach wieder einen Grund zum Feiern!" Da käme ein EM-Titel gerade recht.Extra

Foto: (g_sport

Am 10. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Der TV stellt im Vorfeld die 24 Teilnehmernationen vor. Dazu treffen wir uns mit Landsleuten, die in der Region Trier verwurzelt sind. Bei einem landestypischen Essen oder Getränk plaudern wir über Land und Leute - und Fußball. Heute geht's um Spanien - mit Maria Eva Alario.