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Alles oder nichts, Helden oder Vizemeister

Zu viel gejubelt: Mehrings Torjäger Michael Fleck bekommt im Spiel gegen Bad Breisig die Gelbe Karte, weil er beim Torjubel sein Trikot ausgezogen hatte. TV-Foto: Hans Krämer
Zu viel gejubelt: Mehrings Torjäger Michael Fleck bekommt im Spiel gegen Bad Breisig die Gelbe Karte, weil er beim Torjubel sein Trikot ausgezogen hatte. TV-Foto: Hans Krämer
Polch. Dass 34 Spieltage nicht ausreichen, den Meister einer Liga zu küren, ist ungewöhnlich. So geschehen in der Fußball-Rheinlandliga, wo der SV Mehring und die Sportfreunde Eisbachtal die Saison mit je 73 Punkten abgeschlossen haben und am Samstag ihren Besten in einem direkten Duell ermitteln. Willi Rausch

Polch. Froh ist sicher keiner der beiden Kontrahenten darüber, aber das anstehende Entscheidungsspiel zwischen Mehring und Eisbachtal (Samstag, 16 Uhr, Maiwaldstadion Polch) ist immer noch die fairste Lösung. Zumal sich die beiden Mannschaften mit jeweils 22 Siegen, sieben Remis und sechs Niederlagen als fast gleichwertig erwiesen haben.
Der einzige Unterschied ist beim Torverhältnis auszumachen. Mehring hat hier deutlich die Nase vorn. Aber das ist eben nur ein Muster ohne Wert. Mehrings zweiter Vorsitzender Herbert Scholtes spricht sicher vielen, auch neutralen Fußballfans aus der Seele, wenn er fragt: "Wieso zählt eigentlich in der Oberliga das Torverhältnis bei der Platzierung, aber in der Rheinlandliga nicht?"
Die Frage bleibt unbeantwortet, ist aber in der Nachbetrachtung auch nicht mehr von Relevanz. "Wir sind absolut fokussiert auf das, was vor uns liegt", sagt SVM-Trainer Michael Schmitt. "Mit allem, was in der Normalsaison passiert ist, müssen und dürfen wir uns jetzt nicht mehr beschäftigen."
Typisch für Schmitt, der die Worte "nach vorne schauen" und "Spiel für Spiel nehmen", verinnerlicht hat. Jetzt muss er sich nur noch auf ein Spiel konzentrieren, das aus Mehringer Sicht zu Recht das Prädikat "Spiel der Spiele" trägt. Denn es geht um den Titel, oder auch um alles oder nichts und um den größten Erfolg der Vereinsgeschichte.
Denn die Winzergemeinde gehörte noch nie zum illustren Kreis der Oberligisten. Was auf internationaler oder höherer nationaler Ebene gang und gäbe ist, hat nun auch schon in den oberen Amateurligen Einzug gehalten. Dirk Hannappel, der scheidende Trainer der Eisbachtaler, ließ gleich nach dem Schlusspfiff des letzten Spieltags in der Liga verlauten, dass sein Team "mit Freude nach Polch fahre", während das ultimative Duell um den Titel "für Mehring mehr eine Pflichtaufgabe ist".
Schmitt weiß nicht, "wie Hannappel darauf kommt", will dieses Ablenkungsmanöver, "wenn es denn dieser Extra-Motivation noch bedarf", zu seinen Gunsten nutzen. "Wenn die Mannschaft das liest, wird sie sich besonders reinhängen." In der Vorbereitung macht Schmitt aus gutem Grund nicht alles wie immer: "Wir spielen in Polch auf Rasen. Da das ein für uns eher ungewohnter Untergrund ist, haben wir nach einem Rasenplatz gesucht. Die Freunde aus Pölich waren so entgegenkommend, uns ihr Gelände für zwei Trainings zu überlassen."
Extra

Mit dem Bus nach Polch: Die Mehringer machen mobil. Zum Endspiel am Samstag setzt der Verein Busse ein, die die Anhänger zur Polcher Sportanlage bringen werden. Anmeldungen nimmt der zweite Vorsitzende Herbert Scholtes per E-Mail ( herbert.scholtes@autohaus-scholtes.de ) oder telefonisch (0170/2882458) entgegen. Der Kostenbeitrag für Erwachsene und Jugendliche (ab 16 Jahre) beträgt 10 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre hat ein Sponsor die Kosten übernommen. Anmeldungen sind aber auch hier erforderlich. wir