Als Herbert Fandel die WM-Absage per Fax erhielt

Fußball : Als er die WM-Absage per Fax erhielt

Der langjährige Top-Referee Herbert Fandel spricht vor 110 Eifeler Fußball-Schiedsrichtern und plaudert dabei auch aus dem Nähkästchen.

Eine der kürzesten Anreisen in seiner 40-jährigen Tätigkeit im Schiedsrichterwesen hatte Herbert Fandel zuletzt:. Auf Einladung von Kreisschiedsrichterobmann Hans-Dieter Jardin hielt der in Kyllburg lebende Fandel die Schiedsrichterbelehrung in Birresborn, wo er auf viele bekannte Gesichter traf. Kein Wunder, schließlich kehrte Fandel am vergangenen Samstag zu seiner Heimat-Schiedsrichtergruppe zurück, wo für ihn 1979 alles begann.  Nach dem Rückzug von der Spitze des deutschen Schiedsrichterwesens im Sommer 2016 war es zudem der erste Auftritt im heimischen Kreis. „Nachdem ich im Profifußball viel unterwegs war und inzwischen eine gewisse Entlastung eingekehrt ist, war es mir wichtig, dass mein erster Gang in die Heimatgruppe geht“, so Fandel.

Hier zeigte sich, dass auch heute immer noch eine Vielzahl von Schiedsrichtern dabei sind, die seit Beginn von Fandels Engagement an der Pfeife  bereits dabei sind. Dies sieht der 55-Jährige als Bestätigung, „dass das Schiedsrichterdasein ein Zentrum des Lebens geworden ist und den Schiedsrichtern unabhängig von der Spielklasse am Herzen liegt“.

In seinem Heimatspielkreis Eifel war Fandel auch fünf Jahre als Kreisschiedsrichterlehrwart tätig. Den 110 anwesenden Eifeler Unparteiischen vermittelte er in einem anderthalbstündigen Impulsvortrag seine Erfahrungswerte aus internationaler und nationaler Schiedsrichter- und Funktionärstätigkeit. Dabei blickte er mitunter auf die Schattenseiten  zurück. Dazu  zählt das WM-Qualifikationsspiel 2007 zwischen Dänemark und Schweden in Kopenhagen, als er von einem Fan in der letzten Spielminute auf dem Platz attackiert wurde und darauf das Spiel abbrach. Auch seine Nichtberücksichtigung als Schiedsrichter bei der WM 2006 im eigenen Land, die er per Faxmitteilung übermittelt bekam, zählt er dazu. Nachdem Fandel 2009 seine aktive Schiedsrichtertätigkeit beendet hatte, fungierte der Pianist bis 2016 als Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommisson und damit als Chef der deutschen Spitzenschiedsrichter. „Ich musste oft und lange genug in der Öffentlichkeit meinen Kopf hinhalten. Das möchte ich hier in Deutschland nicht mehr“, erläuterte er.

Heute ist der aus Utscheid stammende Fandel Mitglied der UEFA-Schiedsrichterkommission, fungiert als einer von fünf Coaches in der Bundesliga und beobachtet darüber hinaus in der Champions-League die Schiedsrichter. „Mir ist weiterhin die Förderung junger Schiedsrichter sehr wichtig“, so Fandel, und ergänzte: „Doch die Ansprache junger Leute hat sich im Vergleich zu früher verändert und ist nicht immer ganz einfach“. Ein guter Schiedsrichter müsse „ein Gefühl dafür haben, ein Spiel leiten und lesen zu können“.

Heutzutage komme es auf flache Hierarchien und eine ausgereifte Kommunikation mit Spielern an: „Die Schiedsrichter agieren mit einer anderen Persönlichkeit als früher.“ Wer ganz nach oben will, „muss sich voll auf das Schiedsrichterdasein fokussieren“. Neben dem hohen Engagement zählt weiterhin „viel Glück“ dazu, um in den oberen Klassen als Schiedsrichter tätig sein. Zum Schluss mahnte Fandel die anwesenden Schiedsrichter, unabhängig von der Spielklasse, „nicht zu leichtfertig mit ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit umzugehen – schließlich dienen alle dem Fußall und haben die Aufgabe, ein Spiel in Balance zu halten.“

Mehr von Volksfreund