"Angst ist ein schlechter Ratgeber"

"Angst ist ein schlechter Ratgeber"

Nach dem "Befreiungsschlag" beim 2:1-Erfolg auf Schalke will Fußball-Bundesligist 1. FC Kaiserslautern am Samstag (15.30 Uhr, Fritz-Walter-Stadion) gegen das "Kellerkind" SC Freiburg nachlegen und den Anschluss an das Tabellen-Mittelfeld herstellen. Einer freut sich ganz besonders auf die Partie, für die am Donnerstag bereits 38 000 Karten verkauft waren: Mittelfeldspieler Pierre de Wit.

Kaiserslautern. Mit großen Hoffnungen war der als unbändiger Kämpfer und Mittelfeld-Stratege geltende junge Mann in der Rückrunde der Saison 2009/2010 vom Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen in die Pfalz gewechselt. Doch das Engagement des Energiebündels beim damaligen Zweitligisten stand wahrlich unter keinem guten Stern. Im Februar 2010 riss ihm beim Sieg der Roten Teufel das Kreuzband im rechten Knie. Da war "Piero", wie ihn die Mannschaftskameraden rufen, gerade mal 22 Jahr alt und hatte schon drei Kreuzbandrisse hinter sich."
"Links, rechts, rechts", wie er selbst die Abfolge seiner malträtierten Knie aufzählt. Kaputtes Kreuzband, eine von allen Fußballern gefürchtete Verletzung. Nicht nur weil sie jedes Mal ein monatelanges Aus bedeutet, sondern auch, weil der Riss der komplizierten Bandstruktur in dem verletzungsanfälligen Gelenk an die gesundheitliche Substanz geht.
Eine Situation, in der andere ans Aufgeben denken. Nicht so Pierre de Wit. "Ich habe immer gewusst, dass man auch nach dem dritten Kreuzbandriss wieder zurückkommen kann. Dass es möglich ist, wenn man nur will, und einfach mehr machen muss als andere, um zurückzukommen." "Nur ein bis zwei Tage" hätten ihn Selbstzweifel nach dem dritten Mal geplagt, aber schnell habe er erkannt, dass "Angst ein schlechter Ratgeber" ist. Und so arbeitete er weiter an sich. Kam über Einwechslungen bis in die Startformation am vergangenen Samstag auf Schalke. "Mal spüre ich wochenlang gar nichts, dann habe ich Phasen, in denen ich aus dem Bett kriechen könnte", schildert er sein persönliches Auf und Ab.
Auch gegen die spielstarken "Breisgau-Brasilianer" werde er spielen, ließ Trainer Marco Kurz bereits zwei Tage vor der Partie durchblicken. "Weil er mir immer zeigen wollte, dass ich auf Dauer an ihm nicht vorbeikomme." Und auch, "weil wir die Formation immer auf den Gegner ausrichten." Und wenn es am Samstag gegen die Badener darum geht, den Erfolg auf Schalke auch "zu vergolden", dann passt wohl auch die Personalie Pierre de Wit zu diesem Vorhaben.
Marco Kurz findet derzeit einen großen Kreis an einsatzfähigen und einsatzwilligen Spielern. Das gilt auch für Adam Nemec, der im Sommer vom Baum gefallen war, sich Brustbeinbrüche zugezogen hatte und nach der Reha in der "U 23" wieder aufgebaut wurde. Kaderfähig heißt aber nicht automatisch, auch im Kader zu stehen, womit vor dem Südwest-Duell durchaus die eine oder andere Überraschung fällig sein könnte. Fest steht lediglich, dass neben Martin Amedick "Matze" Abel anstelle des für ein Spiel gesperrten Rodnei (Rot auf Schalke) in der Innenverteidigung stehen wird, um auf Freiburgs Top-Torjäger Cissé achtzugeben. Auch die linke Position in der Vierer-Abwehrkette ist noch vakant: Entweder der vor Wochenfrist noch angeschlagene Däne Leon Jessen (Kurz: "Er ist schmerzfrei") oder erneut der "Meister des ruhenden Balls", Alexander Bugera.