Auf dem Weg zu mehr Professionalisierung und Körpersprache

Auf dem Weg zu mehr Professionalisierung und Körpersprache

Immer in der Winterpause treffen sich die Bundesliga-Schiedsrichter in Mainz, um die Hinrunde aus ihrer Sicht zu analysieren. Herbert Fandel hat die Tagung in diesem Jahr erstmals in seiner Funktion als Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission geleitet.

Mainz. (dab) "Wir haben unsere Arbeit mit viel Schwung begonnen, können auf unserem Weg aber natürlich nur einen Schritt nach dem anderen gehen", bilanziert Herbert Fandel. Eine halbe Saison ist nun vergangen, seitdem der Eifeler als Kommissions-Vorsitzender verantwortlich ist für das Schiedsrichterwesen im deutschen Fußball. "Unser Hauptziel besteht in der Professionalisierung." Die Schiedsrichter bräuchten sich mit dem, was sie Woche für Woche leisten, nicht zu verstecken. "Darüber hinaus sind wir jederzeit offen für fachliche Kritik", sagt Fandel.

"Insgesamt sind wir mit den Leistungen in der Hinrunde sehr zufrieden", stellt Lutz Michael Fröhlich fest. Er steht Fandel als Abteilungsleiter Schiedsrichter beim DFB zur Seite. Die Situationen der Hinrunde, in denen Fehler passiert seien, wurden in Form von Videoszenen noch einmal beleuchtet. Eines der zentralen Themen war die Körpersprache und Außenwirkung der Schiedsrichter. Wie sollte der Schiedsrichter agieren, wenn er von Spielern bedrängt wird? Wie geht er mit emotionalen Äußerungen der Trainer um? "Das sind wichtige Fragen", sagt Fandel, der von seinen Schiedsrichtern eine klare Linie fordert, die unmissverständlich und ohne Theatralik durchzusetzen sei. In kniffligen Situationen müsse man auch bereit sein, das Gespräch zu suchen. "Nachfragen bei Spielern darf jedoch nicht die Regel werden, sondern sollte nur in absoluten Extremsituationen erfolgen", fordert Fandel.

Schließlich trage der Schiedsrichter letzen Endes die Verantwortung für die Entscheidung. So sei es beispielsweise von Schiedsrichter Meyer richtig gewesen, den Platzverweis des Stuttgarters Boulahrouz im Pokalspiel Bayern nicht zurückzunehmen. Der gefoulte Bastian Schweinsteiger hatte Schiri Mayer darum gebeten. "Es war eine sehr faire Aktion von Schweinsteiger, aber die Fernsehbilder haben gezeigt, dass Mayer in diesem Fall richtig lag", sagt Fandel.

Angesprochen auf WM-Schiedsrichter Wolfgang Stark, der in der Hinrunde mehrfach unter Kritik stand, stellte der Schiri-Boss fest, dass "Wolfgang Stark weiterhin einer der weltbesten Schiedsrichter" sei und die Kritik richtig einzuordnen wüsste.

Während die Person Robert Hoyzer trotz seiner jüngsten Entschuldigung bei DFB-Präsident Theo Zwanziger Fandel nicht mehr interessiert, werde man sich mit dem Fall Michael Kempter erst wieder beschäftigen, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen. Eine Gerichtsverhandlung in der Sache Amerell steht in den nächsten Monaten bevor. "Im Moment interessieren uns diese Dinge nicht, denn wir haben genug mit unserer alltäglichen Arbeit zu tun", legt Herbert Fandel seinen Fokus auf andere Themen.

So hätten sich die Headsets, mit denen der Schiedsrichter und seine Assistenten kommunizieren können, etabliert. "Darüber hinaus sind wir für alles Neue offen was Sinn macht", sagt Fandel. Die Torrichter sind für Fandel jedoch der falsche Weg. "Es ist schwierig, die gleiche Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln gleich zu bewerten", zweifelt Herbert Fandel, der einem Chip im Ball dagegen aufgeschlossen ist. Seitens der Deutschen Fußball Liga bewertet man die Arbeit von Fandel und seinem Team positiv.