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Bleialf/Osburg/Piesport: „Wischiwaschi“ verunsichert Fußballer

Bleialf/Osburg/Piesport : „Wischiwaschi“ verunsichert Fußballer

Kreisfunktionäre wollen von Politik und Verband klare Ansagen und Definitionen. Auch fordern sie mehr Transparenz.

Die Frage, wann und wie es weitergehen soll, rückt bundesweit unter den Amateurfußballern zunehmend in den Blickpunkt. Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat bereits ein Meinungsbild von den Vereinen eingeholt –  etwas mehr als zwei Drittel aller Clubs, die an der Umfrage teilnahmen, unterstützen den Vorschlag des BFV-Vorstandes und wollen die wegen der Coronavirus-Pandemie noch bis zum 31. August ausgesetzte Saison unmittelbar danach fortsetzen, sofern die staatlichen Vorgaben das erlauben. Auch in anderen Landesverbänden soll die seit Mitte März unterbrochene Runde zu Ende gespielt werden.

Bedeckt hält man sich aktuell noch im Fußballverband Rheinland (FVR). „Wir müs­sen im­mer schau­en, wie sich die Si­tua­ti­on ent­wi­ckelt“, hatte der Spielausschussvorsitzende Bernd Schneider am vergangenen Freitag im TV gesagt und spielte damit auch auf die Corona-Fallzahlen und die damit einhergehenden Entscheidungen der Regierung an. Vor Anfang Mai sei der Spielbetrieb damit „bis auf weiteres“, eingestellt.

Präsidiumsintern werden beim FVR verschiedene Szenarien durchgespielt. Entgegen der bayerischen Variante favorisiert man nach TV-Informationen derzeit, die Aufstiegsfragen nach  aktuellem Stand oder jenem zur Winterpause zu klären. Absteiger gibt es demnach nicht, es sei denn, am Tabellenende abgeschlagene Mannschaften wollen in der Folgesaison freiwillig eine Liga tiefer an den Start gehen. Innerhalb von zwei bis drei Jahren sollen die Klassen dann wieder auf ihre ursprüngliche Größe zurückgeführt werden.

Der TV hat bei den Vorsitzenden der drei regionalen Fußballkreise nachgehört und sie nach ihrer Meinung gefragt. Den Stand nach der Hinrunde (die meist Mitte November abgeschlossen war) würde Hans-Peter Dellwing zugrunde legen, um so die Aufsteiger festzulegen. Absteiger soll es keine geben, so der Vorschlag des Trier-Saarburger Kreisvorsitzenden. Ähnlich wie sein Eifeler Kollege Walfried Hacken plädiert er dafür, die Vereine mehr mit ins Boot zu nehmen und sie noch weitreichender zu informieren, um so auch von ihnen ein möglichst klares Meinungsbild zu erhalten. „Dafür bieten sich doch die elektronischen Kommunikationswege des Verbands, wie etwa das E-Postfach doch an“, so Dellwing. Um Klarheit  zu haben – auch, was die im Sommer geplanten Feste und Turniere angeht – erhofft er sich innerhalb der nächsten 14 Tage deutliche Ansagen: „Wir sollten schon wissen, wie Großveranstaltungen jetzt genau definiert werden. Vereine wollen irgendwann eine Info haben, ob sie ihre Sportfeste oder Jubiläen durchführen können.“ Wenn nicht von der Politik, dann aber vom Fußballverband sollte es hier bis Anfang Mai genauere Anweisungen geben, fordert der in Osburg lebende Dellwing: „Wir brauchen Butter bei die Fische und kein Wischiwaschi.“

Mangels flächendeckender Informationen aus der Verbandszentrale in Koblenz schrieb Eifel-Kreischef Hacken seine Vereine Anfang des Monats an und stellte ihnen die verschiedenen Möglichkeiten vor, wann wieder der Ball rollen könnte - bis hin zu einer Fortsetzung der abgebrochenen Serie im nächsten Frühjahr. Große Gefahren sieht der Bleialfer, wenn ein tabellarischer Zwischenstand als Basis für den Aufstieg genommen würde. „In den meisten Ligen ist es nicht so klar, wie in der Bezirksliga, wo der FC Bitburg souverän vorne liegt. Was sollen die Zweitplatzierten in der A- und B-Liga zum Beispiel sagen. Hier geht es wesentlich knapper zu. Hacken befürchtet Beschwerden oder gar Klagen von Vereinen. Auf Verbandsseite geht man unterdessen davon aus, alles auf ein rechtlich solides Fundament stellen zu können – zum Beispiel durch einen (virtuellen) Verbandstag. Die Bedenken von Walfried Hacken teilt Walter Kirsten (Piesport). Der Vorsitzende des Spielkreises Mosel ist für eine Annullierung der kompletten Saison oder aber für eine Fortsetzung im kommenden Frühjahr. In dem Fall würde etwa in diesem Spätsommer so begonnen, als ob es die 2019/20er Runde nicht gegeben hätte.

Alle drei Kreisvorsitzenden sind wenig optimistisch, dass noch im Mai oder Juni gespielt werden kann – „und wenn es wider Erwarten doch noch relativ kurzfristig weitergehen könnte, brauchen wir ja mal mindestens zwei Wochen, damit die Mannschaften wieder normal trainieren können“, so Hans-Peter Dellwing. 

Unabhängig von der Frage, wie Großveranstaltungen nun genau zu definieren sind und ob bereits Zusammenkünfte von ein paar Hundert Menschen darunter fallen, haben sie an der Mosel die geplanten Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Fußballkreises bereits abgesagt. Ein neuer Termin ist für den Oktober vorgesehen.

Auch Kirsten weiß, in welchen Zwängen die Verbandsverantwortlichen stecken: „Keiner kann sagen, wie lange uns das Virus noch beherrscht. Gegen die Natur kommt der Fußball nicht an, und in die Glaskugel kann keiner von uns schauen.“ Im Vergleich zu jenen, die sich in diese Zeiten etwa um schwerkranke Menschen kümmern oder deren Arbeitsstelle in Gefahr ist, seien die Sorgen der Amateurfußballer, wann es wieder losgeht und ob Vereinsfeste stattfinden, zwar „Peanuts, aber trotzdem berechtigt“, so Walfried Hacken in seinem Schreiben an die Eifelclubs.