Blind Date auf der Tribüne

Wenn heute Abend (18 Uhr) die Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln und 1. FC Kaiserslautern aufeinandertreffen, fiebern nicht nur viele Fans aus der Region Trier mit. An exponierter Stelle in beiden Vereinen wirken zwei Trierer mit.

Trier/Köln/Kaiserslautern. Als Neunjähriger war er erstmals auf dem Betzenberg. Seitdem ist Jürgen Kind vom FCK-Virus infiziert. "In den vergangenen Jahrzehnten habe ich kaum ein Spiel verpasst", sagt der 48-jährige Trierer, der inzwischen mit seiner Frau in Köln lebt. Seit März dieses Jahres ist der ehemalige Autor für das FCK-Online-Magazin Der Betze brennt Aufsichtsratsmitglied bei den Pfälzern.
In Köln wohnt er näher am Geißbockheim als Jörg Jakobs, der seit diesem Sommer beim FC in Amt und Würden ist. Dessen Job als Kaderplaner: Spielerprofile erstellen und Spieler in Abstimmung mit Sportleiter Frank Schaefer und Trainer Holger Stanislawski nach Köln lotsen. Der 42-jährige Familienvater stammt ebenfalls aus Trier. Vor seinem Engagement in Köln war er Co-Trainer und Scout bei Alemannia Aachen sowie Chefscout bei Hannover 96.
Kurios: Die Eltern von Jürgen Kind und Jörg Jakobs sind schon lange befreundet, ihre Brüder Ralf und Günter gingen am Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in dieselbe Klasse.
Doch J & J sind sich noch nie über den Weg gelaufen, obwohl sie ebenfalls das FWG besucht haben. Heute Abend wird sich das ändern.

Vor dem Spiel Köln gegen Kaiserslautern sprechen beide im TV über ...
... den Saisonstart:
Jürgen Kind: Ich bin zufrieden mit Platz drei. Die große Umstrukturierung des Kaders ist uns mit relativ kleinen Mitteln gut gelungen.
Jörg Jakobs: Die Spielanlage der Mannschaft war okay, aber die Ergebnisse haben in mehreren Partien gefehlt. Jetzt haben wir in Regensburg gewonnen, obwohl es unser schlechtestes Spiel war. Vorher verhielt es sich anders: Wir waren gut, haben aber zu wenig gepunktet.

... den Wiederaufstieg:
Kind: Wir sind nicht zum direkten Wiederaufstieg verdammt. Aber ich bin optimistisch, dass es klappt. Falls es nicht gelingen sollte, müssten wir den Etat nicht radikal zurückführen. In den vergangenen Jahren ist erheblich besser gewirtschaftet worden als in der Zeit zuvor.
Jakobs: Der Aufstieg ist in dieser Saison keine Vorgabe. Der Umbruch, so wie wir ihn angehen, bringt viele Unwägbarkeiten mit sich. Der Kader wurde in den vergangenen Jahren uneinheitlich zusammengestellt. Es wird zwei bis drei Jahre dauern, ihn umzukrempeln.

... positive Überraschungen im Kader:
Kind: Ariel Borysiuk spielt konstant gut. Mohamadou Idrissou absolviert ein enormes Laufpensum. Es ist beeindruckend, wie er auch in der Abwehr mitarbeitet.
Jakobs: Es war nicht zu erwarten, dass der 19-jährige Timo Horn als neue Nummer eins im Tor so konstant spielt.

... den heutigen Gegner:
Kind: Der 1. FC Köln hat sich im Sommer gut aufgestellt, auch wenn es sich in Punkten noch nicht niederschlägt.
Jakobs: Im Spaß: Vom FCK hätte ich gerne Mo Idrissou. Die Pfälzer sind im Gegensatz zu uns eher in der Pflicht, direkt wieder aufzusteigen.

... ihre Verbindung nach Trier:
Kind: Ich bin sieben bis acht Mal pro Jahr in Trier bei meinen Eltern, jeweils für ein paar Tage. Dabei halte ich auch Kontakt zu alten Schulfreunden.
Jakobs: Ich habe noch weniger Zeit als früher, nach Trier zu kommen. Meine jetzige Aufgabe in Köln ist dafür zu intensiv und fordernd.

... den Ausgang der Partie und der Saison:
Kind: Ich könnte mit einem 1:1 leben, wenn wir danach gegen Aue zu Hause gewinnen. Ich denke, dass wir auch am Saisonende unter den Top drei stehen, wobei ich die Relegation gerne vermeiden möchte. Der 1. FC Köln wird Siebter oder Achter.
Jakobs: Für unsere Fans würde ich mir einen Sieg wünschen. Nach zuletzt zehn Punkten aus vier Spielen sind wir in der Liga angekommen. Die drei Teams, die jetzt oben stehen, werden auch am Ende dort zu finden sein. Ich hoffe, dass sich der FC in Sichtweite dahinter einsortiert. bl