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Champions League Finale: Sahr Senesie, Michael Berger und Arno Michels vor Ort

Vor Ort in Porto : Was drei Trierer beim Champions-League-Finale erlebt haben

Mehr geht in Europa nicht: Der aus dem Ruwertal stammende Arno Michels hat dank des 1:0 gegen Manchester City mit dem FC Chelsea die Champions League gewonnen. Wie der frühere Co-Trainer von Eintracht Trier den Triumph von Porto erlebte, welchen alten Bekannten er kurz nach dem Abpfiff auf dem Rasen traf, und was er nun vorhat, verrät er im TV-Gespräch.

Erst wenige Minuten war das Champions-League-Finale im Estádio do Dragão von Porto beendet und die Jubelfeier des siegreichen FC Chelsea in vollem Gange – da kam es auf dem Rasen zu einer unverhofften Begegnung: Arno Michels aus Kasel im Ruwertal, seit vielen Jahren Co-Trainer von Thomas Tuchel, traf plötzlich Michael Berger. „Was machst du denn hier?“ fragte Michels den Trierer Unternehmer, der schon Eintracht-Fan und -Sponsor war, als Michels an der Seite von Paul Linz noch den damaligen Zweitligisten coachte.

Schnell war der Zusammenhang erklärt: Berger und Chelseas Abwehr-Ass Antonio Rüdiger kennen sich gut – über Sahr Senesie. Der Bruder des deutschen Nationalspielers lebt mit seiner Familie auch in Trier und kümmert sich über die Spielerberateragentur FSB um die geschäftlichen Angelegenheiten von Rüdiger. In Porto war es jedem Spieler von Chelsea erlaubt, Personen aus seinem direkten Umfeld auf dem Platz zu empfangen.

Ob Co-Trainer Michels oder Fan Berger: Beide waren auch noch zu Wochenbeginn fasziniert vom Endspiel in Porto und der Atmosphäre. Vor immerhin gut 14 000 Zuschauern, die in beide Lager aufgeteilt waren, fand das Finale in der nordportugiesischen Metropole statt. „Die unwahrscheinlich gastfreundlichen Menschen, die bezaubernde Stadt, aber auch die Kulisse waren großartig“, schwärmt Berger. Auch für ihn als Inhaber mehrerer Restaurants in der Region und Luxemburg seien die vergangenen Monate im Corona-Lockdown hart gewesen. „Ein solches Erlebnis wie das in Porto tut da richtig gut. Wir sind der Pandemie auch in Portugal mit Respekt begegnet. Aber eine solche Veranstaltung macht auf dem Weg hin zur Normalität einfach wieder Mut.“

„Da kommen unfassbare Glücksgefühle auf.“

 Berger Michels
Berger Michels Foto: privat

Die unterschiedlichen emotionalen Phasen der Partie gegen den Premier-League-Rivalen Manchester City, die Nationalspieler Kai Havertz mit seinem Treffer entschied (42.), hatten Michels noch rund 36 Stunden später voll in ihren Bann gezogen: „Es ging hin und her: Erst hatten wir den besseren Start, dann fing sich City. Wir machen kurz vor der Pause das 1:0. In Hälfte zwei drängte City, und nach der nicht enden wollenden Nachspielzeit war das Ding dann durch. Da kommen unfassbare Glücksgefühle auf.“

Am Ende der vergangenen Saison waren Tuchel und Michels mit Paris St. Germain noch im Endspiel der Königsklasse die Unterlegenen, als sie gegen den FC Bayern München beim 0:1 den Kürzeren gezogen hatten. Ende des vergangenen Jahres wurden sie bei den Franzosen  geschasst, heuerten nur wenige Wochen später in Chelsea an. Tuchel und sein Trainerteam mit Michels als engem Vertrauten und rechter Hand verpassten den Londonern schnell wieder eine klarere taktische Struktur. Diese wurde auch im Finale gegen die in der Liga noch so dominanten Blues aus Manchester deutlich. „Wir haben konsequent, mutig und hoch attackiert, hatten aber auch immer wieder gute eigene Phasen bei Ballbesitz. Wir sind wieder sehr geschlossen aufgetreten. Die Einheit auf dem Platz hat uns auch in den vergangenen Monaten schon stark gemacht“, fasst Michels das aus Sicht der Blues erfolgreiche Duell um den begehrten Henkelpott zusammen.

Als regelmäßiger Beobachter der Premier League hatte Michael Berger bereits nach einigen Spielminuten „geahnt, dass da was nicht stimmt bei City“. Pep Guardiolas Änderungen – unter anderem agierte Nationalspieler Ilkay Gündogan zunächst  defensiver als sonst – überraschte nicht nur den Trierer. Was die Unterstützung von außen ausmachen kann, hatte er schon im Vorfeld des Spiels auf der Fanmeile und besonders im Stadion gespürt: „Die Chelsea-Fans hatten eine unheimliche Präsenz, die Verbindung zum Team war da. Ich war von Anfang an überzeugt, dass da nichts schiefgeht und wir den Cup holen.“

Atem stockte bei Rüdiger-Foul

Was live im Stadion aber im Vergleich zum Fernseher zuhause fehlt, sind die vielen Zeitlupen. Deshalb sei ihm „auch mächtig der Atem gestockt“, als Manchesters Kevin de Bruyne und Rüdiger nach knapp einer Stunde zusammengeprallt waren. Für das Foul sah der Chelsea-Profi Gelb, kam aber ansonsten im Vergleich zum Belgier (Augenhöhlen- und Nasenbeinbruch) glimpflich davon.

Bei der (kurzen) Begegnung auf dem Rasen blieb Berger und Michels Zeit für einen Plausch und ein Erinnerungsfoto. Gefeiert wurde später getrennt: Das Bad in der Menge musste sich Chelsea sowohl in Porto, wie auch nach der Rückkehr in die englische Hauptstadt aufgrund der Pandemie-Beschränkungen aussparen. Während Spieler und der Trainer- mitsamt des Betreuerstabs (inklusive ihrer Familien) in einer Location am malerischen Fluss Douro zusammenkamen, genoss Berger mit Sahr Senesie und Alexander Bergweiler – der Trierer Rechtsanwalt gehört ebenfalls der FSB-Agentur an – die „Nacht der Nächte“ im kleinen Kreis.

Michels will erstmal durchschnaufen

Ein Thema, was die Trierer Delegation auch im fernen Portugal nicht losließ, war der Rechtsstreit der Eintracht um den Regionalligaaufstieg. Bergweiler als SVE-Justiziar kämpft derzeit darum, dass die Trierer nach der annullierten Saison trotzdem die Oberliga verlassen können. „Ich könnte da im Zehneck springen, finde es einfach ungerecht. Die Eintracht war zum Zeitpunkt des Abbruchs Erster und diesmal einfach dran. Ich hoffe, dass es noch klappt und habe da vollstes Vertrauen in Alexander Bergweiler“, so Berger.

Durchschnaufen war und ist nach der Rückkehr aus Porto auch für ihn erst mal angesagt. Für Michels und seine in Porto ebenfalls anwesende Ehefrau Christina geht es jetzt erst mal in den Mallorca-Urlaub. Mitte Juni will er auch seiner Heimat einen Besuch abstatten und dann zumindest einige Weggefährten treffen, die ihm so zahlreich nach dem Triumph von Porto gratuliert haben: „Ob Anrufe oder Textnachrichten: Mein Handy stand nicht mehr still. Ich war von den vielen Botschaften überwältigt und kann mich nur bei allen ganz herzlich bedanken.“

Die Vertragsverlängerung von Tuchel inklusive seines Trainerteams um (mindestens) eine weitere Saison bis Mitte 2023 scheint nur Formsache zu sein. Offiziell wollte sich Michels im Gespräch mit dem TV dazu aber noch nicht äußern: „Wenn es soweit sein sollte, würde das der FC Chelsea von anderer Seite aus bekanntmachen.“

Wen sich Berger für den FC Chelsea wünscht

Auch Leistungsträger Rüdiger hat aktuell einen Vertrag bis 2022. Zu Spekulationen um einen möglichen Wechsel des 28-jährigen, gebürtigen Berliners kann Berger nichts sagen, außer, dass „er sich sehr wohlfühlt in Chelsea, und sich diese Frage eigentlich überhaupt nicht stellt“.

Schon jetzt sehnt der Unternehmer den Herbst herbei: „Dann ist hoffentlich auch dauerhaft wieder Fußball im Stadion mit Zehntausenden von Fans möglich.“ An der Stamford Bridge würde er nach den vielen Monaten ohne Zuschauer wieder zu den regelmäßigen Gästen zählen und „liebend gerne – die Dortmund-Fans werden es mir nachsehen – Erling Haaland hier spielen sehen“. Eine weitere erfolgreiche Saison hinzulegen, ist das große Ziel von Team und Trainern. „Wer Chelsea kennt, weiß, dass die Ambitionen hoch sind und bleiben“, lässt Michels durchblicken. 

Ihn mit der derzeit besten europäischen Mannschaft einmal zu einem Testspiel im heimischen Moselstadion begrüßen zu können, ist übrigens „der perfekte Traum“ von Michael Berger – und sicher auch der von ganz vielen Fußballfans in der Region. Dann könnte er kurz nach dem Abpfiff wieder mit Arno Michels plaudern, so wie am vergangenen Samstag in Porto.