Das Derby zwischen Kaiserslautern und Waldhof Mannheim elektrisiert die Fans

3. Fußball-Liga: 1. FC Kaiserslautern : Vorfreude und gemischte Gefühle

Das Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SV Waldhof Mannheim elektrisiert die Fans – und die Polizei.

Sportlich ein Leckerbissen – aus dem Blickwinkel der Sicherheit allerdings eine Partie, die Angst und Schrecken verbreitet: Das Südwestderby zwischen dem jahrzehntelangen Platzhirsch 1. FC Kaiserslautern und dem Aufsteiger SV Waldhof Mannheim am Sonntag um 13 Uhr im Fritz-Walter-Stadion gilt als Hochrisikospiel. Die Anhänger beider Vereine fiebern dieser Partie der 3. Fußball-Liga schon seit Wochen entgegen, da verblasst selbst der emotionale Sieg der Lauterer in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den rheinhessischen Widersacher 1. FSV Mainz 05.

Die Ursache: Die Rivalität gegen die Mannheimer ist eine andere und hat schon länger Tradition. Sie begann in den 1980er Jahren mit dem Bundesliga-Aufstieg der Waldhöfer (siehe Info I). In dieser Saison spielen die Lauterer und die Mannheimer zum ersten Mal seit 22 Jahren wieder in der gleichen Liga, und der forsche Aufsteiger SV Waldhof sorgt für Furore: Mit zwölf Punkten aus sechs Spielen liegen die Kurpfälzer auf Rang vier, während die Lauterer nach einem Fehlstart und nur dank des 5:3-Auswärtserfolgs beim FSV Zwickau gerade einmal Mittelmäßigkeit präsentieren (Rang zehn mit acht Punkten und 11:11 Toren).

Zusätzlich angefacht hat die Fieberkurve der Fans vor diesem Traditionsduell eine Tat, die als Angriff auf die Lauterer Fan-Seele gewertet werden muss: Anfang August sind zwei Köpfe von Spielerfiguren des sogenannten 11-Freunde-Kreisels am Fuße des Betzenbergs abgeschlagen worden (siehe Bild). Zudem wurden die Figuren mit blauer Farbe besprüht – die Polizei vermutet deshalb Mannheimer Anhänger hinter dieser Tat. Im Gegenzug „ziert“ in roter Farbe der Schriftzug „1. FCK“ eine Brücke an der Stadteinfahrt von Mannheim. Zudem verteilten Lauterer Fans vor dem letzten Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig T-Shirts mit der Aufschrift „Mannheim verrecke“. Die Emotionen kochen hoch – was tun die Vereine, um dem Spiel etwas Brisanz zu nehmen?

Mitte der Woche haben sich beide Clubs mit einem offenen Brief an ihre Fans gewandt. Darin räumen sie ein, dass „die großen Emotionen auf beiden Seiten ausgelebt werden“ sollen. „Wir wünschen uns daher lautstarke Gesänge aus den Kurven, ohrenbetäubende Anfeuerungen und kreative Fanaktionen. Und auch die ein oder andere kleine Stichelei gegen den Konkurrenten gehört für uns zu einem Derby dazu. Was für uns jedoch nicht zu einem Fußballspiel gehört, ist jegliche Form von Hass und Gewalt. Ob im Vorfeld oder am Spieltag, Gewalt hat beim Fußball wie auch sonst überall nichts zu suchen. Nicht im Vorfeld, nicht auf der Anreise, nicht im Stadion oder nach dem Spiel.“

Der Sonntag soll zu einem Tag werden, „den alle Fans genießen können. Für Ausschreitungen und Straftaten ist da definitiv kein Platz. Hass und Gewalt grenzen aus – der Fußball aber verbindet!“ Für das Derby waren bis zum Freitagmittag mehr als 34 000 Tickets verkauft, insgesamt rechnet der FCK mit rund 37 000 Fans – darunter etwa 5000 Mannheimer Anhänger. Das Gästekontingent ist so gut wie ausverkauft, eine Tageskasse gibt es für Gästefans nicht. Rund 1000 Polizisten sollen für die Sicherheit der Zuschauer sorgen.

Die mit dem Zug anreisenden Gästefans werden von der Polizei vom Bahnhof bis zum Stadion begleitet. Alle anderen Gästefans können den Messeplatz als offiziellen Gästeparkplatz nutzen und zu Fuß Richtung Stadion laufen. Auch hier wird die Polizei präsent sein.

Aufgrund der Brisanz dieses Derbys wird der Sonntag auch für den neuen FCK-Fanbeauftragten Alexander Krist ein besonderer und ein besonders langer Arbeitstag. Der 26-Jährige aus Lorscheid (Kreis Trier-Saarburg) wird bereits ab 7 Uhr im Fritz-Walter-Stadion sein. Er tauscht sich seit Tagen mit allen sicherheitsrelevanten Behörden, dem DFB und dem Gastverein aus – das ist für ihn „die beste Vorbereitung“. Er hofft auf ein friedliches Derby und verweist auf das bestehende Sicherheitskonzept: „Hier ist beispielsweise die Umsetzung einer strikten Fantrennung im Stadion und eines Alkoholverbots im kompletten Stadion zu nennen.“

Beim Derby gegen den Karlsruher SC kam es 2014 zu hässlichen Jagd- und Prügelszenen zwischen KSC-Fans und Lauterer Zuschauern. Welche Lehren hat der FCK aus diesen Vorfällen gezogen? „Die damaligen Vorkommnisse wurden sehr detailliert aufgearbeitet. Daraus wurden diverse Maßnahmen, etwa bauliche Änderungen auf der Tribüne, abgeleitet“, sagt Krist.

Wie aggressiv schätzt er die Stimmung nun vor dem Derby gegen Mannheim ein? „Natürlich ist die Atmosphäre vor solch einem Derby aufgeheizt. Kleinere Sticheleien gehören im Vorfeld auch dazu. Vandale von Fremdeigentum oder körperliche Gewalt allerdings nicht. Diese Aktion am Kreisel, als ein Kunstprojekt zerstört wurde, hat aber bislang keine besonderen Reaktionen unserer Fans ausgelöst“, sagt Krist.

Der Fanbeauftragte steht im regelmäßigen Dialog mit den Ultras und vielen weiteren Fanclubs und verweist auf den schon erwähnten offenen Brief beider Vereine. Er hofft auf ein „emotionsgeladenes, aber friedliches Derby. Wir werden alles dafür tun, dass jeder Besucher des Spiels möglichst wenig von dem, was außen rum passiert, mitbekommt. Wir sind gut vorbereitet“.

Vor allem soll ja Fußball gespielt werden am Sonntag. Lauterns Trainer Sascha Hildmann: „Ich kann jedem versichern, dass unsere Spieler ganz genau wissen, worum es bei dem Spiel am Sonntag geht. Jeder weiß, was dieses Derby bedeutet – wir müssen uns aber trotzdem auch bewusst machen, dass es vor allem um die drei Punkte geht.“ Der gebürtige Kaiserslauterer nimmt sein Team in die Pflicht: „Wir wollen die gleiche Leidenschaft auf den Platz bringen wie gegen Mainz, um auch die Zuschauer wieder auf unsere Seite zu bringen. Wir haben von unseren Fans bisher in allen Spielen eine wahnsinnige Unterstützung erhalten, das wollen wir auch zurückgeben.“ Gespannt sind die Fans auf Neuzugang Lucas Röser. Der 25-jährige gebürtige Ludwigshafener wechselte während der Woche von Dynamo Dresden zum FCK – vielleicht kann er schon dazu beitragen, dass das Derby ein sportlicher Leckerbissen wird. Noch zuschauen müssen die verletzten Andri Rúnar Bjarnason und Theo Bergmann.

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