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„Der 1. FC Saarbrücken ist zu allem fähig“

Fußball : „Der 1. FC Saarbrücken ist zu allem fähig“

Auf der einen wie auf der anderen Seite war er mal Trainer. Deshalb schaut Klaus Toppmöller zu Hause in Rivenich (Kreis Bernkastel-Wittlich) besonders gespannt auf das heutige DFB-Pokalhalbfinale zwischen dem 1. FC Saarbrücken und Bayer 04 Leverkusen (20.45 Uhr, ARD). Vor den bisherigen Erfolgen des Pokalschrecks von der Saar hat er höchsten Respekt und warnt deshalb den Bundesligisten.

Den FCS führte Klaus Toppmöller vor 20 Jahren aus der Regionalliga West/Südwest in die Zweite Bundesliga.  Zwei Jahre später griff er mit Bayer nach den Sternen. Doch am Ende einer bärenstarken Saison war der Begriff „Vizekusen“ geboren. Sowohl in der Bundesliga, wie auch im DFB-Pokal und in der Champions League hatte Toppmöllers Team noch je einer Mannschaft den Vortritt lassen müssen.

Aus dem Trainergeschäft ist der heute 68-Jährige raus. Das Fußball-Geschehen hat er aber auch vom heimatlichen Rivenich aus fest im Blick.  Die bisherigen Saarbrücker Auftritte im DFB-Pokal und die bis zum coronabedingten Abbruch vielen erfolgreichen Spiele in der Dritten Liga haben Toppmöller mächtig imponiert. „Sicher ist Bayer der Favorit. Aber  der 1. FC Saarbrücken ist zu allem fähig. Die Siege gegen die Bundesligisten 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf kamen ja nicht von ungefähr.“

Der heute noch amtierende Bundesliga-Toptorschütze des 1. FC Kaiserslautern (nach seinem Wechsel von Eintracht Trier gelangen ihm zwischen 1972 und ‘80 in 204 Spielen 108 Treffer) weiß um die „einmalige Chance für Saarbrücken, ins Endspiel einzuziehen – auch ohne Zuschauer auf den Tribünen werden die Jungs unglaublich heiß sein“.

Wenn man ihm so zuhört, scheint Toppmöller eher Sympathien für die Blau-Schwarzen als für die Leverkusener zu hegen, zumal er oft und gerne im Saarland ist – der Schwiegersohn kommt aus Saarlouis. Doch offiziell sieht sich „Toppi“, wie er seit Jahrzehnten in der Fußballszene genannt wird, als neutraler Betrachter des Halbfinals in Völklingen.

Der Groll nach der unrühmlichen Trennung vom FCS vor knapp 20 Jahren ist längst verhallt. Als der Aufsteiger gleich die Zweite Liga aufmischte, wuchs das Interesse anderer Clubs an Toppmöllers Trainerdiensten. Sein Ex-Club aus der Pfalz streckte genauso wie Leverkusen die Fühler aus. Zudem stand er in aussichtsreichen Verhandlungen mit türkischen Spitzenvereinen.  „Ich hatte das Ehrenwort von Präsident Hartmut Ostermann, zu einem Topclub gehen zu können.“ Doch plötzlich riefen die Malstatter Ablösesummen in Millionenhöhe auf. „Das Vertrauen zu den Verantwortlichen hatte gelitten. Dann habe ich Ende November gekündigt“, erinnert er sich an aufreibende Wochen gegen Ende seines Engagements im Ludwigspark.

Was ihm beim FCS imponiert, sind „jede Menge Leute, die für diesen Verein leben und sterben“. Allen voran nennt er hier Vizepräsident Dieter Ferner, der in den siebziger Jahren Bundesligatorwart in Saarbrücken war und die 2008 in die Oberliga abgesackte Mannschaft wieder hoch bis in Liga drei führte: „Dieter Ferner ist hier eine Ikone und hat einen großen Anteil an der guten Transferpolitik in den vergangenen Jahren.“

Bayer 04 spielt in der Bundesliga mal wieder eine gute Rolle, für Toppmöller ist das aber nicht genug: „Eigentlich haben sie eine sensationell gute Mannschaft und müssten zur absoluten Bundesliga-Spitze gehören. Derzeit müssen sie aber noch um einen Champions-League-Platz zittern. Sie gewinnen mal, verlieren mal. Das darf nicht sein. Die Konstanz fehlt allzu oft noch.“

Klaus Toppmöller favorisiert Leverkusen zwar, hält aber eine Sensation des FCS für möglich. Foto: TV/Verbandsgemeinde Wittlich- Land

Toppmöller sieht Bayer im Halbfinale beim FCS im Vorteil und sagt einen Gästesieg mit zwei Toren Unterschied voraus. Doch gleichzeitig warnt er: „Bayer muss dazu schon voll konzentriert sein, sonst könnte es für sie ein böses Erwachen geben.“