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Der Sport als Ausweg aus dem Slum

Der Sport als Ausweg aus dem Slum

Für Barack Obamas Halbschwester Auma sind Fußball und Sport Mittel, um Chancengerechtigkeit zu transportieren. In Luxemburg sprach sie mit dem Trierischen Volksfreund über die Bedeutung von Sport für die soziale und kulturelle Arbeit.

Luxemburg. "I am a Winner - ich bin ein Sieger", schreibt die junge Kenianerin Priscilla selbstbewusst über sich. Sie hat viel vor. Später will sie Juristin werden. Priscilla ist eine der 14 Fußballerinnen zwischen zwölf und 15 Jahren, mit denen Auma Obama, die Halbschwester des amerikanischen Präsidenten, zur Frauenfußball-WM eingeladen war.
In Luxemburg hat die Gruppe auf Einladung der Hilfsorganisation Care Station gemacht, um an einem Freundschaftsspiel mit einer Schule in Ettelbruck teilzunehmen. Zudem sind Obama und ihre Fußballmädchen zu Gast in der Galerie Clairefontaine bei der Vernissage eines Projekts, das die saarländische Künstlerin Isabelle Federkeil mit ihnen erarbeitet hat, in Zusammenhang mit Care und der Galerie.
Seit etwa zwei Jahren koordiniert Auma Obama für Care International die Initiative "Sports for social change" (Sport für sozialen Wandel), die auch die 14 Sportlerinnen betreut. Ziel der Initiative sei es, Persönlichkeit zu bilden und das Bewusstsein für die eigene Identität zu schaffen. "Der Sport ist unser Anreiz", sagt die Halbschwester des amerikanischen Präsidenten. "Sport funktioniert immer." Schließlich gehe es dort genauso zu wie im alltäglichen Leben. Man habe zu kämpfen, es gebe Sieger und Verlierer. Sozialer Wandel tut in Kenia ohne Frage not. Mehrere Millionen Menschen leben dort in Slums, etwa 50Prozent sind Kinder und Jugendliche. Bei ihnen setzt die Arbeit der Care-Initiative an. "Die Kinder sind unsere Zukunft, außerdem sind sie noch nicht endgültig geprägt, da können wir Einfluss nehmen", sagt Obama. Auch die Mädchen der Reisegruppe kommen aus Slumfamilien. Vom Fußball sind sie fasziniert. Natürlich gebe es auch andere attraktive Sportarten, bestätigt Obama. Aber gerade für Mädchen sei Fußball besonders nützlich. "Frauen und Mädchen haben es besonders schwer", klagt die Kenianerin zornig. Nach wie vor seien Mädchen benachteiligt, hätten weniger Rechte, nur eingeschränkt Zugang zur Bildung. Weiterhin seien sie extremem Druck und Gewalt ausgesetzt. Im Kampf gegen solche Unterdrückung sei Fußball eine wertvolle Hilfe. Dabei lernten die Mädchen sich wehren, ihre Kraft und ihre Intelligenz erkennen und sich auch schon mal freizutreten. "Mädchen müssen lernen, nein zu sagen", fordert Obama.
Über den Sport transportiert die Initiative auch ihre anderen Bildungsprogramme. Dazu gehören die Vermittlung von Kenntnissen in Gesundheitsfürsorge und gesunder Ernährung, aber auch Aidsaufklärung und Lernförderung. Der sportliche Ausweg aus der Opferrolle hat im von westlichen Einflüssen durchmischten Kenia durchaus auch mit dem Ausweg aus der Kolonialisierung zu tun. "Die Mädchen sollen in die Lage versetzte werden, selbst zu entscheiden, was sie gut und was sie schlecht finden und dann eigenverantwortlich wählen", das ist Obamas Ziel. Das gilt auch für den Besuch der Sportlerinnen hier in Europa.
Die 1960 in Nairobi geborene Germanistin, Soziologin, Journalistin und Buchautorin Auma Obama ist die ältere Halbschwester des amerikanischen Präsidenten. Sie studierte in Heidelberg, Saarbrücken und Berlin und hat in Bayreuth promoviert. Sie lebt und arbeitet heute in Kenia. Das Projekt von Isabelle Federkeil heißt "Who am I". Darin setzen sich die Mädchen in Fotos und Selbstauskünften mit ihrer Identität auseinander. Es ist bis zum 23. Juli in der Galerie Clairefontaine in Luxemburg zu sehen. www.galerie-clairefontaine.lu, Telefon 00352/472324, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 14.30 bis 18.30Uhr, Samstag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. er