Die Wanderjahre sind vorbei

Es ist müßig, darüber zu grübeln und zu diskutieren, wo Gustav Schulz heute kicken würde, wenn er bei seinen Vereinswechseln andere Entscheidungen getroffen hätte. Fest steht, dass sich der Mittelfeldspieler jetzt beim Oberligisten FSV Salmrohr wie zu Hause fühlt und der Verein froh ist, ihn in seinen Reihen zu haben.

Salmrohr. "Der Gustav hat nur einen Fehler", sagt FSV-Präsident Helmut Meeth, "er ist zu spät nach Salmrohr zurückgekommen." Und sein Trainer Patrick Klyk adelt "Gus" und fügt hinzu: "Er müsste nicht in Salmrohr spielen. Er ist ein begnadeter Fußballer. Mit seiner Technik, seinem Ballgefühl und der Beidfüßigkeit hat er die Fähigkeiten, viel höher zu spielen."
Das hatte ihm auch Mario Basler, der ihn eine Zeit lang bei Eintracht Trier unter seinen Fittichen hatte, immer wieder gesagt. "Und ich glaube auch heute noch, dass ich die Möglichkeit habe, höher zu spielen", sagt der heute 27-Jährige, der schon mit 17 Jahren dort spielte, wo er jetzt (wieder) ist - mit Salmrohr in der Oberliga.
Schulz: Vorbei ist vorbei


Ein bisschen wehmütig klingt es schon, wenn er zurückblickt: "Ich hätte damals mit Robert zum FC St. Pauli gehen können. Es war ein Fehler, es nicht zu machen." Er spricht auf Robert Palikuca an, den Schulz selbst als seinen Ziehvater bezeichnet. Der sieben Jahre ältere Palikuca, der heute bei Fortuna Düsseldorf im Marketingbereich arbeitet, wechselte in der Winterpause 2003/04 zum FC St. Pauli. Schulz sollte mit, entschied sich aber für den VfB Stuttgart II, "weil ich als junger Spieler dort größere Chancen gesehen habe, mich zu entwickeln".
Er hatte die Rechnung ohne Rainer Adrion gemacht, der genau zu diesem Zeitpunkt die Stuttgarter Mannschaft als Coach übernahm. Schulz bekam nach eigenen Angaben nicht wirklich eine Chance. Ironie des Schicksals: Adrion ist heute U-21-Nationaltrainer.
"Vorbei ist vorbei", sagt Schulz, der seine Laufbahn beim SV Trier-West begann und nach dem Stuttgarter Intermezzo beim 1. FC Köln II, bei Eintracht Trier und Swift Hesperange spielte.
Jetzt ist er wieder in Salmrohr gelandet, und "es passt alles wunderbar". Der 1,89 Meter große Schlaks wohnt mit seiner Freundin Stephanie in Leiwen, arbeitet bei ihrem Bruder als Dachdecker und hat einen kurzen Weg nach Salmrohr, "wo ich mich pudelwohl fühle". Nicht nur, weil er viele von früher kennt, "sondern weil wir wirklich eine tolle Truppe sind. Es macht richtig Spaß, hier Fußball zu spielen."
Und Schulz wird immer besser. "Die Jungs hier können alle Fußball spielen, wir haben ein sehr ausgeglichenes und auf vielen Positionen doppelt gut besetztes Team." Im letzten Jahr war der FSV Salmrohr davon abhängig, dass Dino Toppmöller traf. "Dino trifft noch immer, aber wir gewinnen auch, wenn er mal nicht trifft."
Den Traum, noch höher zu spielen, hat Schulz nicht aufgegeben: "Unsere Mannschaft wird bis zum Ende der Saison oben mitspielen. Ich will nicht sagen, dass wir Meister werden, aber eine Chance haben wir. Und mit dem FSV aufzusteigen, das wäre eine Supersache."