Ein Afrikameister spielt in der Kreisliga beim SV Hetzerath

Fußball : Ein Afrikameister in der Kreisliga

Allen lief er einst in Afrika davon, war der Schnellste über die 100 und die 200 Meter. Jetzt spielt er Fußball in der Kreisliga: Der SV Hetzerath hat mit Hua Wilfried Serge Koffi von der Elfenbeinküste einen Akteur mit ganz besonderer Vergangenheit in seinen Reihen.

Ihre beide Frauen kennen sich, schnell haben sie sich angefreundet: Um ein wenig fitzubleiben, folgte Hua Wilfried Serge Koffi  seinem Kumpel Mario Kön auch im Frühjahr zunächst zum SV Mehring in die zweite Mannschaft. Eine Verletzung stoppte den möglichen Weg in die Rheinlandligaelf der Moselaner. Zur Sommerpause wechselten beide dann zu Köns Heimatclub SV Hetzerath. Einer, der einst Afrikameister wurde, die 100 Meter in 10,01 Sekunden lief und an Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnahm (siehe Info) kickt nun also in der Kreisliga B II Mosel – oder wie am ersten Spieltag sogar noch eine Etage tiefer, in der C-I-Klasse. Da lief Koffi auch den Spielern  der SG Bergweiler II ein paar Mal über die rechte Seite davon und markierte drei Treffer zum 7:4-Auswärtssieg.  „Ich habe mal in der zweiten Mannschaft ausgeholfen, war davor nicht so häufig im Training bei der ersten“, berichtet der 31-Jährige auf Englisch.

Deutsch lernt der in der Trierer Innenstadt lebende und in Luxemburg als Investment-Manager arbeitende Koffi  indes zügig – auch aus familiären Gründen. Seine Frau Ramona stammt aus dem osthessischen Fulda. Sie lernte er  an seinem Studienort Shanghai kennen. Seit gut einem Jahr sind sie verheiratet, erwarten Ende September Nachwuchs.  

Ein Stipendium ermöglichte ihm, die chinesische Universität zu besuchen und Leistungssport zu betreiben. „Es waren tolle, intensive Jahre in der Leichtathletik“, blickt Koffi mit Stolz auf die vielen Erfolge und Begegnungen zurück. Besonders hatten es ihm verschiedene Wettkämpfe gegen Top-Star Usain Bolt angetan („Ein verrückter, cooler Typ.“). Die Krönung sollte Olympia 2016 sein. Seine Enttäuschung über das Ausscheiden in den Vorrunden über die 100 und 200 Meter war aber groß. „Es lief einfach nicht, zumal es kurz vor den Wettkämpfen geregnet hatte und meine Bahn nass war“, berichtet Koffi.

So richtig Geld könne man als Leichtathlet von der Elfenbeinküste nicht verdienen, zumal auch die nachhaltige Unterstützung des Staates fehle. Deshalb war für ihn klar, sich nach dem Studium auf den Beruf zu konzentrieren. Und es soll noch weitergehen: Aktuell arbeitet Willi, wie ihn seine Mannschaftskameraden nur nennen, an seiner Promotion. „Ab und zu muss ich da am Wochenende lernen. Deshalb klappt es auch nicht immer mit dem Fußballspielen.“ Okay, ein bisschen Rennen ist schon noch: Im vergangenen Jahr gab es mal einen Außer-Konkurrenz-Start bei den Bezirksmeisterschaften im Moselstadion. An gleicher Stätte bringt er sich für den PST Trier auch schon mal als Trainer ein. „Zunächst muss ich aber mal richtig hier ankommen. Vielleicht kann ich mich später auch noch mehr auf dieser Ebene engagieren“, sagt Koffi.

Ab und zu läuft er einfach mal quer durch Trier oder an der Mosel entlang („Sonst spielen meine Muskeln verrückt – schließlich habe ich früher an fünf Tagen je drei Stunden trainiert“). Der Fußball ist für ihn auch eine Rückkehr zu den Wurzeln. Ursprünglich war er in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, ein begeisterter Kicker. Per Zufall wurde er an der Uni dann für einen internationalen Wettkampf rekrutiert, „weil noch einer im Team fehlte“. Schnell fiel sein großes Talent auf.

02.06.2019, Rasenplatz, Freudenburg, GER, Kreisliga A, SV Freudenburg vs SV Mehring II, im Bild Foto © Sebastian J. Schwarz. Foto: Sebastian J. Schwarz/sjs / Sebastian J. Schwarz

Gerne würde er sich auch in der einen oder anderen höheren Amateurliga beweisen. Das Zeug dazu habe er, ist Koffi überzeugt. Zunächst fühlt er sich in Hetzerath aber bestens aufgehoben, „Good guys“, gute Kumpels, gebe es hier. Man habe viel Spaß miteinander. Nur das obligatorische Bierchen nach dem Spiel oder Training spart er sich aus. „Da greife ich dann lieber wenn überhaupt zur Cola.“ So ein bisschen kommt der Leistungssportler dann doch noch raus bei Hua Wilfried Serge Koffi, dem früheren Afrikameister im Dress des SV Hetzerath.

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