Ein Sieg der Leidenschaft

Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern hat bei seinem Sieg gegen den FC Bayern München die knapp 50 000 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion restlos begeistert. Ein Doppelschlag von Ivo Ilicevic (36.) und Torjäger Srdjan Lakic (37.) hat für den ersten Lauterer Sieg gegen den deutschen Rekordmeister seit der Saison 1998/99 gesorgt.

Kaiserslautern. Seine Rückkehr auf den Betzenberg hatte sich Miroslav Klose anders vorgestellt. Vor der Partie bei seinem Ex-Verein äußerte er sich siegesgewiss, nach dem Schlusspfiff war er allerdings kurz angebunden: Klose gab ein Fernsehinterview, ließ sich noch schnell vom FCK-Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz umarmen und entschwand dann eilig in die Kabine. Der Nationalstürmer war mit seiner Mannschaft vom Aufsteiger aus der Pfalz entzaubert worden - mit einfachsten Mitteln: "Leidenschaft, Kampf und Herz haben heute über individuelle Klasse gesiegt", fasste Lauterns Abwehrspieler Florian Dick die 90 Bundesligaminuten treffend zusammen. Bayern-Trainer Louis van Gaal trauerte der vergebenen Großchance von Thomas Müller in der 25. Minute nach: "Dieses Tor darf man nicht verpassen, aber wir haben das verpasst." Nach Doppelpass mit Schweinsteiger schoss der WM-Star den Ball völlig frei vor Torhüter Sippel knapp am Tor vorbei - sicher eine Schlüsselszene.

Während diese Chance für FCK-Trainer Marco Kurz "ein Knackpunkt" war, sah van Gaal das anders: "Das war kein Knackpunkt. Wir waren die bessere Mannschaft, aber der letzte Pass war nicht immer gut. Das ist so ein Tag, wo uns beim Abschluss nichts gelungen ist."

Eine ganz andere Effizienz bei der Chancenverwertung zeigte der Neuling, den Trainer Kurz im Vergleich zum Spiel in Köln auf zwei Positionen verändert hatte. Leon Jessen rückte für Alexander Bugera auf die linke Abwehrseite, und im Sturm ersetzte Adam Nemec Erwin Hoffer. Als nach einer halben Stunde die Bayern-Führung in der Luft lag, schlugen die Pfälzer zweimal zu: Mit einem Traumtor aus 20 Metern erzielte Ilicevic das 1:0 für die Lauterer. Nur gut 60 Sekunden später glänzte Ilicevic als Vorbereiter, Lakic verwandelte seinen Pass zum 2:0. Das Fritz-Walter-Stadion glich einem Tollhaus. Die Anhänger der "Roten Teufel" trieben ihre Mannschaft immer wieder nach vorne und setzten neue Kräfte frei.

Die Bayern dominierten auch in der zweiten Hälfte das Spielgeschehen, nutzten aber ihre Chancen durch Klose (50.), Lahm (59.), Kroos (67.) und Pranjic (71.) nicht. Die Lauterer befreiten sich in den letzten 20 Minuten aus der Umklammerung, verpassten aber das 3:0. Einziger Wermutstropfen: In der Nachspielzeit kassierte Ilicevic wegen eines Fouls die Gelb-Rote Karte und fehlt in der nächsten Partie.

Eine besondere Belohnung für die FCK-Spieler gibt es von Trainer Marco Kurz trotz des Siegs nicht: "Wir haben ein ganz schweres Jahr vor uns. Wenn wir die Liga halten, werden wir uns belohnen."

Drei Fragen an ...

... FCK-Kapitän Martin Amedick (27) Zwei Spiele, zwei Siege. Wie lautet das Lauterer Erfolgsrezept? Martin Amedick: In zwei bis drei Situationen hatten wir das nötige Quentchen Glück. Man kann gegen Bayern nicht alles verhindern. Wir haben eine riesige Chancenverwertung und sehr gut als Kollektiv agiert. Woher nimmt die Mannschaft die Kraft für ihren unglaublichen Einsatzwillen? Amedick: Wir sind topfit. Wie schon in Köln haben wir gezeigt, dass wir eine hohe physische Belastung gehen können. Zudem peitscht einen eine derartige Atmosphäre nach vorne. Es war Fritz-Walter-Wetter, und schon beim Aufwärmen hat die Westkurve für eine Riesenstimmung gesorgt. Nach der Länderspielpause kommt als nächste Aufgabe das Derby in Mainz. Amedick: Es kommen keine einfachen Gegner in der Bundesliga. Ich freue mich darauf, denn für solche Spiele haben wir hart gearbeitet. Mit Leidenschaft meistern wir auch diese Aufgabe. (fan)

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