Erfolg macht entspannter

Bei den Länderspielen im März wurde er ausgepfiffen, nun gilt Mario Gomez wieder als Hoffnungsträger und Torgarant: Der Stürmer erlebt derzeit auch im Nationaltrikot die Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts.

Sinsheim. Kurzzeitig schien Mario Gomez der Schreck in die Glieder zu fahren. Bundestrainer Joachim Löw, der bei der Pressekonferenz nach dem Testspiel gegen Uruguay zwei Plätze neben ihm saß, wurde zur Entwicklung des Stürmers befragt. Gomez\' Gesichtszüge entspannten sich aber schnell, als der Coach ihn über den grünen Klee lobte: "Ich beurteile seine Leistung sehr gut. Das 1:0 gegen Uruguay hat er klasse gemacht, aber solche Aktionen sind nicht der alleinige Maßstab. Hinter Mario liegt ein tolles Jahr."
Mit solch phänomenalen Monaten war im Sommer 2010 nicht zu rechnen. Louis van Gaal, seinerzeit noch Gomez\' Clubtrainer beim FC Bayern München, hatte seinem Angreifer nahegelegt, den Verein zu verlassen. Der 30-Millionen-Euro-Einkauf stand nur ein Jahr nach seiner Verpflichtung vom VfB Stuttgart auf der Abschussliste.
Erst als sich Teamkollege Miroslav Klose Mitte Oktober verletzte, schlug die Stunde von Gomez. Ein Tor in der EM-Qualifikation in Kasachstan, vier Tage später alle drei Treffer beim 3:0-Bundesliga-Heimsieg der Bayern gegen Hannover 96. Der Beginn einer Hoch-Zeit beim 25-Jährigen.
Seine Maxime damals: arbeiten, kämpfen, Tore erzielen. "Auch wenn das nicht einfach ist, wenn der Trainer einem sagt, man solle gehen", gesteht Gomez.
In München erlangte er schnell die Anerkennung, die er sich schon vorher erwünscht hatte. 28 Tore in 32 Bundesliga-Spielen. Souveräner Torschützenkönig. Dazu acht Treffer in acht Champions-League-Spielen. Gomez obenauf. In der Nationalelf dauerte es länger. Viel länger. Das Publikum reagierte teilweise abweisend auf den Schwaben spanischer Abstammung.
Im Test gegen Uruguay (2:1) in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena stand Gomez überraschend in der Startelf. Er zahlte das Vertrauen nach 20 Minuten zurück. Stark, wie er Diego Lugano den Ball abjagte und überlegt abschloss. "Ich werde alles tun, um den Trainer auch weiterhin von mir zu überzeugen. Ich werde aber nicht auf Teufel komm raus Dinge tun, um den Platz zu bekommen. Ich bin entspannter geworden", sagt Gomez. Zumal er sich der Wertschätzung von Löw sicher sein kann.
In den Europameisterschafts-Qualifikationsspielen am Freitag in Österreich und vier Tage später in Aserbaidschan dürfte er erneut gesetzt sein, da sich Klose im Spiel gegen Uruguay eine schmerzhafte Rippenprellung zugezogen hat und ausfällt. Für Gomez sind es zwei Chancen, seiner Ankündigung Taten folgen zu lassen: "Ich bin überzeugt, dass ich noch viele wichtige Tore für Deutschland machen werde."Schürrle klopft an: André Schürrle machte gegen Uruguay auf der linken Mittelfeldseite ein starkes Spiel — nicht nur wegen seines tollen Schlenzers zum 2:0. Eine Kampfansage des künftigen Leverkuseners an Platzhirsch Lukas Podolski gibt es aber (noch) nicht: "Ich bin Herausforderer. Poldi ist links gesetzt. Er hat so viel für die deutsche Mannschaft geleistet." Reus reist ab: Wegen einer Muskelverletzung hat Marco Reus gestern das Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Frankfurt verlassen. Er fehlt damit in den nächsten Partien gegen Österreich und Aserbaidschan. bl