1. Sport
  2. Fußball
  3. Regional

Erinnerungen an den „Kurfürsten von Trier“

Fußball : Erinnerungen an den „Kurfürsten von Trier“

Er brachte den Fußball in der Region nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zum Laufen: Hermann Schmitt war über Jahrzehnte hinweg einer der großen Macher – und das sogar weit über die Grenzen des Fußballverbandes Rheinland hinaus. Am Ostersonntag würde Schmitt 100 Jahre alt werden. Frühere Weggefährten erinnern sich an eine markante Persönlichkeit.

An seine erste Begegnung mit Hermann Schmitt kann sich Theo Zwanziger noch genau erinnern: „1981 kamen wir im Satzungsausschuss des Fußballverbandes Rheinland zusammen.“ Zahlreiche Juristen waren hier vereint, um die Paragrafen des Verbandes auf dem neuesten Stand zu halten. Der in Ludwigshafen aufgewachsene und während des Zweiten Weltkrieges in Trier gelandete  Schmitt schlug da etwas aus der Art. „Hermann fragte immer wieder, was die Änderungen den kleinen Vereinen nutzen würden. Ihm lag es fern, die Dinge zu verrechtlichen. Er war ein Pragmatiker“, betont der frühere Präsident des Fußballverbandes Rheinland und Ex-DFB-Chef. „Er strotzte vor Selbstbewusstsein und ging alles mit einer natürlichen Art an“, so Zwanziger weiter. Aus Ausschusskollegen wurden sehr gute Freunde. Bis heute steht in Zwanzigers Arbeitszimmer ein Bild, das ihn beim Besuch Schmitts anlässlich dessen 80. Geburtstages im Schweicher Hotel Leinenhof zeigt: „Hermann war für mich ein Musterbeispiel für Bodenhaftung und einfach ein außergewöhnlicher Mensch.“

Auch der damalige DFB-Präsident Egidius Braun zählte seinerzeit zu den Gratulanten. Als Schmitt ihn direkt bei der Begrüßung duzte, staunten viele Gäste nicht schlecht. „Der Hermann darf das als einer von ganz wenigen Kreisvorsitzenden in Deutschland“, stellte Braun klar. Auch er hatte Achtung vor dem Macher aus dem Schweicher Stadtteil Issel. Nach dem Krieg half Schmitt dem TuS Mosella Schweich wieder auf die Sprünge, zählte 1952 auch zu den Geburtshelfern, als der TuS Issel aus der Taufe gehoben wurde.

Außerdem war er noch Schiedsrichter und startete dann vor allem als Funktionär durch. Rund fünf Jahrzehnte wirkte der gebürtige Pfälzer im Vorstand des Fußballkreises Trier-Saarburg, davon den Großteil als Vorsitzender. Ab 1967 führte Schmitt zudem 30 Jahre lang den Sportkreis, zog im Fußballverband Rheinland als Spielausschussvorsitzender die Strippen und  brachte sich darüber hinaus noch auf Südwestebene im Regionalverband ein.

Schmitts Wort hatte Gewicht. Gerade für die Clubs aus der Region setzte er sich ein. Ehrfurchtsvoll wurde er anderswo sogar als „Kurfürst von Trier“ bezeichnet. Wo ein Wille war, war auch ein Weg. So, wie Anfang der 1950er Jahre bei einem Schiedsrichtereinsatz. „Ein Spiel irgendwo im vorderen Hochwald drohte auszufallen, weil der Pfarrer sein Auto mitten auf dem Platz geparkt hatte. Er war dagegen, dass zur Zeit des Religionsunterrichts am Sonntag gekickt werden sollte“, erinnert sich Schmitts Sohn Jürgen. Statt die Partie abzusagen und klein beizugeben, habe sich sein Vater entschieden, um den PKW herumspielen zu lassen.

Mit seiner vor drei Jahren verstorbenen Ehefrau Maria hatte Hermann Schmitt vier Kinder. An Jürgen vererbte er das Funktionärs-Gen weiter, zählte dieser doch zwei Jahrzehnte lang zu den Machern beim TuS Issel, dessen Aushängeschild die Frauen- und Mädchen-Fußballabteilung ist.

 Der Nachwuchs im Hause Schmitt war einst eingespannt, wenn es sonntags im Auftrage des TV und der bis 1974 erschienenen Trierischen Landeszeitung darum ging, in den Vereinsgasthäusern anzurufen, um die Kreisliga-Ergebnisse abzufragen. „Wir Kinder machten dann die Statistik, und anhand derer diktierte uns der Vater dann die zusammenfassenden Berichte, welche wir wiederum an die Zeitung weitergaben“, erinnert sich der heute 62-jährige Jürgen Schmitt.

Im Berufsleben war Schmitt senior Leiter der Schweicher Tourist­info. „Hermann war fast permanent im Einsatz – ob in seinem Job oder als Ehrenamtler. Zu mir hat er mal gesagt, dass er praktisch nie richtig Urlaub gemacht habe“, sagt Michael Herrmann. Einen Leitsatz seines frühen Förderers – der heutige Trier-Saarburger Sportkreisjugendwart startete unter Schmitt in den 1980er Jahren als Fußball-Staffelleiter – hat er sich besonders eingeprägt: „Du bist als Funktionär für die Vereine da, nicht die Vereine für dich.“

Geradlinig, einer, auf den man sich verlassen konnte, aber auch jemand, der klare Vorstellungen hatte und die er am liebsten auch durchsetzen wollte: So erinnern sich frühere Weggefährten an den 83 Jahre alt gewordenen Schmitt. Wenn es sein musste, setzte er zum Beispiel auch Personalentscheidungen mit einem Schuss Schlitzohrigkeit durch, wie Bruno Christmann zu berichten weiß: „Als ein neuer Sportkreisjugendwart gesucht wurde, fragte Hermann mich, ob ich mir vorstellen könne, das Amt zu übernehmen. Ich habe das grundsätzlich bejaht, sagte ihm aber, dass ich wegen eines Trainings bei uns in Riol nicht an der Wahl teilnehmen könne.“ Dann habe er nichts mehr von Schmitt gehört und dachte schon, die Sache sei im Sande verlaufen. Bis kurz nach der Versammlung: „In unserem Vereinslokal beglückwünschten mich Vorstandsmitglieder des SV Riol zu meiner Wahl in Abwesenheit. Ich habe mich da schon ein wenig überrumpelt gefühlt. Doch ich hatte viel Spaß in diesem Amt.“ Bestens in Erinnerung geblieben sind ihm auch die Thüringen-Fahrten kurz nach der Wende: „Hermann hat echte Freundschaften geknüpft und sich sehr für eine gute Verbindung eingesetzt.“

1997 gab Hermann Schmitt seine Ämter als Vorsitzender des Sportkreises (an Alfons Steinbach) und auf Trier-Saarburger Fußballebene ab. Neuer Kreisvorsitzender wurde hier der langjährige Kreissachbearbeiter Manfred Marx. Es seien „unheimlich große Fußstapfen“ gewesen, in die er getreten sei. „Hermann hat mir aber freie Hand gelassen und sich nicht eingemischt.“ Großen Wert habe Schmitt auf Genauigkeit gelegt, konnte einen dafür auch mal zusammenfalten, so Marx: „Als Geschäftsführer des SV Orenhofen hatte ich mal vergessen, ihm ein Sportfestprogramm in dreifacher Ausfertigung zukommen zu lassen. Da gab es dann gleich einen Anpfiff. In den Folge habe ich mir das nie mehr erlaubt.“

Auch im offiziellen Fußball-Ruhestand war Hermann Schmitt noch rührig. Ein Einschnitt kam dann im Herbst 2002. Hier erfuhr er, dass sein Herz stark geschädigt sei und eine Operation zu viele Risiken mit sich bringe.  „In den folgenden Monaten hat er sich verändert, ruhiger gelebt, aber noch dafür gearbeitet, dass er seine Seniorenfreizeit 2003 vorbereitet“, erinnert sich Sohn Jürgen.

Auf der Schwarzwald-Tour lief alles wie am Schnürchen – wie immer, wenn Hermann Schmitt seine Hände im Spiel hatte. Am Tag vor der Abreise sei sein Vater dann friedlich eingeschlafen  –  wohl in dem Wissen, dass er auch das noch für die anderen ordentlich organisiert habe.

Hermann Schmitt der Antreiber, der Chef, der Hansdampf-in-allen-Gassen, Hermann überall, ein Mann mit Ecken und Kanten, für den noch ein Wort ein Wort war und einer, von denen es in der heutigen Funktionärswelt viel zu wenige gibt, wie Michael Herrmann überzeugt ist:  „Einen wie ihn, geradeaus, total zuverlässig: Mehr solcher Persönlichkeiten würden uns noch mal guttun.“