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Eschfeld: Eifeler Fußballer trotzen Krise mit Essen to go

Fußball : Eifeler Fußballer trotzen Krise mit Essen to go

Der FSV Eschfeld hat eine Aktion initiiert, mit der man Gastwirten in Corona-Zeiten helfen und den internen Zusammenhalt fördern will.

Sei es ein Turnier speziell für Karnevalsvereine, große Sportfeste oder die in einem Video sprichwörtlich nachgestellten Fußballfloskeln, welche im Frühjahr in sozialen Netzwerken millionenfach angeklickt wurden:  Beim FSV Eschfeld sind sie immer wieder für eine Überraschung gut. Während bei den Kickern aus der 200-Seelen-Gemeinde unweit des deutsch-luxemburgisch-belgischen Dreierländerecks coronabedingt nun schon seit Wochen der Ball ruht, sorgen sie mal wieder auf andere Weise für gute Nachrichten: Unter dem Motto „Support your locals“ ruft der FSV via Facebook seit Anfang November dazu auf, Essen bei heimischen Gastronomen zu bestellen. Damit sollen die Wirte in der für sie so schwierigen Phase, in der sie keine Gäste empfangen dürfen, Unterstützung erfahren.

Der Vorschlag von Ilija Kozulovic, längst weit über Eschfeld hinaus bekannt für seine kreativen Aktionen, fand in der Whatsapp-Gruppe des FSV-Vorstandes gleich guten Anklang. „Dabei“, schränkt der 37-Jährige ein, „war das gar nicht meine eigene Idee“. Vielmehr hatte damit sein Heimatverein vom Rhein, der SSV Boppard, bereits im Frühjahr viel Erfolg. „Wir haben das Ganze gut kopiert“, sagt Kozulovic, der 2011 der Liebe wegen in die Westeifel zog, mit einem Augenzwinkern.

Vielversprechend verlief gleich der Start, als der FSV seine Aktiven, Fans und Freunde übers Internet dazu aufrief, Essen in einem Restaurant im benachbarten Irrhausen zu bestellen. „Gut 40 Mahlzeiten wurden da über uns geordert, und alle hatten ihren Spaß – die Gastwirte freuten sich über so viel Zuspruch, und wir hatten zu Hause was Leckeres auf dem Tisch.“

Selbst konzentrieren sich die Eschfelder seit Monatsbeginn an jedem Wochenende auf ein anderes Lokal in der Westeifel und nominieren andere Fußballteams mitzumachen. Zudem hat sich auch schon der Eschfelder Musikverein an der Aktion beteiligt. „Die Clubs lassen sich gerne animieren und tun ihren Lokalen vor Ort ebenfalls Gutes“, registriert Kozulovic jede Menge positive Resonanz.

Ob die SG Daleiden, die SG Großkampen oder die Fußballer der Spielgemeinschaften aus Habscheid, Ringhuscheid, Lambertsberg oder vom SV Waxweiler: Viele waren schon mit Begeisterung dabei. Größere Vereine haben zum Bedauern Kozulovics auf eine Nominierung noch nicht reagiert, darunter Eintracht Trier und Fortuna Köln.

Selbst hat das Eschfelder Vorstandsmitglied mit seiner Lebensgefährtin Susi und den beiden Kindern schon einige lukullische Leckerbissen genießen können („Von Großväterchens Schnitzel über Hähnchenflügel bis hin zum Eschfelder Weiderindgulasch waren das alles ganz tolle Sachen.“), sondern sieht darin auch eine willkommene Möglichkeit, in Zeiten der strengen Kontaktbeschränkungen und damit auch verbotenen Trainings etwas für die Kameradschaft tun zu können: „Man muss in diesen Zeiten andere Wege gehen.“

In den Kommentarleisten auf der Eschfelder Facebookseite gehören auch schon mal Frotzeleien dazu, mit denen Kozulovic aber gut leben kann („Komisch, bei jeder Essenslieferung sind Ilija und der (Patrick) Wallesch dabei. Passt auf eure Figur auf, ihr beiden!“). Virtuell kann sich der „Mister Kreativ“ des FSV noch weitere Projekte vorstellen, wie eventuell eine Weihnachtsfeier am Bildschirm.

Nichtsdestotrotz sehnt aber auch der mit seiner Familie in Arzfeld lebende Fußballenthusiast mit kroatischen Wurzeln, der ab und an noch als Spieler beim FSV aushilft, der Rückkehr auf den Platz entgegen: „Dass wir wohl noch viele Wochen lang pausieren müssen, tut mir besonders für meine Bambini-Mannschaft unwahrscheinlich leid.“ Bei der Jugendspielgemeinschaft Islek coacht er unter anderem auch seinen Sohn Mato, dem er nur schwer erklären kann, „warum die Profis regelmäßig spielen dürfen und wir vor Ort nicht“. Wie die Saison zu retten ist– der FSV Eschfeld hat eine B- und eine D-Liga-Mannschaft im Spielkreis Eifel am Start – vermag auch Kozulovic aktuell nicht zu sagen.

Er hofft aber darauf, dass jetzt auch noch mal über einen immer mal wieder aufploppenden Vorschlag diskutiert wird: „Am besten wäre es doch, mit dem Jahr zu spielen, also etwa von März bis Oktober. Dann würde man die kalte Jahreszeit umgehen und könnte die wärmeren Monate viel besser nutzen. Die Vereine hätten sicher noch mehr Zuschauer  und einen höheren Umsatz.“

Zunächst soll aber weiter die Unterstützung der Gastwirte im Fokus stehen. „Mit leckerem Essen“, weiß Kozulovic, „lassen sich auch die langen, dunklen Abende viel besser überstehen“.