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Interview Hans-Peter Briegel
Ex-Eintracht-Trier-Manager im Interview: „Bei vielen WM-Spielen habe ich vorzeitig ausgeschaltet“

FOTO: dpa / Christian Charisius
Prüm. Der frühere Europameister und zweifache Vize-Weltmeister ist besorgt um die Qualität des Fußballs auf höchster Ebene – Auch die Oberliga hat er im Blick. Von Andreas Arens
Andreas Arens

Kreissport-Mitarbeiter beim Trierischen Volksfreund

Über die gerade beendete Weltmeisterschaft in Russland, den 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Trier bis hin zum Schneifeldörfchen Gondenbrett: Mit Hans-Peter Briegel lässt sich dieser Bogen spielend spannen. Woran er das WM-Desaster der DFB-Elf festmacht, wen er als Hauptkonkurrenten des SVE im Titelkampf der neuen Oberligasaison sieht und warum er demnächst mit einem mulmigen Gefühl ins Mehlental unweit von Prüm reist, verrät er im TV-Interview.

Frankreich ist dank des finalen 4:2 gegen Kroatien zum zweiten Male Fußball-Weltmeister – verdient?

BRIEGEL Ja. Sie haben unter allen Teams am kompaktesten gespielt. Das Abwehrverhalten der gesamten französischen Mannschaft hat mir imponiert. Diese taktische Disziplin war entscheidend.

Wie bewerten Sie die Qualität der WM in Russland generell?

BRIEGEL Bei vielen Vorrundenspielen habe ich den Fernseher vorzeitig ausgeschaltet. Der Unterschied zwischen den schwächeren und stärkeren Mannschaften war verhältnismäßig groß. Die Kleinen haben sich nicht selten mit zehn Mann hinten reingestellt. Das Gefälle wird spätestens in acht Jahren bei der übernächsten WM sicher noch extremer sein, wenn 48 Teilnehmer dabei sind. Es ist eine Entscheidung, die wirtschaftliche Gründe hat und zulasten des sportlichen Niveaus geht.

Welche Nationen haben Sie bei der Weltmeisterschaft besonders überrascht?

BRIEGELVor allem die Belgier und die Kroaten. Solch relativ kleine Länder haben auf den Positionen abseits der Startelf oft nicht die starken Leute. Das war diesmal anders. Ich hatte erwartet, dass ihnen nach der Vorrunde die Luft ausgeht. Vielmehr haben sie in der K.o.-Phase noch enge Spiele gewonnen.

Bereits nach der Vorrunde war für die DFB-Elf Schluss. Das 0:1 gegen Mexiko war die erste deutsche WM-Auftaktpleite nach dem 1:2 gegen Algerien im Jahre 1982, als Sie noch auf dem Platz standen…

BRIEGEL…wir haben es ja noch hingebogen, standen aber auch damals bereits gewaltig unter Druck.

 Woran machen Sie das desaströse Ausscheiden des 2014er Weltmeisters fest?

BRIEGEL Ein Kernproblem war, dass im Vorfeld zu viel über Manuel Neuer und dessen Fitnesszustand diskutiert wurde. Geht es Hummels gut? Geht es Boateng gut? Geht es einem Müller gut, der in den Wochen vor der WM auch schwächere Zeiten hatte?  Die Antworten auf diese Fragen kamen mir viel zu kurz.

Ist Joachim Löw noch der Richtige als Bundestrainer?

BRIEGEL Jogi Löw hat noch einen Vertrag bis 2022 – und Verträge sollte man erfüllen.

Das hört sich nicht nach einem klaren Plädoyer für ihn an.

BRIEGEL Doch! (lacht)

1980 wurden Sie als Spieler des 1. FC Kaiserslautern Europameister. Auch mit den Roten Teufeln bestritten Sie zahlreiche internationale Spiele. Nun ist der FCK nur noch drittklassig. Trotzdem macht sich Aufbruchstimmung in der Pfalz breit….

BRIEGEL Langsam, langsam: Entscheidend ist, dass die Mannschaft gut in die Saison reinkommt. Euphorie wird nur durch einen guten Start kommen. Alles andere, was jetzt im Vorfeld läuft, kannst Du da getrost vergessen.

In der Saison 1998/99 waren Sie Sportdirektor bei Eintracht Trier.  Interessiert es einen 20 Jahre später überhaupt noch, wie es dort so läuft?

BRIEGEL Ich verfolge immer noch, wie es dort läuft. Es ist einfach schade, dass sie nur noch in der Oberliga spielen. So einfach ist es in diesen Ligen nicht, aufzusteigen. Da gibt es sicher auch dieses Mal noch zwei, drei andere, die hoch wollen. Einer davon wird sicher der FCK II sein.

Sieht man Sie nochmal auf der Trainerbank oder in einer anderen Verantwortung bei einem Club?

BRIEGEL Nö. Manchmal gebe ich Leuten noch Tipps, wenn ich gefragt werde. Das passt schon so.

Zumindest ein rundes Dutzend Mal im Jahr coachen Sie noch die Lotto-Elf. Was treibt Sie dort alles an?

BRIEGEL In erster Linie motiviert der gute Zweck, den wir mit den jeweiligen Spielen verfolgen. Außerdem sind wir eine verschworene Gemeinschaft, haben auch abseits des Platzes viel Spaß.

Am Mittwoch, 1. August, 19 Uhr, steht für die Lotto-Elf das Benefizspiel zugunsten der Lebenshilfe Prüm in Gondenbrett an. Seit 2005 ist es das vierte Duell mit der regionalen Auswahl der Special-Olympics-Friends. Was erwartet Sie dort?

BRIEGEL Föhren, Waxweiler oder Prüm: Schon auf der Hinfahrt denke ich sicher auch wieder an frühere, zum Teil hartumkämpfte Spiele, die wir in dieser Region hatten.  In Gondenbrett müssen wir aufpassen. Auswahltrainer Wolfgang Bormann wird seine Jungs sicher heiß machen. Gerade anfangs könnte es kritisch für meine Mannschaft werden – weil wir einige im Team haben, die sich im betagten Fußballalter nicht mehr warm machen und dann noch ein paar Minuten brauchen, bis sie auf Betriebstemperatur sind (grinst).

Interview: Andreas Arens