Fehlstart für die Roten Teufel: Wohin führt der Weg des 1. FC Kaiserslautern?

1. FC Kaiserslautern : Fehlstart: Quo vadis, 1. FC Kaiserslautern?

Nach fünf Spieltagen herrscht rund um den Betzenberg große Ernüchterung. Die Aufstiegsränge in der 3. Liga sind weit entfernt. FCK-Trainer Hildmann gerät unter Druck.

Der Frust ist groß bei den Spielern des 1. FC Kaiserslautern nach der bitteren 0:3-Pleite gegen Eintracht Braunschweig. Fünf Spiele, nur ein Sieg, Tabellenplatz 14 mit lediglich fünf Punkten und 6:8 Toren – so liest sich eher die Bilanz eines Abstiegskandidaten als die eines Aufstiegsaspiranten. „Wir haben drei Tore kassiert und einfach ein schlechtes Spiel gemacht. Jeder hatte Lust auf das Spiel und wollte unbedingt, aber jetzt ist es der gleiche Mist wie letztes Jahr, und wir stehen wieder so schlecht da“, sagte Christian Kühlwetter. Der 23-Jährige hatte gegen Braunschweig den Führungstreffer auf dem Fuß, vergab aber frei stehend aus kurzer Distanz und versäumte es, seine Mannschaft auf die Siegerstraße zu bringen.

Genau diese fehlende „Killermentalität“ monierte Lauterns Kapitän Christoph Hemlein: „In der 3. Liga muss man mal clever sein und das Ding killen. Du kannst nicht in jedem Spiel 15 Chancen haben, wir müssen cleverer werden.“ Die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor war schon im Heimspiel gegen Ingolstadt (0:0) sowie bei der 2:3-Niederlage in Münster zu beobachten, als man sogar einen Elfmeter ungenutzt ließ und im Gegenzug den 1:1-Ausgleich kassierte, statt mit 2:0 in Führung zu gehen.

Nach dem schwachen Saisonstart gerät nun auch Trainer Sascha Hildmann unter Druck. Der 47-jährige gebürtige Kaiserslauterer wirkte nach der Partie gegen Braunschweig etwas ratlos, denn eine große Chance wurde nach dem umjubelten 2:0-Erfolg im DFB-Pokal gegen den Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 vergeben: „Die Euphorie hätten wir gerne mitgenommen, aber das ist uns nicht geglückt. Wir sind enttäuscht, wir müssen das dringend besser machen.“ Hildmann redet zwar Klartext, das ist aber das einzige Positive nach dem Fehlstart. Viel Zeit, etwas zu ändern, wird er jedoch nicht mehr haben, denn die Ambitionen des Pfälzer Traditionsvereins sind nach dem Einstieg des Luxemburger Investors Flavio Becca definitiv andere, als nur gegen den Abstieg zu spielen. Das erklärte Ziel ist sogar die mittelfristige Rückkehr in die Bundesliga, doch bei sieben Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz in die zweite Liga ist allein dieses Zwischenziel derzeit noch meilenweit entfernt.

Ein Blick auf die Mannschaftsteile der Lauterer: Was passt? Was läuft schief? Was muss sich ändern?

Tor: Der 20-jährige Lennart Grill ist unbestritten ein riesiges Talent und bewies das zum Beispiel im Pokalspiel gegen Mainz. Die Nummer 1 des FCK patzte allerdings in Münster spielentscheidend zum 2:3 und muss noch konstanter in seinen Leistungen werden. Der 20-Jährige ist aber selbstkritisch und stellt sich auch nach schwächeren Leistungen den Journalisten – er bringt alles mit, um auch höheren Anforderungen gewachsen zu sein.

Abwehr: Die Viererkette mit Dominik Schad, Carlo Sickinger, Ndonga Matuwila und Philipp Hercher ist anfällig. Nach dem Rückstand gegen Braunschweig verlor die Hintermannschaft die Orientierung und kassierte prompt einen Konter zum 0:2. Die beiden Innenverteidiger aus der Vorsaison, Kevin Kraus und An­dre Hinault, sitzen auf der Bank. Carlo Sickinger mit seinen Offensivqualitäten wäre hinter den Spitzen  vermutlich wertvoller für die Lauterer.

Mittelfeld: Gerade in den Heimspielen fehlt noch die ordnende Hand im Mittelfeld. Janik Bachmann als Abräumer vor der Viererkette macht noch zu wenig auf sich aufmerksam. Kapitän Christoph Hemlein fehlt die Luft für 90 Minuten. Neuzugang Manfred Starke zeigt gute Ansätze, prägt das FCK-Spiel allerdings noch nicht stark genug. Christian Kühlwetter besitzt ausgeprägten Zug zum Tor, lässt aber derzeit die Präzision im Abschluss vermissen. Erstmals ohne Torerfolg blieb gegen Braunschweig der Wittlicher Florian Pick, der auf der linken Außenbahn emsig arbeitet und schon vier Saisontore erzielt hat. Der 23-Jährige präsentiert sich im Vergleich zur Vorsaison wesentlich effektiver. Insgesamt muss das FCK-Mittelfeld mehr Druck und mehr Tempo entwickeln, um Torchancen zu kreieren. Hilfreich könnte dabei Neuzugang Simon Skarlatidis werden, der gegen Mainz sein Können aufblitzen ließ, allerdings gegen Braunschweig nach seiner Einwechslung auch keine Akzente setzte.

Angriff: Timmy Thiele gab in der taktischen Ausrichtung zuletzt den Alleinunterhalter im Sturm. Gegen Braunschweig hatte er nur eine Chance – in der 90. Minute beim Stand von 0:3. Das ist zu wenig für die Lauterer Angriffsspitze. Im Sturmzentrum wird dringend ein „Knipser“ benötigt, der deshalb verpflichtete Neuzugang Andri Runar Bjarnason (Muskelbündelriss in den Adduktoren) fällt allerdings verletzt noch länger aus.

Fazit: Lauterns Trainer Sascha Hildmann muss seiner Mannschaft nun schnellstens neues Leben einhauchen, soll der Anschluss an die Aufstiegsplätze nicht schon vorschnell ganz verloren gehen. Siege beim FSV Zwickau und dann zu Hause im Derby gegen Waldhof Mannheim sind fast schon Pflicht für die Pfälzer, aber alles andere als leichte Aufgaben. Neue Impulse in der täglichen Trainingsarbeit und wohl auch personelle Veränderungen in der Aufstellung sind nötig, um wieder in die Erfolgsspur zu finden.

Dass die Mannschaft Potenzial besitzt, hat sie im DFB-Pokal bewiesen. Nun muss sie es auch im Liga-Alltag abrufen. Es ist Aufgabe des Trainers, das hinzubekommen und die Motivation hochzuhalten. Sich selbst stellte der FCK-Coach kein gutes Zeugnis aus, als er nach dem Braunschweig-Spiel sagte: „Heute waren wir schlecht und haben kein gutes Spiel gemacht. Die Spieler sind nach dem gewonnenen Pokalspiel in eine Komfortzone gerutscht.“ Sie da rauszuholen und heißzumachen, ist originäre Aufgabe des Trainers.

Foto: dpa/Uwe Anspach
Riesentalent: Kaiserslauterns Torwart Lennart Grill. Foto: dpa/Uwe Anspach

Hildmann hat die Realität allerdings erkannt: „Die oberen Ränge sind weit weg. Wir müssen diese Woche hart arbeiten, um in Zwickau etwas zu holen.“ Die Luft wird dünner für Sascha Hildmann auf dem Betzenberg. Vor allem, wenn sich nicht rasch die erwarteten Erfolgserlebnisse einstellen.

Mehr von Volksfreund