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FSV Salmrohr: Tim Kieren und sein langer Weg zurück ins Tor

Fußball : Tim Kieren und sein langer Weg zurück ins Tor

Fußball-Oberliga: Seit gut einem Jahr kämpft der Salmrohrer Torwart mit einer Knieverletzung. An einem großen Ziel hält er aber fest.

Der Blick auf den Aufstellungsbogen zum letzten Salmrohrer Heimspiel in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar vor der aktuellen Corona-Unterbrechung gegen den 1. FC Kaiserslautern II (1:3) ließ aufhorchen: Plötzlich war Tim Kieren nach monatelanger Verletzungspause als Ersatztorwart aufgeführt. Doch eine wundersame Heilung des seit September vergangenen Jahres an massiven Beschwerden im linken Knie laborierenden Keepers hatte nicht stattgefunden: Weil die etatmäßige Nummer eins Sebastian Grub gesperrt und Dominik Thömmes zwischen die Pfosten gerückt war, hatte Trainer Lars Schäfer für den Fall der Fälle in Wirklichkeit Tim Kierens Vater Karl-Heinz (51), den Zweiten Vorsitzenden, Sportlichen Leiter des FSV und früheren Regionalligakeeper, aufgeboten. „Es gab Probleme mit der Meldung im Online-System des DFB“, klärt Schäfer über die Vornamens-Verwechslung auf.

Eine Rückkehr des 20-jährigen Schlussmanns in den Salmrohrer Kader ist dagegen noch in weiter Ferne. Je nachdem welche Ergebnisse eine MRT-Untersuchung in fünf Wochen bringt, droht Tim Kieren sogar die dritte Operation binnen eines Jahres.

Mit Wehmut denkt der 1,98 Meter große Schlussmann an seinen nach dem Sprung von der Jugend in den Seniorenbereich so verheißungsvoll verlaufenen Start zurück: Auf Anhieb hatte er den Konkurrenzkampf mit Dominik Thömmes für sich entschieden, stand in der Rheinlandliga und sogar im DFB-Pokal im Tor. Am 11. August 2019 rückte Kieren ins Rampenlicht. Dass der FSV erst sieben Minuten vor dem Halbzeitpfiff gegen Zweitligist Holstein Kiel das erste von insgesamt sechs Gegentoren kassierte, war auch sein Verdienst.

Schon damals habe er im Knie ein Ziehen verspürt, erinnert sich der mittlerweile an der Fachhochschule in Trier eingeschriebene Maschinenbau-Student. Die Schmerzen wurden schlimmer, und Mitte September entschied sich Kieren, das diagnostizierte Patellaspitzensyndrom therapieren zu lassen. Der Erfolg blieb aus. In der ersten Operation Ende Januar in Saarlouis wurde eine Sehne geglättet, ein Knochen in der Kniescheibe abgeschliffen und ein Knorpelschaden behoben. Es folgte eine Spritzenkur. Aber auch sie brachte keine nachhaltige Besserung. Deshalb kam es nach einer Untersuchung in einer Kölner Sportklinik vor zwei Monaten zu einem weiteren Eingriff. Falls das Knochenödem Mitte kommenden Monats noch nicht verschwunden ist, müsse nun eventuell die Kniescheibe aufgebohrt und die Flüssigkeit dann entfernt werden, berichtet Kieren.

Mehr als Kräftigungsübungen für den Oberkörper kann er aktuell noch nicht machen. Der FSV war aber auch bereits vor dem coronabedingten Trainingsverbot bei ihm allgegenwärtig: Mit Vater Karl-Heinz spreche er zu Hause viel über Fußball. „Er kann mir über Taktik und Einstellung eine Menge erzählen.“ Gemeinsam würden sie auch immer wieder die Spiele des FSV analysieren. „Die Qualität haben wir, um den Klassenverbleib zu schaffen“, ist Kieren überzeugt. Entscheidend sei der Zusammenhalt.

Wann er zumindest wieder regelmäßig am Mannschaftstraining teilnehmen kann, steht noch in den Sternen. Kieren weiß, dass „ich zunächst als Nummer drei starte“. Doch er habe das feste Ziel, sich wieder nach oben zu kämpfen – und nennt ein konkretes Vorhaben: „Noch mal im DFB-Pokal spielen, das wär’s.“

Trainer Lars Schäfer kann den Leidensweg seines Schützlings gut nachvollziehen, laborierte er doch als Aktiver einst selbst rund eineinhalb Jahre an einer Knieverletzung. Der FSV-Coach weiß um das Talent des jungen Torwarts („Er hat das Zeug dazu, ein, zwei Klassen höher zu spielen.“) und lobt seinen Teamgeist: „Tim schaut zu den Spielen und oft beim Training vorbei, beweist damit, wie wichtig ihm die Kameradschaft ist.“