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Fußball: Der "disziplinlose Haufen" ist Geschichte

Fritz Fuchs (links) und Mario Basler: Zwei FCK-Kenner sehen der Zukunft beim pfälzischen Traditionsverein wieder optimistisch entgegen. Foto: TV-Archiv/TV-Foto: Archiv/funkbild/Montage: Birgit Keiser
Fritz Fuchs (links) und Mario Basler: Zwei FCK-Kenner sehen der Zukunft beim pfälzischen Traditionsverein wieder optimistisch entgegen. Foto: TV-Archiv/TV-Foto: Archiv/funkbild/Montage: Birgit Keiser
Mit dem Duell gegen Spitzenreiter Mainz 05 startet der Tabellen-Zweite 1. FC Kaiserslautern am kommenden Montag in die Rückrunde der zweiten Fußball-Bundesliga. Mario Basler und Fritz Fuchs, zwei für markige Worte bekannte Querdenker, analysieren für den TV die Lage bei den "Roten Teufeln". Von unserem Redakteur Mirko Blahak

Kaiserslautern. Bremens Diego machte jüngst wegen privater Eskapaden Schlagzeilen, Schalkes Jermaine Jones wegen Verbal-Attacken gegen Mitspieler und Trainer. Zwei Aufreger, zwei Provokationen. "Wäre Milan Sasic ihr Trainer, würden die Spieler kein Gras mehr fressen. Wer bei ihm nicht mitzieht, ist weg vom Fenster", sagt Fritz Fuchs. Er kennt den 50-Jährigen, er hat den Kroaten im Februar 2008 in seiner Funktion als Kurzzeit-Team-Manager des 1. FC Kaiserslautern als Trainer der "Roten Teufel" in die Pfalz gelockt.

Sasic schaffte mit dem FCK in einem Herzschlagfinale gegen den 1. FC Köln (3:0) den Klassenerhalt, in dieser Saison klopft die Mannschaft an die Tür zur ersten Liga. Für Fuchs, der wegen Unstimmigkeiten mit dem Vorstand Ende März 2008 nach nur knapp drei Monaten vom Amt des FCK-Team-Managers zurücktrat, ist das keine Überraschung. Weil Sasic am Ruder ist. "Er ist der Garant für den sportlichen Aufschwung. Er überlässt nichts dem Zufall. Die Spieler müssen jeden Tag an ihre Grenzen gehen. Er hat aus einem disziplinlosen Haufen wieder eine Mannschaft geformt." Ein Team, in dem Spieler zu nicht geahnter Stärke gefunden haben. Ein Beispiel dafür ist Erik Jendrisek, der schon abgeschrieben war und nun mit Srdjan Lakic Top-Stürmer beim FCK ist.

Eine kluge Einkaufspolitik gepaart mit der zurückgekehrten Heimstärke - auch aus Sicht von Ex-FCK-Profi Mario Basler ist das die Erfolgs-Mischung: "Milan hat sehr gut eingekauft und aussortiert, die Kader-Zusammenstellung passt." Der FCK habe einen wichtigen Schritt aus dem Tal der Tränen gemacht, die Krise aber keineswegs schon überwunden. Basler: "Das geht nicht von heute auf morgen, der Club ist weiter finanziell angeschlagen."

Basler: Endlich sind wieder Fußball-Kenner am Werk



Der 40-Jährige ist jedoch überzeugt, dass sich der Traditionsverein auch in diesem Bereich konsolidieren wird: "In verantwortlichen Positionen sind endlich mal wieder Leute am Werk, die Ahnung vom Fußball haben." In erster Linie meint er damit Vorstandschef Stefan Kuntz, mit dem er 1996 im deutschen Europameisterschafts-Team stand. Kuntz' Vor-Vorgänger René C. Jäggi hatte Basler verbal scharf attackiert. Als "Niete in Nadelstreifen" hatte er den Schweizer bezeichnet. "Ich bin froh, dass man inzwischen beim FCK erkannt hat, dass Menschen an die Schaltstellen müssen, die sich im Fußball auskennen", sagt der heutige Trainer von Fußball-Regionalligist Eintracht Trier.

Das sieht auch Fritz Fuchs so, der gleichzeitig eine rein kontrollierende Rolle des Aufsichtsrats anmahnt: "Als Erwin Göbel Vorstandschef war, hat der Aufsichtsrat mit Dieter Buchholz an der Spitze quasi alles im operativen Geschäft gemacht. Das ist nicht seine Aufgabe. Milan Sasic und Stefan Kuntz würden sich das nicht gefallen lassen. Das ist gut so."