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Gewalt im Fußball: Tumult bei Kreisligaspiel schlägt hohe Wellen

Gewalt im Fußball: Tumult bei Kreisligaspiel schlägt hohe Wellen

Ein Spielabbruch bei einer Fußball-Kreisliga-Partie in Trier hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Ein Spieler des SV Trier-West-Euren hatte mit einem Tritt in den Unterleib seines Gegenspielers für einen Tumult gesorgt - und damit die Diskussion um Gewalt im Fußball befeuert.

Trier. "Polizeieinsatz bei Kreisklassen-Spiel in Trier", so titelte am Montag der offizielle Ergebnisdienst des DFB, fussball.de. In der Hierarchie weiter unten angesiedelt: Neuigkeiten zu Bayern München oder Real-Madrid-Star Özil. Auch vom Spiegel bis zum Kölner Express wurde ein Kreisligaspiel zum Thema, das am Sonntagnachmittag auf der Bezirkssportanlage in Trier-Euren kaum mehr als 50 Zuschauer sehen wollten.
Was war vorgefallen? Beim B-Liga-Spiel zwischen den Trier-Western und der SG Saarburg/Serrig kam es nach 65 Minuten zu heftigen Tumulten . Das Spiel wurde beim Stand von 4:0 für Saarburg und nach zwei Roten Karten gegen die Gastgeber abgebrochen, nachdem ein Spieler des SV Trier-West-Euren laut Polizeiauskunft einem Saarburger von hinten mit Wucht in die Genitalien getreten hatte. Darauf hatten einige Zuschauer den Platz gestürmt. Gegen den beschuldigten Trier-Wester Spieler wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Polizei musste anrücken und konnte die Situation unter Kontrolle bringen. Der Schiedsrichter und die Saarburger waren zwischenzeitlich in die Kabine geflüchtet. Dem Saarburger Spieler, ein 19-Jähriger, geht es nach Informationen unserer Zeitung inzwischen wieder etwas besser.
Wie das Spiel gewertet wird, ist noch offen - ein Wiederholungsspiel beim SV wird es aber nicht geben, kündigt Saarburgs Trainer Stephan Hartstein an: "Wir würden nicht noch einmal dort antreten. Ich arbeite seit 25 Jahren im Senioren-Fußball - und so etwas habe ich noch nicht erlebt."
Deeskalations-Training hilft nicht


Schon in der Halbzeit habe der Schiedsrichter angekündigt, "etwas großzügiger" zu pfeifen, um eine Eskalation zu vermeiden. In der vergangenen Saison stiegen die Trier-Wester ungeschlagen aus der C-Liga auf. Schon damals hatte es vereinzelt Spieler und Clubs gegeben, die sich geweigert hatten, gegen die Trierer anzutreten.
Einen vom SV hervorgerufenen Spielabbruch hatte es zudem bei einem Kreispokalspiel gegeben. Laut Hartstein hat es am Sonntag aber auch SV-Verantwortliche gegeben, die sich schützend vor den Schiedsrichter gestellt hätten.
"Die ganze Sache ist sicher nicht imageförderlich", sagt Bernd Marx, Vorsitzender des Fußballkreises Trier-Saarburg. Man sei in der Vergangenheit nicht untätig gewesen. Es habe immer wieder Gespräche mit dem Verein gegeben: "So kann es nicht weitergehen."
Noch am gleichen Abend wurde der Vorfall - wie bei Spielabbrüchen üblich - an die Kommission zur Gewaltprävention beim Fußballverband Rheinland weitergegeben wurde. Dafür ist Franz-Rudolf Casel zuständig, der sich aber erst zum Vorgang äußern will, "wenn ich alle Berichte vorliegen habe". Casel bestätigt aber, dass man schon in der Vergangenheit intensiven Kontakt mit dem Verein hatte: "Noch vor zwei Wochen fand beim SV Trier-West-Euren ein Deeskalationstraining mit zwei Kollegen von uns statt."
Das bestätigt auch Hans-Jürgen Lorig, der Vorsitzende des SV Trier-West-Euren. Er will sich nicht im Detail äußern, aber er bedauere den Vorfall sehr: "Wir entschuldigen uns aber in aller Form beim verletzten Saarburger Spieler und dem Schiedsrichter, der wohl beleidigt wurde." Welche Konsequenzen der Spielabbruch haben wird, kann Lorig noch nicht sagen. "Wir werden uns im Vorstand zusammensetzen und dann sehen, wie es bei uns weitergeht."