1. Sport
  2. Fußball
  3. Regional

Groundhoppng: Eine Geschichte vom Spiel HNK RIjeka - Hajduk Split 2014

So kickt die Welt: Lesergeschichten vom Fußball rund um den Globus - Teil 3 : Zeig’ mir das Spiel am Meer

Ein mutiger Parkplatztreff und ein heutiger Bundesligastar: Was drei Hochwälder beim Fußball in Kroatien erlebt haben.

Ein Parkplatz vor der kroatischen Stadt Rijeka im Jahr 2014. Drei Hochwälder stehen neben einem Mietwagen und warten auf ihre Verabredung, im Ungewissen, was jetzt gleich passieren wird. Ist es unverantwortlich, sich mit einem wildfremden Kroaten auf einem unbekannten Parkplatz in einem fernen Land zu einer Übergabe zu verabreden? Keine Zeit zum Überlegen. Ein Sportwagen fährt vor. Ein Mann steigt aus. 1,90 Meter groß. Glatze. Breite Schultern. „Ist er das?“, fragt einer der Hochwälder. Sie gehen auf den Kroaten zu, der zückt einen Umschlag und übergibt ihn. Ein Blick hinein verrät: Alles gut. Es klingt nur wie im Krimi.

Denn im Kuvert befinden sich drei Tickets für das Spiel HNK Rijeka gegen Hajduk Split in der ersten kroatischen Liga. Einer der Hochwälder ist Mario Grünenwald aus Züsch (VG Hermeskeil). Der 44-Jährige und seine drei Freunde machen diese Parkplatzerfahrung beim Groundhoppen (Erklärung siehe Info) während ihres Kroatien-Urlaubes.  In der Serie „So kickt die Welt“ erzählt der Trierische Volksfreund Lesergeschichten vom Fußball rund um den Globus – heute geht es mit drei Züschern an die nördliche Adria.

Eigentlich ist es eine Verkettung mehrerer Zufälle, dass Grünenwald und seine Freunde auf dem Parkplatz stehen und auf die Tickets warten. Als sie die Reise nach Kroatien antreten, planen sie nicht unbedingt, ein Fußballspiel zu besuchen. Als sie aber auf das Spitzenspiel zwischen HNK Rijeka und Hajduk Split aufmerksam werden, prüfen sie direkt die Vereinswebsite. Und dann: Ernüchterung. Alles ausverkauft. Mario Grünenwald hat eine Idee, schreibt bei Facebook in eine HNK-Rijeka-Gruppe und fragt nach Tickets. Eine gute Entscheidung. Es meldet sich der beschriebene 1,90-Hüne Stanko. Er besäße drei Tickets, Übergabe auf besagtem Parkplatz. Es wird noch besser: Er will nicht einmal Geld für die Karten, verschenkt sie. Einfach, weil er es toll findet, dass Deutsche sich „seinen“ Verein anschauen wollen“. Jackpot für die Hochwälder. Grünenwald & Co. reisen also zum Stadion Kantrida, wo das Spitzenspiel stattfindet.

Ein besonderes Stadion. In der Kreisliga spielt man auch immer mal wieder auf Plätzen, bei denen man das Gefühl hat, den Ball in die Mosel schießen zu können. So ist es beim Kantrida auch – nur mit dem Meer. Das Stadion grenzt auf der einen Seite an den Strand, auf der anderen ragt eine Felswand auf.

Die Hochwälder fahren früher zum Stadion, wollen vor dem Spiel noch am Strand liegen. Von dort geht es zur nächsten Verabredung mit Stanko, der einige Bier in der Gaststätte versprochen hat, in der die hartgesottenen HNK-Fans sich auf Spiele vorbereiten. Von dort geht es zur Arena.

Hier zeigt sich: Die Kroaten verstehen nicht nur etwas von Gastfreundschaft und dem Bau besonderer Stadien, sondern auch von Stimmung. Auch, wenn diese anders ist, als wir sie in Deutschland kennen. Härter, regelloser. Wenn in Deutschland wegen Pyrotechnik über Spielabbrüche gesprochen wird, ist das für die Kroaten nur ein kleines Feuerchen. Bengalos gehören zur dortigen Fankultur. Mitten im Fanblock erleben Mario Grünenwald und seine Freunde, wie Rijeka vom Anpfiff weg überlegen ist und 4:2 gewinnt.

Heute Bundesligastar, 2014 Talent bei HNK Rijeka: Andrej Kramaric. Foto: dpa/Peter Steffen

Überragender Spieler: Andrej Kramaric, der einen Dreierpack erzielt. Damals vielversprechendes Talent,  heute Topstürmer der TSG Hoffenheim in der Bundesliga.

Nach der Partie geht es zurück in die Vereinskneipe. Diese liegt oberhalb der Felswand und ermöglicht einen Blick über das Stadion hinweg, direkt auf das Meer. Stanko und die Hochwälder feiern den Sieg. Das Bier bezahlen die gastfreundlichen Kroaten.

Pyrotechnik gehört zur kroatischen Fankultur. Wird deswegen in Deutschland über Spielabbrüche gesprochen, ist sie an der Adria Normalität. Foto: Mario Grünenwald

Mario und Stanko schreiben noch heute immer wieder über Facebook. Nach Aussage des Züschers hätte auf dem Parkplatz „alles passieren können“. Entstanden ist aus dem Treffen Positives: Eine Freundschaft und ein Trip, den Grünenwald und seine Freunde nie vergessen werden.

Aufgezeichnet von Christian Thome