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Hoffen auf die Kraft des Kollektivs

Hoffen auf die Kraft des Kollektivs

Seit Montag dieser Woche hat Fußball-Bundesligist 1. FC Kaiserslautern das Training wieder aufgenommen. Auf dem Relegationsplatz, Tabellenrang 16, überwintert der Pfälzer Bundesligist bis zum Start der Rückrunde am 20. Januar. Der TV zieht eine Bilanz der Hinrunde und wagt eine Prognose auf den weiteren Saisonverlauf.

Kaiserslautern. FCK-Trainer Marco Kurz hat zwei Lieblingsbegriffe in seinem fußballerischen Stammvokabular. Das sind einmal die Gruppe oder das Kollektiv und zum anderen der Begriff der Rückmeldung, die er von seinen Spielern gerne erhält.
Auf die schöpferische Kraft gemeinsamer Anstrengungen baut der Coach bei der Mission Klassenerhalt, die seit Wochenbeginn rund um den Betzenberg läuft, mit aller Konzentration.
Insgesamt acht Trainingseinheiten stehen von Montag bis Donnerstag auf dem Programm, ehe es ab Freitag für ein achttägiges Trainingslager ins spanische Lomas de Campoamor geht. Dort, so hoffen nicht nur Kurz, sondern auch die Fans, wird er wohl hoffentlich die erhoffte und erforderliche Rückmeldung aus dem Kollektiv erhalten.
Die Stärken



Das größte Plus des Vorjahressiebten sind seine innere Ruhe und Geschlossenheit vom Aufsichtsrat über Vorstand, Trainer, Betreuer bis zur Mannschaft. Probleme und diskussionswürdige Themen (so es sie denn geben sollte) werden intern und ohne Aktionismus behandelt. Diese Tatsache war auch ein Faustpfand, als der FCK in der Saison 2010/2011 lange Zeit ein Abstiegskandidat war.
Auf dem Platz herrschen in der Regel klare Strukturen. Der viel umworbene Kevin Trapp ist klarer Torwart Nummer eins. Die Vierer-Abwehrkette ist - unabhängig von personeller Besetzung in der Mitte oder auf der linken Seite - Garant dafür, dass Lautern die sechstbeste Abwehr der Liga nach Gegentoren gerechnet hat. Auf der rechten Seite ist der unermüdliche Florian Dick ebenso unumstritten wie Trapp. Die Mannschaft ist nicht an systematische Vorgaben gebunden, spielt ein 4-2-3-1 genauso auf dem Reißbrett herunter wie eine Variante mit zwei Stoßstürmern. Indes: Es hapert an der Passqualität und am Abschluss im Schlussviertel der taktisch diszipliniert vorgetragenen Angriffsbemühungen.
Die Schwächen



Woran es beim Vorjahresaufsteiger im bisherigen Saisonverlauf mangelt, ist kein Geheimnis. Aufwand und Ertrag stehen in einem proportional (zu) hohen Missverhältnis. Die Lauterer sind spielerisch und taktisch meist gleichwertig, erspielen sich teils hochkarätige Torchancen, haben mit 13 Treffern (davon zwei Eigentore des Gegners) indes eine ziemlich grausige Bilanz.
"Im Abschluss muss unsere Qualität besser werden. Das gilt nicht nur für die Stürmer, das gilt für alle Mannschaftsteile." Womit Kurz auch die mangelnde Torgefährlichkeit seiner Mittelfeldspieler, aber auch der kopfballstarken Abwehrakteure bei Standards anspricht.
Mit dem für 18 Monate von Bayer Leverkusen ausgeliehenen 20-jährigen Dänen Nicolai Jörgensen, der noch auf den EM-Zug mit der Nationalmannschaft aufspringen möchte, hat der FCK einen Hoffnungsträger im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten verpflichtet.
Als "Perspektivspieler, den wir sehr intensiv beobachtet haben" (Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz), gilt der 19-jährige polnische Angreifer Jakub Swierczok, der in der zweiten polnischen Liga auf sich aufmerksam machte.
Hinzu kommt: Trotz Stabilität und Kompaktheit im Defensivverbund machen es die Roten Teufel dem Gegner oft durch individuelle Fehler und Missgeschicke zu einfach, zu Gegentoren zu kommen. Diese haben dann mitunter auch eine fatale Wirkung auf die Psyche der Pfälzer, die stets einen enorm hohen Laufaufwand betreiben müssen, um in günstige Schusspositionen zu kommen.
Die TV-Prognose



Die Rückrunde des zweiten Jahres nach dem Wiederaufstieg wird für den wirtschaftlich immer noch nach Gesundung strebenden Traditionsverein noch schwieriger als im vergangenen Jahr.
In der Bundesliga wird das Kollektiv, um mit dem Trainer zu sprechen, nur dann bleiben können, wenn sich der Aufwand und der Ertrag einander angleichen - sprich die gesamte Mannschaft torgefährlicher wird.
Ab dem 21. Januar (18.30 Uhr zu Hause gegen Werder Bremen) beginnt der Tanz auf der Rasierklinge.