Kicken hinter Gittern

Die Sepp-Herberger-Stiftung übernimmt viele soziale Aufgaben unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bunds (DFB). Seit 2008 gibt es ein Projekt, das besonders viel Erfolg verspricht. Der Titel: "Anstoß für ein neues Leben." Erstmals ist auch die Jugendstrafanstalt Wittlich dabei.

Wittlich. Eine bessere Botschafterin als Celia Okoyino da Mbabi hätten die Initiatoren und Macher des Projekts "Anstoß für ein neues Leben" kaum finden können. Die 24-Jährige ist derzeit das wohl bekannteste Gesicht des Frauenfußballs in Deutschland - und ein attraktives dazu. Außerdem ist sie geradezu das Idealbild eines Mitglieds der Multi-Kulti-Gesellschaft. Als Tochter einer Französin und eines Kameruners entschied sie sich, "weil ich in Bonn geboren bin", für die deutsche Staatsbürgerschaft. "Rassismus habe ich persönlich übrigens noch nie erlebt", antwortet sie auf die Frage eines Mitglieds der Fußballmannschaft der Jugendstrafanstalt (JSA) Wittlich, die nicht nur komplett erschienen ist, sondern, wie Sportlehrer Ralf Klimperle betont, "aus eigener Tasche" für die Fußballerin ein Orchideengebinde als Gastgeschenk gekauft hat.
Überrascht und gerührt


Die Nationalspielerin ist überrascht, erfreut und gerührt, lässt sich gerne mit jedem Kicker einzeln ablichten und ist beim Training mit von der Partie. Verwundert ist die Lebensgefährtin von Marko Sasic, dem Sohn des bekannten Trainers Milan Sasic, über die Kenntnisse der Fußballer, "die (fast) alles über mich wissen".
Als sie im Jahr 2011 gefragt wurde, ob sie als Gesicht für die Kampagne zur Verfügung stehe, hat sie spontan Ja gesagt. "Soziales Engagement halte ich für äußerst wichtig. Es macht mir natürlich besonders viel Spaß, weil mein Sport dabei im Mittelpunkt steht. Wenn ich helfen kann, etwas zu bewegen, tue ich das gerne. Und mich hier zu engagieren, ist für mich wichtig."
Die größte Bedeutung misst sie allerdings der komplexen Förderung bei: "Der Fußball steht ja am Anfang dieser Integrationsmaßnahme. Da geht es erst einmal darum, dass die Jungs sich untereinander respektieren und das Miteinander lernen. Da die Handwerkskammern und die Bundesagentur für Arbeit das Projekt aktiv unterstützen, erhöht sich für die Jugendlichen nach der Entlassung die Chance enorm, die in der JSA begonnene Resozialisierung zu einem perfekten Abschluss zu bringen." Denn mit dieser Partnerschaft werden "Fußball, Arbeit und Beruf und Soziales in idealer Weise zusammengeführt", betonte die stellvertretende Anstaltsleiterin Kerstin Stricker in ihrer Begrüßungsrede.
Mit ihrer offenen, sympathischen Art kommt die Weltklasse-Fußballerin Okoyino da Mbabi bei allen Anwesenden gut an. Ausweichend antwortet sie lediglich auf die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten im Frauenfußball: "Eine Spitzenspielerin kann davon leben, aber nichts für die Karriere nach der Karriere zurücklegen." Sie spielt seit Jahren in Bad Neuenahr, "weil es auch wegen der Nähe zur Uni in Koblenz praktisch ist".
Wechsel nicht ausgeschlossen


Ob das immer so bleiben wird, lässt sie allerdings offen. Denn Neuenahr hat schon lange keine überragenden Erfolge mehr feiern können. "Angebote von den Topteams flattern jedes Jahr ins Haus", sagt Okoyino da Mbabi - als amtierende Fußballerin des Jahres und begnadete Torjägerin ist sie begehrt. "Mein Vertrag läuft noch bis zum Ende der Saison, was danach wird, weiß ich noch nicht." Dem Projekt, das sie derzeit vertritt, wird sie in jedem Fall weiter treu bleiben.
Extra

Celia Okoyino da Mbabi Geboren: 27. Juni 1988 Geburtsort: Bonn Familienstand: ledig Beruf: Studentin der Kulturwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau Größe: 1,74 Meter Gewicht: 61 Kilogramm Derzeitiger Verein: SC 07 Bad Neuenahr Position: Stürmerin Größte Erfolge: 13 U-17-Länderspiele (15 Tore), zwölf U-19-Länderspiele (elf Tore), vier U-20-Länderspiele (zwei Tore), 70 Frauen-Länderspiele (35 Tore), 2004 Bronze bei Olympia in Peking, 2009 Europameisterin in Finnland, 2012 Fußballerin des Jahres in Deutschland, 2013 beste Torschützin der EM-Qualifikation (17 Tore) wir