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Mosella Schweich: Große Kulisse, hohe Pleite, heftige Feier

Welch’ ein Spiel : Große Kulisse, hohe Pleite, heftige Feier

Knapp 60 Jahre sind es her: Die Fußballer von Mosella Schweich baten am heimischen Winzerkeller den 1. FC Saarbrücken im DFB-Pokal zum Duell. Warum ein 0:8 nicht wehtat und weshalb die Gäste anschließend zunächst keine Lust hatten, wieder zurück an die Saar zu reisen. Das Pokalspiel vom 11. Februar 1961 bildet den nächsten Teil unserer Serie „Welch‘  ein Spiel“.

Am Winzerkeller herrschte Mitte Februar 1961 Pokalfieber:  Der spätere Südwestmeister 1. FC Saarbrücken trat beim TuS Mosella Schweich an. Offiziell waren es laut des damaligen TV-Berichts 2000 Zuschauer, andere Quellen nennen gar 3000 Besucher. Sie alle waren Zeugen des Duells der Gastgeber aus der damals drittklassigen 1. Amateurliga gegen den Oberligisten von der Saar – der FCS spielte gut zwei Jahre vor Einführung der Bundesliga also erstklassig und sollte einige Monate später in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft mitmischen.

In der Südwestausscheidung um den DFB-Pokal war in der Runde zuvor der große Nachbar Eintracht Trier moselabwärts angetreten. Auch dieses Derby wollten bereits rund 3000 Besucher in Schweich erleben. Und sie sahen eine Sensation. Der heutige Ehrenvorsitzende Horst Schmitt steuerte gleich zwei Treffer bei,  außerdem war Carlo Bianchi zum 3:1-Erfolg über den SVE erfolgreich. Und das zum Leidwesen von Bernd Münchgesang. Der junge Lehrer war gerade aus dem schwäbischen Harburg nach Trier gezogen: „Ich sympathisierte mit der Eintracht. Als ich vom peinlichen Pokal-Aus im Radio erfuhr, ärgerte mich das maßlos.“ Später zog Münchgesang nach Schweich, wirkte bei der Mosella auf verschiedenen Ebenen bis hin zum Vorsitzenden. Heute ist der 75-jährige Pensionär Ehrenpräsident der Mosella und kann zumindest im Nachhinein stolz auf diesen Coup sein.

Der Triumph über Trier gelang den Schweichern auf einem „pfützenübersäten Lehmfeld“, wie dem TV-Artikel zu entnehmen ist.

„Es gab da so manche Schlammschlacht“, berichten mit Norbert Kintzinger (79) und Albert Hannig (84) zwei Spieler der damaligen Elf. „Wie oft war da die Tapete weg. Ein paar Stückchen Schlacke habe ich wohl immer noch in meinem Oberschenkel“, hat Kintzinger schmerzhafte Erinnerungen, die buchstäblich unter die Haut gingen.

Der wieselflinke Mittelfeldspieler Hannig glänzte gegen die Eintracht durch zwei maßgenaue Vorlagen von außen. Im darauffolgenden Match gegen den 1. FC Saarbrücken hatte der 1953 aus Tirol an die Mosel gezogene Hannig („Innerhalb von vier Tagen hatte ich da die Spielberechtigung – dank des großen Einsatzes vom damaligen Kreisvorsitzenden und Mosella-Vorstand Hermann Schmitt.“) sogar die Führung auf dem Fuß: „Ich vergab aber etwas überhastet. Die Nervosität war vor solch einer Kulisse doch etwas zu groß.“

Bis zur Halbzeit hielt die Mosella gegen die Mannschaft um Nationalspieler Heinz Vollmar gut mit, lag nur 0:2 zurück. „Kämpferisch großartig und auch spielerisch erstaunlich gut.“ So fasste der TV  in seinem Spielbericht die Leistung der Hausherren in Halbzeit eins zusammen. Erst in der 38. Minute ging der hohe Favorit in Führung.

„Anschließend wurde es aber deutlich. Saarbrücken ließ den Ball immer wieder schön laufen, und wir verloren noch mit 0:8“, blickt Kintzinger noch einmal auf jenen 11. Februar 1961 zurück. Als Zwölfjähriger wohnte das heutige Ehrenmitglied Josef Rohr – über viele Jahre hinweg Aktiver und dann Funktionär bei der Mosella – dieser Partie bei: „Nach Schulende hatte ich mich sehr beeilt, um rechtzeitig zum Anpfiff da zu sein. Immerhin konnte ich dann noch aus der Sprunggrube am Spielfeldrand zuschauen. Solch eine Kulisse und ein Gegner diesen Kalibers: Es war ein echtes Ereignis in Schweich.“

Dass die Begegnung vielen so gut in Erinnerung geblieben ist, hängt besonders  mit der dritten Halbzeit im Vereinslokal Junges zusammen. Eigentlich wollten die Saarbrücker (schieden im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen aus) wegen anderer Verpflichtungen schnell weg.

Sie kamen aber doch noch mit. Was sich daraus entwickelte, schildert Kintzinger so:  „Zunächst war alles etwas verkrampft. Dann stimmte aber Günter Emmrich ein paar Lieder an und es entwickelte sich eine klasse Stimmung.“ Einer der Jüngsten im Team der Mosella, dessen Sohn Harald heute als Präsident die Geschicke des Vereins leitet, hatte so seinen Anteil daran, dass sich die Gäste sehr wohlfühlten und weitaus länger als geplant bleiben sollten. Die letzten Gäste  machten sich sogar erst am frühen Morgen auf den Nachhauseweg. Die legendäre „schwarz-blaue Nacht“ (neben der Mosella haben die Saarbrücker die gleichen Vereinsfarben) findet auch Erwähnung in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Fußballabteilung, welche die Mosella 2019 herausbrachte.

 „Der Zusammenhalt hat uns über all’ die Jahre starkgemacht. Für Geld hat keiner bei uns gespielt. Wenn wir nach einem Auswärtsspiel eine Rast machten und von dem Verein eine kalte Platte bezahlt bekamen, war das für uns schon das Größte“, betont Albert Hannig. Und Erinnerungen wie an jene Pokalspiele in der Saison 1960/61 sind sowieso unbezahlbar.

Aufstellung der DFB-Pokal-Partie am 11. Februar 1961 zwischen dem TuS Mosella Schweich und dem 1. FC Saarbrücken (0:8):

Mosella: Dany – Schmitt, Flesch, F. Berweiler, H. Berweiler, Emmrich, C. Bianchi, Reinhart, Kintzinger, Schneider, Hannig.

Foto Klassenunterschied Schweich gegen Saarbrücken Foto: TV/Laux, Simone
Anriss Klassenunterschied Schweich gegen Saarbrücken Foto: TV/Laux, Simone

FCS: Maklica – Meng, Vollmar, Keck, Martin, Krieger, Rohe, Remark, Thiel, Diehl, Hesse.