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Mürlenbach: Jüngster Torschütze hat Wurzeln im Kylltal

Fußball : Jüngster Torschütze hat Wurzeln im Kylltal

Florian Wirtz hat mit seinem ersten Treffer für Bayer 04 Leverkusen gleich Geschichte in der Fußball-Bundesliga geschrieben. Zum 600-Seelen-Dorf Mürlenbach in der Vulkaneifel pflegt er eine besondere Beziehung.

Mit 17 Jahren und 34 Tagen hat sich Florian Wirtz zum jüngsten Torschützen der Bundesligageschichte gemacht – dank seines Treffers am vergangenen Samstag zum 2:4-Endstand in der Partie von Bayer 04 Leverkusen gegen Bayern München, als er in der 89. Minute zunächst Weltmeister Lucas Hernandez austanzte und dann Nationaltorwart Manuel Neuer mit einem Schlenzer überwand. Wirtz war damit 48 Tage jünger als der bisherige Rekordhalter Nuri Sahin bei seinem Premieren-Tor im November 2005 für Borussia Dortmund.

„Wir saßen zu Hause und haben laut gejubelt“, berichtet Vater Hans-Joachim Wirtz. Der 66-Jährige stammt aus Mürlenbach im Vulkaneifelkreis und war als Jugendtrainer der erste Förderer seines Filius, den es 2011 von Grün-Weiß Brauweiler ein paar Kilometer weiter in die Nachwuchsabteilung des  1. FC Köln zog. Gemeinsam mit dem Föhrener Jan Thielmann wurde Florian Wirtz im vergangenen Jahr Deutscher B-Jugendmeister und ist Junioren-Nationalspieler. Im Winter folgte der Wechsel des offensiven Mittelfeldspielers mit Wurzeln im Kylltal auf die andere Rheinseite nach Leverkusen.

Bayer-Trainer Peter Bosz bezeichnet den weiter für die B-Junioren spielberechtigten Wirtz als „Riesentalent“, wies aber nach dem Duell mit den Bayern auch klar auf Defizite hin: „Dieser Junge hat heute seine beste Lektion bekommen, seit er Fußball spielt. Bei den ersten drei, vier Ballkontakten hat er den Ball immer verloren.“ Doch Wirtz  sei „ein guter und intelligenter Spieler. Er nimmt das an und wird daraus lernen, dass man in der Bundesliga wenig Zeit hat“.

Wirtz senior sieht die Kritik des Niederländers nach dem insgesamt vierten Bundesligaspiel seines Sohnes als „absolut richtig“ an, weiß um die Stärken („Er kann seine Mitspieler mit präzisen Pässen immer wieder sehr gut in Szene setzen.“)  und Schwächen („Manchmal etwas zu ehrgeizig.“). Die Familie achte darauf, dass der junge Star auf dem Boden bleibt: „Da passen meine Frau Karin und ich schon auf. Aber Florian weiß, wo er herkommt und kennt auch seine Mitspieler von früher noch.“ In Florians Stammverein Grün-Weiß Brauweiler ist Hans-Joachim Wirtz fest verankert, fungiert er doch seit 1994 als Jugendleiter  und seit ’97 auch noch als Vorsitzender.

Die Liebe zum Fußball entwickelte Wirtz in Mürlenbach und als Jugendspieler beim benachbarten SV Birresborn. Als C-Junior wirkte er hier Ende der sechziger Jahre bereits in der AS-Jugend mit und lieferte sich unter anderem heiße Duelle mit dem SV Rivenich, in dessen Reihen damals ein gewisser Klaus Toppmöller stand. „In Trier-Zewen habe ich mal ein ganz besonderes Tor erzielt, als  ich den Ball an den Hinterkopf geschossen bekam und er von dort aus ins Tor ging“, lacht Wirtz.

Auch, als der frühere Bundesgrenzschutzbeamte längst in den Kölner Raum umgezogen war, reiste er an den Wochenenden ins heimatliche Mürlenbach, um das Kreisligateam zu unterstützen. An die Zeiten unter Trainer Willi Klein erinnert sich Wirtz besonders gerne zurück. Bis heute kommt er regelmäßig zurück, besucht das Grab der Eltern, trifft sich mit alten Kumpels und schaut an seinem Lieblingsort im 600-Seelen-Dorf vorbei – dem Sportplatz. Mit dabei sind dann auch manchmal Florian und seine zwei Jahre ältere Schwester Juliane, die ebenfalls das Trikot mit dem Bundesadler und das von Bayer 04 in der Bundesliga trägt.

Wirtz Foto: privat
Florian Wirtz Foto: privat
Wirtz Foto: privat

Im Kylltal sind sie auf den jüngsten Bundesligatorschützen mächtig stolz, zumal sein Vater Hans-Joachim viele Verbindungen in die alte Heimat hat. Diese pflegte er auch als Mitglied der Freizeitmannschaft Inter Eifel. „Das waren alles Leute, die von hier stammen und sich in Köln zum Kicken getroffen haben. Jahrelang sind sie dann auch zu unserem Sportfest nach Birresborn gekommen“, berichtet  Thomas Becker, der den TV mit seinem Tipp auf die Kylltaler Wurzeln des jüngsten Bundesligatorschützen aufmerksam gemacht hat.