1. Sport
  2. Fußball
  3. Regional

Nach der Kapitänin kommt lange nichts

Nach der Kapitänin kommt lange nichts

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will die Chance nutzen, mit der Weltmeisterschaft hierzulande den Frauen-Fußball nachhaltig in der Gesellschaft zu verankern. Bei aller Euphorie wird das kein leichtes Unterfangen.

Trier. Die Vergleiche wird es wohl immer geben. Über den Männer-Fußball werden Assoziationen zum Frauen-Fußball hergestellt. Doris Fitschen kann ein leidvolles Lied davon singen: "Als Spielerin war ich früher der weibliche Beckenbauer, jetzt bin ich als Managerin der Frauen-Nationalelf der weibliche Bierhoff."
Die im Frauen-Fußball Verantwortlichen wollen der Sackgasse entfliehen. Mehr Eigenständigkeit, mehr Profil — so lautet das Ziel. Katalysator soll die WM im eigenen Land sein (26. Juni bis 17. Juli). "Mit ihr haben wir die fantastische Chance, den Frauen-Fußball noch mal voranzubringen", sagte Fitschen bei einem Vortrag auf Einladung des Marketing-Clubs Trier-Luxemburg im ERA-Congress-Center.
In der Geschichte gab es schon zwei wichtige Impulse: Der EM-Sieg 1989 im eigenen Land, als das Interesse der Deutschen am Frauen-Fußball stark stieg. Und der WM-Titel 2003, nach dem auch die werbetreibende Wirtschaft begann, sich mit dem Frauen-Fußball zu identifizieren. So richtig verwurzelt in der Gesellschaft ist der Frauen-Fußball heute dennoch nicht. "Die Bekanntheit der Nationalspielerinnen ist ausbaufähig. Wenn man auf der Straße nach ihnen fragt, fällt der Name der Kapitänin Birgit Prinz. Danach kommt lange nichts", sagt Fitschen.
Das zu ändern, erfordert einen Kampf um Aufmerksamkeit. Fitschen: "Kommunikation ist für uns sehr wichtig. Wir wollen die Nationalspielerinnen auch abseits des Platzes bekannter machen, sie als attraktive, moderne, selbstbewusste Frauen präsentieren." Fotoshootings, Werbespots, Pressetermine — die PR-Maschinerie ist angelaufen. "Die Frauen-Nationalmannschaft ist der Motor, und sie bestimmt, wie viel PS die WM haben wird", glaubt Steffi Jones, Präsidentin des WM-Organisationskomitees.
Ziel des DFB als Ausrichter ist, die WM mit einer schwarzen Null abzuschließen. Das Budget beträgt rund 50 Millionen Euro. Zur Refinanzierung tragen sechs nationale Förderer bei, die je vier Millionen Euro zahlen. Die restlichen 26 Millionen Euro müssen durch den Kartenverkauf in die Kasse kommen.
Um diese Summe zu erreichen, müssen die Stadien im Schnitt zu 80 Prozent ausgelastet sein. Die Spiele der deutschen Elf werden ausverkauft sein, aber die anderen? Fitschen gibt sich realistisch: "Es ist eine echte Herausforderung, die Stadien zum Beispiel auch bei Partien mit der Beteiligung von Äquatorialguinea voll zu bekommen."Doris Fitschen absolvierte als Spielerin 144 Länderspiele. Vier Mal wurde sie Europameisterin. Heute ist die 42-Jährige Managerin der Frauen-Nationalelf und im Organisationskomitee für die WM 2011 in Deutschland aktiv. red