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Pokaltriumph des FC Bitburg trotz ganz schwerer Beine

TV-Serie „Welch ein Spiel!“ : Pokaltriumph trotz ganz schwerer Beine

Den Namen Bitburger trägt der Rheinlandpokal heutzutage dank des Sponsorings der Bierbrauer aus der Südeifel. 1988 wurde dagegen der dort ansässige Fußballclub in einem Atemzug mit dem Cup genannt. Zum ersten und bislang einzigen Male gelang den Männern des FC Bitburg da der Pokalsieg. Das durch eine atemberaubende Aufholjagd mit 6:5 gewonnene Duell gegen den FSV Salmrohr macht den Auftakt unserer Serie „Welch ein Spiel!“.

Vor 32 Jahren verschwendete noch niemand einen Gedanken an die Live-Übertragung eines Rheinlandpokal-Endspiels. Auch die Vermarktung des Finals spielte im Gegensatz zu heute keine Rolle. Deshalb war es 1988 auch noch möglich, dass der FC Bitburg nur 42 Stunden (!) nach dem kräftezehrenden 2:1 in der Verlängerung beim klassenhöheren Oberligisten SpVgg  Eintracht Glas-Chemie Wirges bereits zum Endspiel antreten musste. Am Donnerstag, 2. Juni 1988, wartete auf neutralem Platz im Trierer Moselstadion Oberligist FSV Salmrohr auf die Bitburger, die seinerzeit eine Etage tiefer in der später in Rheinlandliga umbenannten Verbandsliga spielten.

„Eigentlich“, erinnert sich Rolf Christian, „waren wir körperlich total am Ende und konnten uns beim Warmmachen kaum bewegen“. Der damals 23-Jährige hatte als Linksaußen einen Stammplatz im Team von Trainer Peter Berger, das sich erst sonntags zuvor dank des 3:0 im Entscheidungsspiel von Wittlich gegen den FV 07 Engers den Klassenverbleib gesichert hatte. Diese Partie und der Coup in Wirges hatten bei den Bitburgern nicht nur für schwere Beine gesorgt, sondern auch ausgiebige Feierlichkeiten nach sich gezogen. „Nach dem Sieg im Halbfinale haben wir bis morgens in unserem Vereinslokal zum Rathaus gefeiert. Von da aus bin ich dann direkt zur Arbeit gegangen“,  berichtet der heute noch in seinem Beruf als Postbeamter tätige Christian. Grund genug hatten die Bitburger allemal, bereits den Finaleinzug kräftig zu begießen: Damit hatten sie seinerzeit schon die Teilnahme am DFB-Pokal sicher.

Die Partie der ausgelaugten Bitburger gegen die eine Saison zuvor erst aus der Zweiten Bundesliga abgestiegenen Salmrohrer schien denn auch den erwartbaren Gang zu nehmen. Vor 530 Zuschauern lag der von Friedhelm Rach trainierte FSV durch die Treffer von Achim Thielmann, Hamid Ali-Doosti und Herbert Herres bereits nach gut einer halben Stunde mit 3:0 vorne – und das nach Meinung von Christian völlig zurecht: „Salmrohr hat wie aus einem Guss gespielt. Wir hatten keinen Zugriff.“

Eher zufällig wirkte da das 3:1 durch Werner Ehlenz auf Eckballvorlage von Frank Blasius (34.). Herres krönte kurz nach der Pause einen sehenswerten Sololauf zum 4:1 (46.), und der FSV ließ in den Minuten danach nicht locker. In seiner Analyse musste Coach Rach eingestehen, dass man insgesamt „Chance für zehn Tore“ gehabt habe.

Was dann folgte, kann sich Christian, der als D-Junior vom Stadtteilclub Stahler SC zum FCB gewechselt war, bis heute nicht genau erklären. Einem Fauxpas von Salmrohrs Schlussmann Karl-Heinz Kieren, der den Ball nach einem Eckstoß von Friedhelm Thielen ins eigene Netz faustete (54.) ließ Hansi Pelzer nur acht Minuten darauf das 3:4 aus Sicht des Underdogs aus der Bierstadt folgen.

Salmrohr bescheinigte der TV-Berichterstatter in seinem Artikel zum 88er Rheinlandpokalfinale nun Konfusität. Zu allem Überfluss unterlief auch noch Verteidiger Alfred Weyland ein Eigentor (75.), als er den Ball nach einem Flachpass von Kurt Willems über die eigene Linie beförderte – 4:4! Hier die immer mehr nachlassenden Salmrohrer, dort die euphorisierten Bitburger, denen nun auch die Verlängerung nichts mehr anhaben konnte: Sogar das zwischenzeitlichen 5:5 durch Thielmann (102.; zuvor hatte Ralf Hau das 5:4 für den FC gemacht) ließ die Kreisstädter kalt. In Minute 111 traf Kurt Willems auf Freistoßvorlage von Thielen zum viel umjubelten 6:5. „Am Ende haben wir uns in jeden Ball geworfen. Rudi Heid als Libero hat die Abwehr super dirigiert“, schwärmt Rolf Christian noch heute von dem schier unglaublichen Kraftakt.

Eine vollmundige Ankündigung motivierte den später noch für den SV Prüm in der Oberliga aktiven Christian und seine Teamkollegen besonders: „Einer der Salmrohrer hatte vor dem Spiel noch getönt, dass wir von ihnen fünf Stück eingeschenkt kriegen. Damit behielt er recht. Nur zum Sieg sollte es für sie nicht reichen.“

Per Hupkonzert meldeten sich die frischgebackenen Pokalsieger nach ihrer Rückkehr in Bitburg zurück. „Groß gefeiert wurde dann aber nicht mehr“, erinnert sich der heute mit seiner Familie in Trier lebende Christian. „Wir waren nach diesem Wahnsinns-Endspiel dann wirklich K.o.“

Die Hoffnung, im DFB-Pokal das große Los zu ziehen, erfüllte sich für den FCB aber nicht. In einem Wettbewerb, der damals auch noch reine Amateurduelle zuließ, hieß der Gegner Saar-Verbandsligist Saar 05 Saarbrücken. Mit 1:2 schieden die Bierstädter in der ersten Runde aus. Die im Finale noch so gedemütigten Salmrohrer schlugen dagegen den Zweitligisten SC Freiburg mit 2:0 und zogen dann knapp mit 0:1 nach Verlängerung gegen den ebenfalls klassenhöheren 1. FC Saarbrücken den Kürzeren.

Aufstellungen des Rheinlandpokalendspiels am 2. Juni 1988 im Trierer Moselstadion:

FSV Salmrohr: Kieren – Irmisch (57. Streit), A. Schömann, Weyland, Brittner, Plath, Herres, Thielmann, M. Schömann, Thiel (78. Berg), Ali-Doosti.

FC Bitburg: Schu – Heid, Blasius, Hoor, Willems, Penth (57. Hau), Ehlenz, Pelzer, Christian, Schäffer (74. Otte), Thielen.

Rolf Christian Foto: Andreas Arens

Schiedsrichter: Wilhelmi (Konz)