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Rasender Rasenzwerg mit Köpfchen Teuflisch gute Ausgangsposition

Rasender Rasenzwerg mit Köpfchen Teuflisch gute Ausgangsposition

Nach dem 1:0 (0:0)-Sieg über Arminia Bielefeld hat Zweitliga-Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern auf dem Tollhaus Betzenberg seinen Vorsprung auf den Relegationsplatz drei bereits auf fünf Punkte ausgebaut und lässt in der Pfalz endgültig die Aufstiegsträume blühen. Spitzenreiter mit 33 Punkten nach 14 Spieltagen - nach dem 1:0-Erfolg im Spitzenspiel gegen Arminia Bielefeld greift der 1. FC Kaiserslautern nach der Herbstmeisterschaft in der 2. Fußball-Bundesliga.

Kaiserslautern. "Im Training haben wir das ein paar mal geübt mit Ivo, da hat es ganz gut geklappt. Schön, dass es jetzt auch im Spiel funktioniert und uns zum Sieg verholfen hat." Fast schon spitzbübisch grinsend beschreibt der "rasende Rasenzwerg" Sidney Sam jene Szene in der 73. Minute, die zum "Goldenen Tor" beim Topspiel des 14. Spieltages führen sollte. Fast von der linken Außenlinie raste der nur 1,74 Meter große U21-Nationalspieler in Richtung Strafraum, Ivo Ilicevic flankte von rechts punktgenau, und der Ex-Hamburger ließ sich die Gelegenheit zum erfolgreichen Kopfstoß aus wenigen Metern nicht nehmen.

Torhüter Tobias Sippel hält den Sieg fest



Es war die Entscheidung in einem "Spiel auf Augenhöhe", wie nicht nur die beiden Trainer Thomas Gerstner (Bielefeld) und Marco Kurz (Kaiserslautern), sondern auch die Mehrzahl der Spieler meinten. Beim Aufeinanderprallen der beiden besten Abwehrreihen der zweiten Liga (beide erst neun Gegentore) kam es dennoch zu einigen spektakulären Torszenen, bei denen sich vor allem Kaiserslauterns U21-Europameister Tobias Sippel im Kasten auszeichnete. "Vor einer solchen Kulisse den Sieg festzuhalten, ist natürlich besonders schön" freute sich der "Zerberus", dass er vor 35 042 Zuschauern seine "weiße Weste" wahren konnte.

Der FCK hatte sicher schon besser Fußball gespielt in dieser Saison als am Montagabend, doch die Roten Teufel verdienten sich den "Dreier" mit Fleiß, großer Hingabe und Leidenschaft. "Wir müssen in jedem Spiel an unsere Leistungsgrenze gehen, das gilt auch für die nächste Partie in Rostock. Sonst können wir nichts erben in dieser ausgeglichen besetzten Liga", lautet die erfolgreich umgesetzte Vorgabe von Coach Kurz.

Unter dem ehemaligen Münchener "Löwen"-Dompteur haben die Pfälzer sichtlich an spielerischer Reife und präzisem Kurzpass-Spiel im Aufbau gewonnen. "Ab und zu ist mal noch ein langer Ball dazwischen, aber sehen muss ich so was nicht unbedingt", beschreibt der Übungsleiter selbst sein Credo: "Ich habe aber auch Spieler, die das technische Rüstzeug dafür haben."

Am Samstag auswärts bei Hansa Rostock



Dass der FCK nach vier Siegen in Folge leichtfertig in Richtung Ostsee zum Spiel am Samstag bei Hansa Rostock fahren könnte, das will der stets ruhig und sachlich wirkende Kurz verhindern. "Erstens haben wir keine Typen in der Mannschaft, die zu so etwas neigen, und zweitens würde ich jeden Schlendrian sofort austreiben." Kaiserslautern. (fan) Sind die Pfälzer in dieser Saison reif für den Bundesliga-Aufstieg? Der TV analysiert Mannschaft und Umfeld der Roten Teufel.

Defensive: Mit nur neun Gegentoren stellt der FCK die beste Abwehr der 2. Liga. Eine starke Saison spielt Torhüter Tobias Sippel, der gegen Bielefeld glänzte. Die Viererkette mit Florian Dick, Martin Amedick, Rodnei und Alexander Bugera ist das Prunkstück der Pfälzer: Hinten sicher und vorne treffsicher. So hat Kapitän Amedick schon vier Tore erzielt. Gegen Bielefeld gerieten die Lauterer aber unter Druck: Dick und Bugera offenbarten außen in der Kette Schwächen, Rodnei leistete sich unnötige Fehlpässe.

Flügelzange: Sidney Sam und Ivo Ilicevic sorgen mit ihren temporeichen und technisch gelungenen Aktionen für Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Insbesondere der quirlige und immer anspielbare Sam ist ein ständiger Unruheherd. Gegen Bielefeld belohnte er sich mit seinem zweiten Saisontor.

Offensive: Mit 22 Treffern rangieren die Lauterer nur im Mittelfeld der Liga. Die Angreifer benötigen zu viele Chancen, um Tore zu erzielen. Während Nemec zwar kampfstark ist, aber etwas hüftsteif wirkt, kurbelt Jendrisek das Offensivspiel unermüdlich an. Der Ertrag für seinen enormen Aufwand fällt allerdings zu gering aus.

Standards: Bugera ist der Vorbereiter der Pfälzer. Gegen Bielefeld trat er alle vier Ecken und sechs Freistöße in Strafraumnähe. Im Spitzenspiel blieb Bugera ohne Torvorlage, den Treffer von Sam bereitete Ilicevic mit einer Flanke vor.

Umfeld: Das Stadion und die Fans sind erstligareif. Über 35 000 Zuschauer bei einem Livespiel am Montagabend sprechen für sich. Der FCK-Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz hat trotz aller finanziellen Sorgen den Verein und die Fans wieder zusammengeschweißt.

Restprogramm vor der Winterpause: Rostock und Augsburg auswärts, dazwischen ein Heimspiel gegen Koblenz.

TV-Prognose: Ein Absturz in der Rückrunde raus aus den Aufstiegsrängen wie in der vergangenen Saison ist unwahrscheinlich. Die Mannschaft ist gefestigter und vor allem in der Defensive viel stabiler als in der Vorsaison. Sammeln die Lauterer in der Vorrunde noch drei bis vier Punkte, dann ist die Ausgangsposition für die Bundesliga-Rückkehr brillant.