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Rivenich: Wie Toppis Team den Trierern trotzte

TV-Serie Welch’ ein Spiel : Wie Toppis Team den Trierern trotzte

Toppmöller. Der Name bürgte schon Mitte der 1960er Jahre für viel Fußball-Qualität – lange bevor Klaus zum Toptorjäger des 1. FC Kaiserslautern avancierte und später Bundesligatrainer wurde. An der Seite seines Bruders Heinz und unter Vater Heinrich als Trainer zählte er einst zu jener A-Jugend des SV Rivenich, die in der Region mächtig für Furore sorgte. Gerade die Vergleiche mit Eintracht Trier hatten es in sich. Im nächsten Teil unserer Serie „Welch‘ ein Spiel“ erinnert sich Klaus Toppmöller, der heute seinen 69. Geburtstag feiert, an einige heiße Duelle.

Er war Trainer, Jugendleiter, auch mal Vorsitzender, Busfahrer, Pädagoge – schlicht Mädchen für alles. Heinrich Toppmöller prägte die Nachwuchsförderung beim SV Rivenich und hatte großen Anteil daran, dass die ältesten Jugendspieler des Vereins aus dem Salmtal in der Saison 1967/68 in der damals höchsten Liga, der A-Jugend-Sonderklasse, vertreten waren. „Mein Vater baute sogar die Scheune zu Hause um, damit wir nach dem Spiel duschen konnten“, erinnert sich Klaus Toppmöller an Zeiten, als sanitäre Anlagen auf Amateursportplätzen noch die absolute Ausnahme waren. „Es kam zwar nur kaltes Wasser raus. Das war aber egal“, fügt sein Bruder Heinz lachend hinzu.

Zu der Zeit hatten die Toppmöllers quasi noch ein weiteres Familienmitglied: Um nach dem Aufstieg auch auf der Torwartposition möglichst gut gerüstet zu sein, hatte Klaus während eines Schullandheimaufenthalts in Berchtesgaden Nägel mit Köpfen gemacht und seinen Banknachbarn aus der Kurfürst-Balduin-Realschule in Wittlich, Alois Stroh, für den SV Rivenich verpflichtet. Auf der letzten Seite eines Schulheftes bestätigte der spätere Vizepräsident des Fußballverbandes Rheinland aus dem Wittlicher Stadtteil Neuerburg per Unterschrift zu wechseln. „Die anderen Klassenkameraden waren Zeugen. Das hatte schon Stil“, erinnert sich Stroh mit einem Augenzwinkern.

Fortan chauffierte ihn Heinrich Toppmöller aus dem knapp 20 Kilometer entfernten Wittlich immer zu Training und Spielen nach Rivenich. Stroh ging bei den Besitzern der Salmtalschenke in der Dorfmitte ein und aus und lernte so auch schnell den großen Zusammenhalt der Mannschaft kennen. „Wir haben unwahrscheinlich viel zusammen unternommen, waren immer aktiv. Wenn es im Winter kalt und glatt war, haben wir auch mal Eishockey gespielt“, sagt Erwin Wagner und erntet beim Treffen mit dem TV auf der Sportanlage in Rivenich zustimmendes Kopfnicken von seinen damaligen Mannschaftskameraden Lorenz Krames, Wolfgang Esch und Dietmar Jonas.

Mit einem Team, das bis auf Stroh im Kern ausschließlich aus Rivenichern bestand, gingen sie im Spätsommer 1967 das Unternehmen A-Jugend-Sonderklasse an. Als der TuS Reinsfeld zum ersten Spiel antrat, hatten sie beim SVR schon ein mulmiges Gefühl. „Die waren zum Teil drei Köpfe größer als wir. Da prophezeiten uns einige unserer Zuschauer schon eine haushohe Niederlage“, berichtet Klaus Toppmöller. Doch es kam anders – auch, weil sein Vater Heinrich immer großen Wert auf das fußballerische Element legte. Erwin Wagner (zwischen 2004 und ’13 selbst Vorsitzender und heute Ehrenamtsbeauftragter in Rivenich) fasst die Vorgaben seines damaligen Coachs so zusammen: „Wir sollten nie den Ball lang nach vorne schlagen, sondern immer versuchen, spielerische Lösungen zu finden.“  Die Gäste aus dem Hochwald wurden schwindlig gespielt. 6:0 hieß es am Ende. Das Rückspiel gewannen die Rivenicher gar mit 8:0.

Mit Spannung wurde der zweite Spieltag erwartet, als es zum Ausnahmeteam der Trierer Eintracht ging. „Das Spiel kam noch etwas zu früh für uns. Es fehlte uns an Erfahrung. Außerdem war der Großteil unserer Mannschaft bei der Anreise Zeuge eines schweren Unfalls mit Todesfolge. Das hatte einige geschockt“, blickt Klaus Toppmöller auf die knappe 1:2-Niederlage  im Moselstadion zurück. Doch auch dank seiner Treffer marschierte sein Team in der Folge durch die Liga.

Das Rückspiel in Rivenich – damals noch auf dem Sportplatz Auf der Pferdskaul, der einige Jahre später der Autobahn 1 weichen  musste – stand unter ganz anderen Vorzeichen. Das Team um Schlussmann Stroh hatte in den Wochen zuvor viel Selbstvertrauen getankt. 500 Zuschauer waren es laut TV-Bericht damals. „Das reicht nicht. Es war alles schwarz vor Menschen. Rivenich war an dem Tag wohl wie ausgestorben, und auch aus den Nachbardörfern kamen viele gucken“, hat Heinz Toppmöller noch ein paar Hundert Zuschauer mehr in Erinnerung.

Die Eintracht um den späteren Kölner Bundesligaspieler Wolfgang Riemann erwischte den besseren Start, ging auch in Führung. Doch anschließend drückten die Rivenicher aufs Tempo. Erwin Wagner war es in der 62. Minute vergönnt, den verdienten Ausgleichstreffer zu erzielen. Bis zum Schluss kämpften beide Mannschaften mit offenem Visier. Dass Rivenich kein weiteres Tor kassierte, war auch ein Verdienst von Schlussmann Stroh und Verteidiger Lorenz Krames, dem seine Teamkollegen attestieren, aufgrund seiner ökonomischen Spielweise „nie geschwitzt“ zu haben.

Die Vizemeisterschaft stand am Ende der Saison zu Buche. Besonders weh taten die beiden Niederlagen gegen den FC Bitburg. Trotzdem ist den Rivenichern die 67/68er Spielzeit in sehr guter Erinnerung geblieben.

Nach den Spielen, in denen es außerdem gegen Birgel, Birresborn, Zewen, Post und den VfL Trier sowie Niederemmel ging, wurde in der Gaststätte der Toppmöllers auch mal ordentlich gefeiert. „Einige Fans haben uns einen Stiefel Bier ausgegeben. Das war für uns schon was“, berichtet Alois Stroh, der insgesamt zweieinhalb Jahre zwischen den Rivenicher Pfosten stehen sollte, um dann wieder zurück nach Wittlich zu wechseln.

Anfang der Siebziger zog es auch Klaus Toppmöller weg. Nach einem Turnier, an dem auch Eintracht Triers A-Junioren teilgenommen hatten und er bei allen drei Rivenicher 1:0-Siegen erfolgreich war, sprach ihn ein Betreuer des SVE an, ob er keine Lust hätte zu wechseln. Mit einer Cola und einer Bratwurst in den Händen sagte der am heutigen Mittwoch seinen 69. Geburtstag feiernde Toppmöller spontan zu. „Ich habe auch gleich für meinen Vater mit unterschrieben.“ Seiner Mutter Elisabeth habe er diesen Alleingang dann gebeichtet: „Sie meinte: Junge, du musst wissen, was du machst.“

Der Großteil der Rivenicher Mannschaft, die heute in einer Spielgemeinschaft mit den Nachbarclubs aus Sehlem und Esch in der Mosel-C-Liga kickt, blieb noch einige Jahre zusammen. Dank einer Aufstiegsserie klopften sie sogar ans Tor zur Bezirksliga. Im entscheidenden Spiel traf man auf einen Nachbarverein, dessen Stern gerade aufging – den FSV Salmrohr. Im entscheidenden Duell setzte es 1972 eine bittere 0:1-Niederlage gegen den späteren Zweitligisten. Torschütze per Elfmeter war Peter Rauen. Damals Vereinsboss und Sturmführer in Personalunion überzeugte der heutige Salmrohrer Ehrenpräsident den Rivenicher Erwin Wagner, zum FSV zu wechseln.  Später spielten auch die Toppmöller-Brüder hier, Klaus fungierte in Salmrohr zudem als Coach und Manager.

Die Liebe zu seinem Heimatverein blieb aber. Noch mit Anfang 40, als Coach von Waldhof Mannheim in der zweiten Bundesliga, sei er nach dem Vormittagstraining mit 200 Sachen über die Autobahn gejagt, um Sonntagsmittags für Rivenichs erste Mannschaft die Tore zu schießen.  Später spielte er mit seinen Kumpels aus der damaligen A-Jugend noch bei den Alten Herren. Wieder gab es Rivenicher Duelle mit Eintracht Trier. „Die haben uns nachher gar nicht mehr eingeladen, weil wir immer deren Turnier gewonnen haben“, merkt Klaus Toppmöller an.

SV Rivenich alt Foto: privat

Den großen Fußball hat „Toppi“ gerade während seiner Zeit in Leverkusen kennengelernt, als er mit Bayer 04 2002 drei Mal Vize in der Bundesliga, im DFB-Pokal und der Champions League wurde. „Leverkusen war schon eine super Welt“, sagt er. Sohn Dino erlebe nun als Co-Trainer von RB Leipzig aber „alles noch 20 Mal größer als ich damals“. Bei aller Bewunderung des Fußballs auf Topniveau: Von seiner Zeit in der AS-Jugend des SV Rivenich spricht Klaus Toppmöller im Kreise seiner früheren Weggefährten noch immer voller Begeisterung und erinnert sich gerne an die Spiele, als Hunderte von Zuschauern den alten Platz Auf der Pferdskaul säumten, die gegnerischen Spieler schon mal drei Köpfe größer waren und in der elterlichen Scheune nur kalt geduscht werden konnte.